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Kassel

Documenta: Programm nach queerfeindlichen Angriffen abgesagt

Teilnehmer*innen der aus Neu-Delhi stammenden queeren Gruppe Party Office wurden auf der documenta fifteen bedroht, die Veranstaltungen abgesagt. Die Leitung der Kunstschau bot viel zu spät Unterstützung an.


Porträt von Vidisha-Fadescha, Gründer*in von Party Office, Neu-Delhi, 2020 (Bild: Shaunak Mahbubani)

Die documenta fifteen wird immer mehr zum Desaster. Bereits im Vorfeld waren Antisemitismus- und Homophobie-Vorwürfe laut geworden (queer.de berichtete). Ein Kunstwerk musste bereits abgebaut werden. Nachdem der zu Rate gezogene Antisemitismus-Berater Meron Mendel einen Rettungsversuch starten und weitere umstrittene Kunstwerke begutachten sollte, gab er nun bekannt, sich von seiner Aufgabe zurückzuziehen, da die documenta-Leitung offenbar kein Interesse an einer umfassenden Aufklärung habe.

Aus Protest ließ nun auch noch die Medienkünstlerin Hito Steyerl ihre Kunstwerke abbauen. Sie war in diesem Jahr eine der in Kassel am prominentesten vertretenen Künstler*innen.

Verschlüsselte Morddrohungen und rechtsextremistische Parolen

Zudem wurde nun bekannt, dass die aus Indien stammende queere Gruppe Party Office ihr Programm aufgrund von transfeindlichen Pöbeleien und Bedrohungen absagte. Wie das New Yorker Online-Kunstmagazin hyperallergic berichtet, wurde die Live-Veranstaltungen von Party Office bereits am 19. Juni ausgesetzt, nur einen Tag nach Eröffnung der documenta fifteen. Es sei bereits im Vorfeld zu rassistischen und transfeindlichen Belästigungen gekommen.

Party Office erklärte auf Instagram, die körperliche wie seelische Unversehrtheit der Gäste könne nicht mehr garantiert werden. Der Ausstellungsort sei mit Graffiti verwüstet worden, die verschlüsselte Morddrohungen und rechtsextremistische Parolen enthielten. Dies habe nichts mehr mit dem Inklusionskonzept zu tun, das vom Kuratorium der indonesischen Künstlergruppe Ruangrupa versprochen wurde.

Als man infolgedessen die Leitung der documenta um ein Sicherheitskonzept gebeten habe, wurde schulterzuckend auf den Einsatz einer privaten Sicherheitsfirma verwiesen. Ali Akbar Mehta, kuratorischer Berater für Party Office, erklärte gegenüber hyperallergic, es sei jedoch während der ersten Tage der Presse- und VIP-Schau von Seiten des Sicherheitspersonals zu queerfeindlichen Anfeindungen gekommen.

Polizei legte kuratorischen Berater Handschellen an

Zudem wurden laut sozialen Medien ein anderer kuratorischer Berater, Joey Cannizzaro, und zwei weitere Mitglieder von Party Office, die anonym bleiben möchten, am 2. Juli aus transfeindlichen Motiven handfest bedroht. Als ein Polizeibeamter gerufen wurde, war dieser jedoch zunächst nicht daran interessiert, zu helfen. Stattdessen legte er Cannizzaro in Handschellen, weil dieser keinen Pass bei sich trug. Von der Kasseler Polizei gab es hierzu bislang keine offizielle Stellungnahme.

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Auch die Leitung der documenta äußerte sich zunächst nur gegenüber der Anfrage von hyperallergic. In der Erklärung heißt es: "Die documenta und Museum Fridericianum GmbH bedauern den Vorfall, der sich am 2. Juli 2022 im öffentlichen Raum ereignet hat, und nimmt ihn sehr ernst. Wir stehen in Kontakt mit den beteiligten Künstlern von Party Office sowie den zuständigen lokalen Behörden, um die Umstände des Vorfalls zu klären und künftig Sicherheit zu gewährleisten."

Zu spät. Party Office hat nun sämtliche geplante Veranstaltungen in Kassel gestrichen – und versucht dennoch, zu retten, was zu retten ist. Stattdessen sollen ein paar Live-Events in Berlin stattfinden, andere wiederum als Onlineveranstaltung.

Für die documenta und die Stadt Kassel ist der Vorfall jedoch eine Bankrotterklärung.



#1 TrekieAnonym
  • 11.07.2022, 08:05h
  • Na mal gucken, ob auch diese Diskriminierungen von Minderheiten der Tagesschau einen Bericht wert sein wird.
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#2 Uwe MehringerAnonym
  • 11.07.2022, 09:23h
  • Antwort auf #1 von Trekie
  • Ich glaube nicht.

    Einem Ausländer, der bedroht wird aber seinen Paß nicht dabei hat in Handschellen zu legen, zeigt doch die Gestapo Manier mit der unsere Polizei durchzogen ist.

    Die Macher der sogenannten "Documenta" lassen Antisemitismus, Homophobie und Ausgrenzung mit Blick auf die sogenannte Kunstfreiheit zu?

    Pfui!

    Die Documenta ist in meinen Augen entartet.
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#3 PrideProfil
  • 11.07.2022, 09:36h...
  • Die documenta kann wohl einpacken. Die Jüd*innen- und Queer- bzw. insbesondere Transfeindlichkeit in ihr und und um sie herum muß grundsätzlich aufgeklärt und angegangen werden. Daß diese Menschenfeindlichkeiten so massiv zu Tage treten, macht mit ihnen gesellschaftlich und global die große Gefahr deutlich, die jetzt so sichtbar um so mehr von ihnen ausgeht.
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#4 Ith_Anonym
  • 11.07.2022, 10:31h
  • Der Aufruhr all der Medien, die letzte Woche Großalarm geschlagen haben, weil eine transfeindliche Vorlesung abgesagt bzw. verschoben wurde, kommt bestimmt noch. Gaanz bestimmt! Sie werden sämtliche Medien fluten, es wird keinen Weg daran vorbei geben, denn Bedrohungen und Cancel-Culture sind schlimm, seehr schlimm !

    Ein paar Stunden noch und es wird als unausweichliche Welle über uns hereinbrechen. Welt, FAZ, Bild, alle werden sich ins Zeug legen. Sie machen das alle noch, die Feuilletons, der Aufschrei, die Statements aus der Politik, all die Solidaritätsbekundungen, die besonders prominente Besetzung, die sich bei den Ersatzveranstaltungen einfinden wird, als Zeichen für demokratische Grundwerte und die Freiheit der Kunst. Ganz bestimmt machen sie das. Einfach ein bisschen warten. Werden sie doch, geht doch schließlich um Freiheit, oder? ... oder?

    Oder geht es vielleicht.. um Freiheit zweiter Klasse. Und Drohungen, die nicht so schlimm sind, weil, ich mein: Rechte. Die haben traditionell keine Waffen und machen bekanntermaßen eh bloß Sprüche ^^ Als hätten die in den letzten 20 Jahren jemals jemanden umgebracht ^^

    Selber schuld, irgendwie ja auch. Man könnte ja zur Abwechslung für die Art Freiheit einstehen, die heutzutage WIRKLICH auf dem Spiel steht: Die Freiheit, gegen Minderheiten zu hetzen. Prioritäten. So wichtig.

    ***
    Ich mach mal einen Reminder dran, falls mich wer nicht kennt: Beitrag könnte Spuren von Sarkasmus enthalten.
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#5 LorenProfil
  • 11.07.2022, 22:21hGreifswald
  • Wer möchte, kann sich den Bericht der HNA (Zeitung in Kassel und Umgebung) zu Gemüte führen:

    www.hna.de/kultur/documenta/live-programm-documenta-wir-sind
    -in-kassel-in-gefahr-party-office-beendet-91655375.html


    Da wird auch geschrieben, was der CSD Kassel sagt:

    "Dass es in Kassel häufig zu Übergriffen auf queere Menschen kommt, bestätigt Luise vom CSD-Bündnis Kassel. Auch um den CSD in Kassel herum gab es jüngst wieder Angriffe auf sichtbar queere Menschen, zum Beispiel, weil sie die Regenbogen-Fahne mit sich führten. 'Wir empfehlen niemandem, alleine zum CSD zu kommen, das ist zu gefährlich.' Verbale und auch körperliche Angriffe passierten ständig, etwa, wenn man als Paar unterwegs sei. 'Das ist ein bundesweiter Trend.'"

    Nur gut, wenn Polizeikräfte da Handschellen dabeihaben. Noch besser, wenn sie sie nicht den Angegriffenen anlegen, sondern der Gegenseite. Man wird ja noch träumen dürfen in diesem unserem schönen Lande ...

    Zur documenta-Leitung fällt mir nichts hier Schreibbares mehr ein. Da beiße ich lieber in die Schreibtischkante. Aua!

    «The secret source of humor itself is not joy but sorrow. There is no humor in heaven.» (Mark Twain)
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#6 MartAnonym
  • 11.07.2022, 23:33h
  • Ich wollte am 25. Juni in eine dieser Veranstaltungen aber sie war wegen Corona abgesagt. Wie denn nun? Wenn Queerfeindlichkeit der Grund gewesen ist hätte ich es schon gerne direkt gewusst.
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#7 PaddyAnonym
  • 12.07.2022, 10:25h
  • "Polizei legte kuratorischen Berater Handschellen an"

    So viel zum Thema was uniformierte Polizisten auf einem CSD zu suchen haben. Nichts.
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#8 dellbronx51069Anonym
  • 12.07.2022, 15:02h
  • Vor über 30 Jahren bin ich aus dieser stockkonservativen und reaktionären Gegend weggezogen . Es hat sich nichts geändert!
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#9 jBCGNAnonym
  • 13.07.2022, 05:46h
  • Antwort auf #7 von Paddy
  • Uniformierte Polizei sollte auf dem CSD dabei sein.
    Sichtbarkeit führt zu Akzeptanz.
    Gerade in so einem queerfeindlichen Umfeld ist es doch mutig sich öffentlich für unsere Rechte einzusetzen.
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