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Neues Angebot

Erster Beratungs-Messenger für queere Jugendliche gestartet

Viele queere Jugendliche tun sich nach wie vor schwer mit dem Coming-out, sind aber mit "veralteten" Beratungsangeboten via Telefon oder E-Mail nur schwer zu erreichen.


Das "Coming out und so…!"-Team wartet auf Textnachrichten (Bild: Coming Out Day e.V.)
  • 10. Juli 2022, 06:14h 11 3 Min.

Lesbische, schwule, bisexuelle und trans Jugendliche sind in der Zeit ihres Coming-outs laut aktuellen Umfragen noch oft einsam und allein, von der Außenwelt ausgegrenzt und ganz auf sich allein gestellt. Häufig kommen Mobbing und Gewalt in Schule und sogar im eigenen Elternhaus hinzu. Es fehlen Ansprechpersonen und Rollenvorbilder. Diese Situation hat sich in der Pandemie noch weiter verschärft (queer.de berichtete). Ein Projekt des Vereins Coming Out Day hilft nun mit dem deutschlandweit ersten Beratungs-Messenger – kostenfrei und datenschutzkonform.

Seit dem zweiten Lockdown im Herbst 2020 beraten im Projekt "Coming out und so…!" ausgebildete, junge queere Menschen zwischen 18 und 24 Jahren Jugendliche und junge Erwachsene bis 26 Jahren per E-Mail in ihrem Coming-out, bei Fragen rund ums Verliebtsein, zu Beziehungsthemen, Stress in der Schule oder mit den Eltern oder bei der Recherche nach einer queeren Jugendgruppe in ihrer Nähe. Regelmäßige Supervisionen und Fortbildungen mit einem Team aus Psycholog*innen und Sozialpädagog*innen stellen die Qualität und die psychische Gesundheit bei den Ehrenamtler*innen sicher.

Chats per Messenger


Der Messenger soll einen einfachen Einstieg in die Beratung junger Menschen bieten (Bild: Coming Out Day e.V.)

Im Jahr 2022 sind aber nicht mehr E-Mail oder Telefon, sondern Chats per Messenger das Medium Nummer eins für Jugendliche. Der Chat bringt zudem durch eine größere Anonymität und Flexibilität eine deutlich niedrigere Hemmschwelle mit sich. Hier können damit tatsächlich Dialoge stattfinden, die Rat suchenden Jugendlichen bekommen direkt eine Antwort – wie sie es auch in ihrem Alltag von Freund*­innen gewohnt sind. Der Messenger von "Coming out und so…!" schließt damit eine Versorgungslücke für eine der vulnerabelsten Gruppen in Deutschland.

"Gerade bei diesem leider oft mit Angst besetzten Thema und den sensiblen Daten war uns der Datenschutz bei der Entwicklung des Angebots besonders wichtig", sagt Vereinsvorstand Sven Norenkemper. "Klar hätten wir gerne beispielsweise auch einfach WhatsApp genutzt, aber das ist für Beratungs-Chats aus oben genannten Gründen völlig ausgeschlossen. Darum haben wir mit einer Firma, die sich auf genau solche Lösungen spezialisiert hat, unseren Messenger entwickelt."

Das Tool mit dem Namen "…und so! – Messenger" kann im App Store von Apple und im Google Play Store kostenfrei heruntergeladen werden.

"Schreiben ist wie denken – nur lauter"

Antonia, 21 Jahre alt und eine von derzeit zwölf jungen Berater*innen im Team, unterstreicht die Stärke des Peer-to-Peer-Ansatzes: "Wir sind alle im ähnlichen Alter wie die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die uns anschreiben. Wir erinnern uns alle noch sehr gut an die Gefühle und die Gedanken vor und im Coming-out oder der Transition. Wir sind also näher dran als andere Berater*innen, geben aber gleichzeitig keine Standardlösungen oder gut gemeinte Ratschläge wie vielleicht Eltern oder Freund:innen". Dominik (21) ergänzt: "Wir suchen zusammen mit den zu Beratenden nach Antworten und überlegen Lösungsmöglichkeiten, 'hören zu' und bieten Wege aus dem Gedankenkarussell an. Und klar, manchmal erzählen wir auch, welche Dinge uns so persönlich weitergebracht haben – eine gute Idee darf ja auch gerne als Inspiration genutzt werden."

Phoenix (24) fügt hinzu: "Ich habe mal gelesen 'schreiben ist wie denken – nur lauter', das gefiel mir sehr gut und ich finde, es beschreibt gut, warum es für queere Jugendliche so wichtig ist, sich auszutauschen, Unterstützung und Akzeptanz zu bekommen und eben nicht alles allein mit sich auszumachen. Ich hätte mir so ein Angebot in meiner Selbstfindung sehr gewünscht!"

Der Coming Out Day e.V. ist anerkannter Träger der freien Jugendhilfe und unterstützt seit 2006 Projekte für junge queere Menschen. Prominente Botschafter*innen sind Maren Kroymann und Thomas Hermanns. (cw)

-w-

#1 canSarahAnonym
  • 10.07.2022, 09:52h
  • Und wieder keine Beratungshilfe für über 24 Jährige. Ein Outing kann in jedem Alter hart sein, besonders bei trans Frauen. Die Selbsthilfegruppen sind oft nicht besonders gut für Beratungen und helfen eher nicht. Es outen sich auch Leute über 24. Ich fand mit 15 raus und hätte auf so einen Messenger gehofft. Aber es war keine Hilfsstrukturen da, dass ich erst mit 27 Hilfe fand. Damit fiel ich aus allen Rastern durch.
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#2 BlakeAnonym
  • 10.07.2022, 10:08h
  • Antwort auf #1 von canSarah
  • Hatte direkt den selben Gedanken. Mit 31 würde ich nicht zugelassen, weil ich ja auch sonst was für Absichten haben könnte. Nee, da ist es völlig unerheblich das es keine Altersgrenze für Ausgrenzung (einmal lachen bitte), queerphobie und dergleichen gibt.
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#3 Gnurfel42Anonym
  • 10.07.2022, 11:16h
  • TL;DR: Die App ist mir zu dubios und zu unethisch.

    Warum mussten die dafür wieder eine Extrawurst braten und einen komplett neuen Messenger erschaffen? Wieso nahmen die nicht einen bereits etablierten Messenger? Es ist zwar absolut richtig, auf WhatsApp zu verzichten, aber dann gleich eine neue App rauszuhauen, erscheint mir doch reichlich albern. Was sind denn die Alleinstellungsmerkmale? Warum man nicht einfach auf die unzähligen lang erprobten Lösungen (also außer die Datenkraken wie WhatsApp natürlich) zurückgegriffen hat, bleibt offen.

    Besonders enttäuschend: Dieser Messenger scheint auch noch proprietäre Software zu sein, ich kann nirgendwo den Quellcode, eine Dokumentation, oder ähnliches finden. Eine Lizenz natürlich erst recht nicht. Nur die ausführbare Datei.
    Was ich aber herausgefnden habe, ist, dass es sich bei der App anscheinend um eine Variante oder sogar nur ein Rebranding des »Assisto Messenger« handelt.
    www.assisto.online/messenger/

    Der stammt von Zone35 GmbH & Co. KG. Und der soll nach Eigenangaben (habe ich nicht überprüft) Jitsi für den Videochat integrieren. Jitsi ist freie Software, daher ist es erfreulich, dass sowas eingesetzt wird. Aber was die hier machen, ist, eine freie Lösung einfach nehmen und in ganz kackfrech in eigene proprietäre Software einbauen, wo sie dann weißderteufelwas machen könnten. In der Werbung für den »... und so! Messenger« gibt es keinerlei Hinweise auf Jitsi, die ich finden kann.
    Assisto Messenger wird auch verkauft, und nicht billig. Also ist das zusätzlich noch ein klassicher Fall von kapitalistischer Aneignung, wie es leider sehr oft in der Freien-Software-Welt passiert. Ich weiß nicht, wie viel Geld die (meist) ehrenamtlichen Jitsi-Entwickler davon sehen werden, ich vermute aber, es ist exakt Nullkommanix, weil das der Normalfall in der Freien-Software-Welt ist und alles andere ja auch die Gewinnmaximierung des Unternehmens schmälern würde.

    Wie auch immer. Die App selbst ist also proprietär. Konkret für den Benutzer bedeutet das vor allem, dass er der App blind vertrauen muss, dass sie KEIN Hintertürchen oder sonstige bösartige Features hat. Daran kann auch die DSGVO nix ändern.

    In der Datenschutzerklärung sehe ich auch mehrere Hinweise auf Google-Dienste. Google ist eine bekannte Datenkrake. Jeder, der behauptet, Datenschutz ernst zu nehmen, wird auf keinen Fall auf Google zurückgreifen. Schon gar nicht bei so einem sensiblen Thema. Auch auf deren eigenen Homepage fand ich, dass Code von googletagmanager.com nachgeladen wird. googletagmanager.com dient *ausschließlich* zu Trackingzwecken. Seufz.

    Ich als IT-ler rate davon ab, diese App zu benutzen, da mir das ganze zu dubios und auch schlicht zu unethisch ist.
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