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Omas heimliche lesbische Affäre

Bei der Familienfeier zum 75. Geburtstag von Nena kommen zahlreiche Geheimnisse und Lügen auf den Tisch: Laura Bispuris gelungener Film "Das Pfauenparadies" zeigt die Fragilität der bürgerlichen Fassade.


Nena (Dominique Sanda, r.) und ihre Haushälterin Lucia (Maddalena Crippa) werden bei einem Kuss ertappt (Bild: Vivo film)

Wer kennt das Szenario nicht: Ein runder Geburtstag steht an und mit ihm eine Familienfeier, auf der alle internen Spannungen und Konflikte für einen Tag unter den Tisch gekehrt werden sollen. Derartige Vorhaben verheißen meist nichts Gutes – so auch im mittlerweile dritten Spielfilm "Das Pfauenparadies" der italienischen Regisseurin Laura Bispuri.

Ausgangspunkt der Filmhandlung ist der 75. Geburtstag von Nena (Dominique Sanda), die zu diesem Anlass ihre Familie einlädt. Dazu gehört etwa Tocher Caterina (Maya Sansa), die sich jüngst von ihrem Lebensgefährten Manfredi getrennt hat. Der Haken dabei: Die Familie weiß noch nichts von der Trennung, und als sich kurzerhand eine Gelegenheit bietet, lädt Nena ihren geliebten (Ex-)Schwiegersohn zur Zufriedenheit aller ein. Ausgenommen natürlich Caterina, die lieber ohne ihren Ex-Partner gefeiert hätte.

Asphalt als Symbol der harten Realität


Poster zum Film: "Das Pfauenparadies" läuft seit 7. Juli 2022 im Kino

Caterina muss zudem die undankbare Aufgabe erfüllen, sich über die frisch verkündeten Hochzeitspläne ihres Bruders Vito und seiner Frau Adelina zu freuen, die entgegen der Präferenzen der schnoddrigen, kühl-rationalen Schwester auch noch in höchst biederen und kitschigen Fantasien ausgeleuchtet werden. Ein Priester solle die Zeremonie leiten, so Adelina. Einer aber, der dies mit einer solch hinreißenden Leidenschaft tue, als würde es sich um seine eigene Hochzeit handeln. "Wird schwer", kontert Caterina trocken.

Über all den subtil lodernden Spannungen schweben den Film über die offensichtlich ungeklärten Liebesverhältnisse von Mutter Nena. Denn die ist seit mittlerweile 40 Jahren mit Umberto verheiratet. Doch verbindet sie, das wird schon zu Beginn des Filmes klar, offensichtlich auch ein Liebesverhältnis mit ihrer Haushälterin Lucia (Maddalena Crippa). Ausgerechnet an Nenas Geburtstag werden die beiden nun in einem Moment der Intimität von den übrigen Familienmitgliedern gesehen.

Es ist offensichtlich: Diese Familie möchte schwerelos fliegen, doch lasten die mal mehr und mal weniger subtilen Konflikte an ihr wie tonnenschwere Granitblöcke. Diese Schwere symbolisiert sich auf geradezu poetische Weise im von Vito und Adelina mitgebrachten Haustier, einem Pfau. Dieser möchte – nachdem er von Nena auf den Balkon abgeschoben wurde – zu einem grazilen Flug ansetzen, doch landet er unvermittelt auf dem harten Asphalt der Straße.

Das Ende der alten Lügen

Man kann es drehen und wenden, wie man möchte: Die alten Lügen haben ausgedient, nun hilft nur noch das Miteinanderreden, um die Schmerzen der alten Wunden zu lindern und eine potenzielle Basis für zukünftiges Vertrauen zu errichten. An einem nahegelegenen Strand brechen sich die Worte schließlich Bahn. Doch sind es nicht die Worte der bürgerlichen Welt, nicht die leeren Worthülsen oder verlogenen Phrasen, sondern offene Worte, die den zuvor so um Fassung bemühten Charakteren offensichtlich einiges abverlangen.

So ist "Das Pfauenparadies" ein gelungener Film der leisen Zwischentöne, der die schon oft gestellte und nicht einfach zu beantwortende Frage aufwirft, wer wir eigentlich sind und ob wir bereit sind, dem eigenen Selbst zur freien Entfaltung zu verhelfen. Fest steht nach diesem Film auf jeden Fall: Ständig nur die Erwartungen anderer erfüllen zu wollen, kann langfristig nur in einer Katastrophe münden.

Direktlink | Offizieller Trailer zum Film
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Infos zum Film

Das Pfauenparadies. Drama. Italien 2021. Regie: Laura Bispuri. Cast: Dominique Sanda, Alba Rohrwacher, Maya Sansa, Carlo Cerciello, Fabrizio Ferracane, Leonardo Lidi, Tihana Lazović, Yile Yara Vianello, Ludovica Alvazzi Del Frate, Carolina Michelangeli, Maddalena Crippa. Laufzeit: 89 Minuten. Sprache: italienische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Verleih: RFF Real Fiction Filmverleih. Kinostart: 7. Juli 2022
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