https://queer.de/?42530
"Rückwärtige Moralvorstellung"
Anastasia Biefang startet Petition an Verteidigungsministerin
Die Bundeswehr tadelte ihre bekannteste trans Vertreterin, weil sie ein Tinder-Profil hat. In einer Petition wird nun die Führung der deutschen Streitkräfte aufgefordert, sich endlich von überholten Moralvorstellungen zu befreien.

Oberstleutnantin Anastasia Biefang vergangenes Wochenende beim CSD in Köln (Bild: Twitter / Anastasia Biefang)
- 6. Juli 2022, 06:17h 2 Min.
"Zu queer für die Bundeswehr. Vielfalt ja, aber bitte in Maßen?" So lautet die Überschrift der neuen Petition im Portal AllOut, die von der trans Bundeswehr-Kommandeurin Anastasia Biefang gestartet wurde. Darin fordert sie Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht und Wehrbeauftrage Eva Högl (beide SPD) auf, das Soldatengesetz zu ändern, um die sexuelle Selbstbestimmung aller Personen in der Bundeswehr sicherzustellen.

Veranlasst Verteidigungsministerin Christine Lambrecht, dass die Bundeswehr nicht mehr dem Sexleben ihrer queeren Soldat*innen hinterherspioniert? (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)
Hintergrund ist der Verweis gegen Biefang wegen ihres privaten Datingprofils, der im Mai vom Bundesverwaltungsgericht bestätigt wurde (queer.de berichtete). Ihren Vorgesetzten war dabei ihre Tinder-Anzeige zu weit gegangen, in der sie erklärt hatte: "Spontan, lustvoll, trans*, offene Beziehung auf der Suche nach Sex. All genders welcome".
"Eingriff in mein Grundrecht auf sexuelle Selbstbestimmung"
In der Petition erklärte Biefang: "Die Bundeswehr nutzt mich regelmäßig für Queer-Kampagnen um zu zeigen, wie offen und modern sie ist. Als aber mein privates Tinder-Profil veröffentlicht wurde, war es vorbei mit der Offenheit und Toleranz." Auf dem Profil habe nur ihr Alter und Name gestanden, aber keinerlei Hinweis auf ihren Arbeitgeber. "Als 48-jährige Soldatin empfinde ich das als einen nicht zu rechtfertigenden Eingriff in mein Grundrecht auf sexuelle Selbstbestimmung", so Biefang. "Die Begründungen sind Zeugnis einer komplett rückwärtigen Moralvorstellung."
An die Verteidigungsministerin und die Wehrbeauftragte richtete sie die Forderung: "Wir fordern die sofortige Anpassung der außerdienstlichen Wohlverhaltenspflicht im Soldatengesetz und den Schutz der sexuellen Selbstbestimmung aller Mitglieder der Bundeswehr. Hier muss mit gleichen Maßstäben für ALLE, inklusive FLINTA (Frauen, Lesben, Intersex, Nicht-binären Menschen, trans Menschen und asexuellen Menschen) angesetzt werden."
Das Urteil gegen Biefang hatte im Mai zu einem politischen Streit geführt: Kritik des Queerbeauftragten Sven Lehmann (Grüne) wurde von der früheren Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) brüsk zurückgewiesen (queer.de berichtete). Aus Solidarität veröffentlichten außerdem zum Tag der Diversity viele weitere queere Beschäftigte der Bundeswehr ihre Datingprofile (queer.de berichtete). (dk)
Links zum Thema:
» Petition unterzeichnen














Habe gerade unterzeichnet.