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Wenn homophobe Nachbar*­innen zum echten Horror werden

Im Mystery-Thriller "Spiral – Das Ritual" wagt ein schwules Paar einen Neuanfang in der Provinz. Nach einem scheinbar freundlichen Empfang müssen Malik und Aaron jedoch schon bald um ihr Leben fürchten.


Kurtis David Harder erzeugt in "Spiral – Das Ritual" eine unheilvolle, bedrohliche Atmosphäre (Bild: Drop-Out Cinema)

Wenn man bedenkt, wie viele Horrorfilme jeden Monat in die Kinos kommen, ist es eigentlich bemerkenswert, dass nicht wenigstens hin und wieder mal einer dabei ist, der eine queere Geschichte erzählt. Doch wie so viele Genres – siehe Western oder Action, in Sachen Science-Fiction tut sich zumindest im Serienbereich einiges – ist Horror so fest in heteronormativen Traditionen verankert, dass man sich schon freut, wenn, wie jüngst im neusten "Scream"-Teil oder in "Freaky", wenigstens mal eine Nebenfigur ganz selbstverständlich zur LGBTI-Community gehört.

Dass es aber durchaus anders geht, zeigt nun der kanadische Film "Spiral – Das Ritual", der es mit drei Jahren Verspätung erfreulicherweise doch noch nach Deutschland geschafft hat.

Horror mag in diesem Fall als Beschreibung leicht falsche Erwartungen wecken, und um als Mainstream durchzugehen, fällt die Produktion vielleicht doch ein wenig zu erkennbar bescheiden und niedrig-budgetiert aus. Aber ein nach konventionellen, erprobten Erzählmustern funktionierender Gruselthriller mit Horror-Elementen ist "Spiral" allemal. Und das mit einem schwulen Paar im Zentrum.

"Schwuchteln" an die Wohnzimmerwand gesprüht

Malik (Jeffrey Bowyer-Chapman) und Aaron (Ari Cohen) ziehen in den 1990er Jahren aus Chicago in die Provinz. Genauer gesagt in ein verschlafenes Örtchen namens Rusty Creek, was eigentlich Vorwarnung genug hätte sein sollen. Zunächst aber stehen die Zeichen noch auf hoffnungsvollen Neubeginn – selbst Aarons 15-jährige Tochter Kayla (Jennifer Laporte) freundet sich einigermaßen schnell mit den neuen Lebensumständen an.

Doch der erste Eindruck täuscht. Einige der neuen Nachbar*innen scheinen die Regenbogen-Familie argwöhnisch zu beobachten – und als Malik eines Tages nach Hause kommt und jemand das Wort "Schwuchteln" an die Wohnzimmerwand gesprüht hat, schafft er umgehend ein Alarmsystem an.


Die Nachbar*innen versammeln sich zu merkwürdigen Ritualen (Bild: Drop-Out Cinema)

Doch je unwohler sich der sonst eigentlich nach dem Motto "out and proud" lebende Schwarze fühlt, dessen Ex-Freund in der Jugend Opfer eines schrecklichen queerfeindlichen Übergriffs wurde, desto größer wird die Kluft zu seinem Lebensgefährten, mit dem er keine seiner Ängste teilt. Selbst dann nicht, als er herausfindet, dass es zehn Jahre zuvor schon einmal ein homosexuelles Paar in Rusty Creek gegeben hat, das auf fürchterliche Weise sein Leben verlor. Je mehr Malik recherchiert, desto überzeugter ist er davon, dass auch er, Aaron und Kayla um ihr Leben fürchten müssen.

Sehr reale Homophobie, aber kaum echte Schockmomente

Um es gleich vorwegzunehmen: Ein ganz großer Wurf ist der Mystery-Thriller, den Kurtis David Harder inszeniert und Colin Minihan und John Poliquin geschrieben haben, nicht unbedingt. Wer echte Schreck- und Schockmomente sucht, kommt in "Spiral" nicht wirklich auf seine Kosten, und etliche Drehbucheinfälle machen selbst nach der finalen Auflösung bei etwas Nachdenken nicht so richtig viel Sinn.


Jeffrey Bowyer-Chapman überzeugt als Malik (Bild: Drop-Out Cinema)

Vor allem aber gelingt dem Film sein schwieriger Drahtseilakt nicht bis ins Letzte überzeugend: Ähnlich wie etliche Horror-Geschichten, die in jüngster Zeit die Mechanismen des Genres dazu nutzten, um das Thema Rassismus zu verhandeln, verlässt sich "Spiral" in seiner Auseinandersetzung mit Homophobie so offensiv auf reale persönliche wie politische Trauma-Erfahrungen, dass es mitunter unangenehm ausbeuterisch wirkt. Hier wäre mehr Subtilität, Einfallsreichtum oder kreative Verfremdung womöglich effektiver und weniger triggering gewesen.

Ein überfälliger Schritt in die richtige Richtung ist "Spiral" aber allemal, zumal hier auch vieles gelungen ist. Im Kreieren einer unheilvollen, bedrohlichen Atmosphäre ist Harder geschickt, und auch visuell hat er ein paar gute Ideen. Abgesehen davon ist Jeffrey Bowyer-Chapman, der in der Disney-Serie "Dr. Doogie Kamealoha" zuletzt wenig zu tun hatte, hier so gut wie nie.

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Infos zum Film

Spiral – Das Ritual. Mystery-Thriller. Kanada 2019. Regie: Kurtis David Harder. Cast: Jeffrey Bowyer-Chapman, Ari Cohen, June Laporte, Lochlyn Munro, Chandra West. Ty Wood. Laufzeit: 90 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 16. Verleih: Drop-Out Cinema. Kinostart: 14. Juli 2022
-w-

#1 HmmmAnonym
  • 15.07.2022, 11:52h
  • Ich hab ja keine Ahnung welches Genre abseits "queer cinema" nicht heteronormativ sein soll ( ergibt sich ja schon aus dem 2er System queer / heteronormativ ), aber wenn man die Einteilung schon macht hat das Horror-Genre doch vergleichbare Fortschritte wie die im Artikel genannten Genres gemacht, siehe "Scream"-Serie, "Ich weiss was du letzten Sommer getan hast"-Serie, "American Horror Story", "Walking Dead", "Halloween Kills", "Hexenclub"-Remake, "Chucky"-Serie ( wobei Chucky ja spätestens mit "Chuckys Baby" den queeren Einfluss festen Bestandteil machte ), "Fear Street".....

    Aber Schade das "Spiral" überall so mittelmässig weg kommt, hatte mich drauf gefreut, aber dann warte ich bis er auf netflix/prime kommt....
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#2 LothiAnonym
  • 15.07.2022, 14:43h
  • Antwort auf #1 von Hmmm
  • Nebenbei bemerkt. Habe mir gerade die letzte, die 8. Staffel von American Horror Story angesehen und bin von der gesamten Serie sehr angetan.
    Dieser neue Horror Film macht mich neugierig.
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