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Landkreis Regensburg
Bayern schmeißt Teenstar aus Grundschule
Ein Sexualpädagogik-Kurs des queerfeindlichen Vereins Teenstar Deutschland an einer Grundschule im Landkreis Regenburg wurde nach Recherchen des Bayrischen Rundfunks vom Kultusministerium und dem Schulamt abgesagt.
- 9. Juli 2022, 12:01h 3 Min.
Mitglieder des queerfeindlichen Vereins Teenstar Deutschland sind weiterhin als externe Berater*innen an Deutschlands Schulen aktiv. Ein laufender Sexualpädagogik-Kurs in einer vierten Klasse an einer Grundschule im Landkreis Regensburg wurde in dieser Woche erst nach Recherchen des Bayerischen Rundfunks (BR) abgesagt.
Laut BR wurde bereits die erste Einheit des mehrteiligen Workshops "Ich und mein Körper. Meine Entwicklung verstehen – stark werden für die Jugendzeit" durchgeführt. Sowohl das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus als auch das zuständige Schulamt hätten erst durch die Recherche von der Veranstaltung des christlich-fundamentalistischen Vereins erfahren. Der Teenstar-Kurs sei daraufhin "in Einklang mit den Bayerischen Richtlinien zur Familien- und Sexualerziehung" sofort abgebrochen worden. Die Eltern wurden informiert.
"Zwei Männer oder zwei Frauen passen [...] nicht zusammen"
Der Verein Teenstar, der seinen Sitz im unterfränkischen Leidersbach hat, bewegt sich in einem extrem queerfeindlichen Umfeld, hat enge Verbindungen ins "Homoheiler"-Milieu rund um die "Offensive Junger Christen" und arbeitet mit der "Demo für alle" zusammen. In Broschüren des Vereins heißt es unter anderem, dass Selbstbefriedigung nicht gesund sei und nur ein Mann und eine Frau eine "wirkliche" Familie gründen könnten: "Mann und Frau sind füreinander geschaffen, Zwei Männer oder zwei Frauen passen auf diese Weise nicht zusammen."

Teenstar-Broschüre: Lesben und Schwule können "keine wirkliche Familie gründen"
In Materialien für Ausbilder*innen, die 2018 von der österreichische Zeitung "Falter" veröffentlicht wurden, hieß es sogar, dass Schwule und Lesben durch eine "Kombination von Therapie, speziellen Selbsthilfegruppen und geschulter Selbstsorge" das eigene "heterosexuelle Potential" entwickeln könnten.

Werbung für Homo-"Heilung": Nur eine Seite aus den 2018 von der Wiener Zeitung "Falter" veröffentlichten #TEENSTARLEAKS.
In Österreich empfahl das Bildungsministerium daraufhin allen Schulen, nicht mehr mit Teenstar zusammenzuarbeiten (queer.de berichtete). Dennoch war der Verein bei Zustimmung der Eltern auch weiterhin in Klassen des Nachbarlands aktiv (queer.de berichtete).
Lehrerverband begrüßt Absage in Regensburg
Der Bayerische Lehrerverband begrüßte die Absage des Teenstar-Workshops im Landkreis Regensburg. "Ich finde es fatal, wenn Kinder vermittelt bekommen, dass eine 'echte Familie' nur aus 'Mama, Papa, Kind' besteht. Wir brauchen Aufgeschlossenheit und kein veraltetes Familienbild; denn die Welt ist längst anders, sie ist bunt", erklärte die Vorsitzende Simone Fleischmann gegenüber der "Bild"-Zeitung. "Es ist sehr gefährlich, wenn Leute mit Kindern in Kontakt kommen, bei denen wir nicht genau wissen, welche Überzeugungen die haben. Daher braucht es da klare Kriterien und Grenzen. Das sind wir den Kindern schuldig."
/ gew_bayern | Auch die GEW sieht HandlungsbedarfWir freuen uns darüber, dass das Kultusministerium so schnell reagiert hat. Wir würden uns wünschen, dass das Engagement von #TeenStar generell kritisch unter die Lupe genommen wird, denn laut Aussage von #TeenStar finden auch an anderen Schulen in Bayern Kurse statt. #bayernEdu https://t.co/m9PF3JDUZ5
gew-bayern (@gew_bayern) July 8, 2022
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Gegenüber "Bild" bedauerte Teenstar Deutschland die Absage des Workshops und wies Homophobie-Vorwürfe von sich. "Ideologien oder Fehlinformationen liegen uns fern", behauptete die Vorsitzende Elisabeth Luge. Gegenüber dem BR schätzte sie, dass der Verein in Bayern etwa 15 Kurse pro Jahr gebe. Die Namen der Schulen wollte Luge aus Datenschutzgründen nicht nennen.
In den vergangenen Jahren ging Teenstar mehrfach mit Abmahnungen gegen Warnungen vor dem Verein sowie eine kritische Berichterstattung vor. Auch ein Bericht auf queer.de wurde 2019 zunächst per Einstweiliger Verfügung verboten. Der Einschüchterungsversuch scheiterte jedoch: Nach einer fast dreijährigen Auseinandersetzung vor Gericht ist der Artikel seit Mai wieder online. Teenstar wurde dazu verurteilt, die Gerichts- und Anwaltskosten zu übernehmen. (mize)

















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