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Fußball

Zweiter FIFA-Schiedsrichter outet sich als schwul

Der Brasilianer Igor Benevenuto hat in einem Sport-Podcast seine Homosexualität öffentlich gemacht. Die Referee-Laufbahn habe er einst als bewusste Tarnung eingeschlagen.


Will sicht nicht länger verstecken: Igor Benevenuto (Bild: IMAGO / Fotoarena)
  • 10. Juli 2022, 09:48h 2 2 Min.

Der brasilianische FIFA-Schiedsrichter Igor Benevenuto hat sich als homosexuell geoutet. "Ich wusste schon früh, dass ich schwul bin", sagte der 41-Jährige am Samstag in einem Podcast des brasilianischen Sportportals Globoesporte.

Der Fußball sei "eine der feindlichsten Umgebungen für einen Schwulen", erklärte Benevenuto in dem Gespräch. Das hänge mit Vorurteilen und der Macho-Kultur zusammen. Um dennoch dazuzugehören, habe er sein "wahres Ich geopfert, um mich vor der physischen und emotionalen Gewalt der Homophobie zu schützen". Schwule Männer im Profifußball seien es "gewohnt, nicht sie selbst zu sein", so der Referee. "Wir schränken unser Verhalten ein, um die Erwartungen der Hetero-Welt nicht zu enttäuschen."

"Habe ich es gewählt, um meine Sexualität zu verbergen? Ja."

Gleichzeitig habe es "keinen perfekteren Ort" als den Fußball gegeben, um nicht in den "Verdacht" der Homosexualität zu geraten, sagte Benevenuto. "Schiedsrichter zu sein, brachte mich in eine Machtposition, die ich brauchte. Habe ich es gewählt, um meine Sexualität zu verbergen? Ja."

Der Brasilianer, dessen Schwulsein in der Community ein offenes Geheimnis war, wurde nach eigenen Angaben von Fans und Funktionären mehrfach beleidigt, Spieler und Trainer hätten ihn dagegen immer mit Respekt behandelt. Um "nicht mit dem 'Schwulen-Image' in Verbindung gebracht zu werden", habe er darauf verzichtet, das Finale eines queeren Fußball-Turniers zu pfeifen. "Sie überzeugten mich, es nicht zu tun, weil es keine gute Idee sei."

Benevenuto: 99,99 Prozent nicht offen

Igor Benevenuto glaubt, dass noch 99,99 Prozent der Schwulen in der Fußball-Welt "im Verborgenen leben". Von seinem Coming-out erhoffe sich der Unparteiische mehr Normalität: "Wir existieren und verdienen das Recht, darüber zu sprechen und normal zu leben."

Als erster Spitzenschiedsrichter der FIFA hatte sich Ende 2020 der Norweger Tom Harald Hagen als schwul geoutet (queer.de berichtete). Zuvor war es bei einem von ihm geleiteten Spiel zu einer homofeindlichen Beleidigung gekommen. (cw)

-w-

#1 PeerAnonym
  • 10.07.2022, 14:01h
  • Benevenuto: 99,99 Prozent nicht offen

    Genau das ist das Problem. Wenn sich nur schon die Hälfte oder ein Drittel dieser ungeouteten Fußballer, Schiedrichter, etc. outen würden, wären wir schon ein ganzes Stück weiter.

    Und für sich selbst würden sie auch etwas Gutes tun, da es auf Dauer seelische Narben hinterlässt, wenn man sich selbst verleugnet und in ständiger Angst vor Enttarnung leben muss. Ist das wirklich so viel besser als auch mal einen dummen Spruch von einem Schwachmaten zu hören, aber dafür frei zu sein?

    Den meisten Fans ist das eh egal. Und die hassende Minderheit kann einem auch egal sein, diese armen Würstchen tun sich selbst genug an, indem sie von ihrem Hass zerfressen werden. Und die sind keine Fans von einem Spieler, sondern nur von der Rolle, die der Spieler vorspielt. Darauf kann man getrost verzichten.
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#2 SolalaAnonym
  • 10.07.2022, 14:28h
  • Schade, dass immer noch so wenige schwule Schiedsrichter den Weg an die Öffentlichkeit wagen. Wobei man das angesichts der extremen Homophobie im Sport zumindest psychologisch nachvollziehen kann.

    Ein Freund von mir (damals selber Hobby-Schiedsrichter) hatte mir bereits vor 25 Jahren erklärt, dass es im Bereich Schieds- und Linienrichter wohl deutlich überproportional Schwule gebe - viel öfter als im Gesamtschnitt der Bevölkerung.

    Ob das stimmt, kann ich nur mutmaßen ...
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