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Coaching

Welche Sorgen haben queere Menschen am Arbeitsplatz?

LGBTIQ+ zeigen sich heute deutlich offener im Job als noch vor 10, 15 oder 20 Jahren, beobachtet der Coach Stefan Hölscher. Besondere Themen, mit denen sie sich beschäftigen, gebe es aber nach wie vor.


Symboldbild: Bis hin zum mittleren Management scheinen mehr Menschen bereit zu sein, am Arbeitsplatz offen queer zu leben (Bild: Zackary Drucker / The Gender Spectrum Collection)

Die Fragen und Themen, die Menschen in einem Coaching besprechen, sind immer auch Spiegel der Kultur und der Welt, in der sich die Menschen bewegen. Fragen und Themen, die queere Menschen in ein Coaching führen, verraten also immer auch einiges darüber, wie Welt und Umwelt für queere Menschen sind.

Da ich selbst als Coach arbeite und seit über 25 Jahren dabei immer wieder auch queere Klient*innen habe, hat mich die Frage beschäftigt, inwieweit sich Fragestellungen und Dynamiken im Coaching von queeren Menschen wohl im Laufe der Zeit geändert haben. Dazu habe ich – ohne jeden Anspruch auf empirische Repräsentativität – Gespräche mit anderen Coaches, Wissenschaftler*innen und Führungskräften geführt, um zu sehen, ob Veränderungen und Konstanten, die ich selbst wahrnehme, auch von anderen ähnlich erlebt werden. Der Schwerpunkt lag dabei auf der Frage nach Entwicklungen im berufsbezogenen Coaching.

Queerness ist keine signifikante Karrierebremse mehr

Nicht überraschend angesichts der gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen, aber doch erwähnenswert ist zunächst das von faktisch allen Gesprächspartner*innen erwähnte Phänomen, dass Queerness, insbesondere Homosexualität, als Karrierebremse heutzutage im Vergleich zu vor etwa 10, 15 oder 20 Jahren signifikant weniger ein Thema im Coaching ist. Ausnahmen bestätigen hier natürlich die Regel.

Insgesamt ist der Umgang mit queerer – hier im Sinne von LGBTIQ+ gemeinter – Sexualität und Identität auch in Arbeitsumfeldern deutlich offener und entspannter geworden. Haben früher viele Coachingklient*innen oft noch einen längeren Anlauf nehmen müssen, um überhaupt ihrem Coach anzuvertrauen, dass sie nicht hetero oder cis seien, um sogleich nach dieser Offenbarung mit großer Emphase daraufhin zu weisen, dass das nun aber auf keinen Fall jemand in ihrem beruflichen Umfeld erfahren dürfe, so ist heutzutage ein hohes Maß an kommunikativer Direktheit entstanden, das sich auch in scheinbar unscheinbaren alltäglichen Situationen mit Arbeitskolleg*innen zeigt.

In meinem eigenen Erfahrungsumfeld sind dafür persönliche Kommunikationen zwischen einander bislang unbekannten Arbeitskolleg*innen in Veranstaltungszusammenhängen ein sprechendes Beispiel: Haben früher zum Beispiel in Vorstellungsrunden die meisten in Hinblick auf ihre persönliche Situation so etwas gesagt wie, sie wären verheiratet und hätten so-und-so-viele (zumeist zwei) Kinder, während einige wenige zu ihrer Situation in Hinblick auf Familie und Partnerschaft einfach geschwiegen haben, so machen heutzutage nicht wenige oft gleich in der Anfangsphase eines kollegialen Kennenlernens klar, dass sie etwa als Mann mit ihrem Mann oder als Frau mit ihrer Partnerin zusammenleben.

Hilfreich: LGBTIQ+-Netzwerke und CSD-Beteiligungen

Unterstützt wird eine solche Offenheit in Berufskontexten durch zahlreiche Diversity-fördernde Maßnahmen, wie sie heutzutage in faktisch allen Großunternehmen und auch bei nicht wenigen Mittelständlern stattfinden. Unternehmensinterne LGBTIQ+-Netzwerke oder die aktive Beteiligung an CSDs sind hier mittlerweile schon fast ein Standard geworden. Darüberhinausgehende Maßnahmen, wie zum Beispiel ein LGBTIQ+-Mentoring-Programm, wie es das etwa in der Allianz Gruppe gibt, die 2021 auch den 1. Platz im Pride Index der UHLALA Group gewonnen hat, unterstützen solche Entwicklungen weiter.

So ist es wenig verwunderlich, wenn, wie etwa Stephanie Dickes, Fachbereichsleiterin People Management in der Allianz betont, in der Organisation ein hohes Maß an Offenheit und Akzeptanz für LGBTIQ+ besteht. Allerdings, so stellt Stephanie Dickes weiter fest, scheinen in der Belegschaft bis hin zum mittleren Management mehr Menschen bereit zu sein, sich frank und frei als queer zu zeigen. Zwar gibt es auch auf den hohen Managementebenen einzelne, die unmissverständlich ihre nicht-heterosexuelle Orientierung kommunizieren, aber auch heute noch scheint es so zu sein: Je höher der hierarchische Level, desto vereinzelter wird eine solche Haltung. Auch scheint es für viele oft nicht ganz einfach zu sein, die Dinge beim Namen zu nennen und auch mal Worte wie "lesbisch", "schwul" oder "bisexuell" in den Mund zu nehmen. Sicherer fühlt man sich dann, wenn man allgemein von "Diversity" spricht.

Offenheit steigert Leistungsfähigkeit

Der Grad an Offenheit ist also nach wie vor ein Thema – für die Betroffenen allerdings eines mit direkten Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden. Darauf weist Dominic Frohn, wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Diversity und Antidiskrimierungsforschung (IDA) und Professor für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Fresenius in Köln mit Bezug auf seine Studienreihe "Out im Office?!" hin: "Einige LGBTIQ+ Personen gehen am Arbeitsplatz nicht offen mit diesen Identitätsdimensionen um, was erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit hat – umgekehrt geht ein offener Umgang mit einer höheren Arbeitszufriedenheit, mehr freien Ressourcen und einem höheren Commitment einher. Also, der Umgang mit der eigenen Identität ist auch 2022 am Arbeitsplatz noch ein Thema."

Gekoppelt sind Fragen zur eigenen Identität und dem Umgang damit immer auch an die eigene Biografie. Biografiearbeit spielt faktisch für jedes substanzielle Coaching eine Rolle. Im Coaching queerer Menschen scheint dies jedoch, wie etwa der in der Nähe von Zürich lebende Coach Marcel Sonderer, der sich mit seiner Firma QUEERwegS dezidiert an queere Menschen wendet, betont, eine noch größere und wichtigere Rolle einzunehmen. Darin liegt nun allerdings nicht nur ein mögliches Themen- oder Problemfeld, sondern zugleich auch eine potenziell wichtige Ressource, wie Dominic Frohn hervorhebt, indem er es charakteristisch für das Coaching von LGBTIQ+ findet, "dass es eben wenigstens ein selbstkonzeptrelevantes und für viele (zumindest über bestimmte Lebensphasen) auch sehr bedeutsames Thema mehr gibt im Leben von LGBTIQ+-Klienten_innen. Unter ressourcenorientierter Perspektive können wir hier – auch anhand der Forschung belegt – festhalten, dass diese Personengruppen mindestens eine biografische Krise bzw. Entwicklungsaufgabe mehr zu bewältigen hatten. Dies führt dazu, dass bei gelungener Integration potenziell von spezifischen intrapersonalen Fähigkeiten, wie z.B. Resilienz, oder auch interpersonalen Kompetenzen (z.B. Kommunikationsfähigkeiten) oder auch Gender- und Vielfaltskompetenzen auszugehen ist. Dies können also besondere Ressourcen für die Personen selbst im Umgang mit weiteren herausfordernden Lebensereignissen sein, gleichzeitig sind diese Kompetenzen und Fähigkeiten für die Arbeitgeber*innen durchaus auch interessant."

LGBTIQ+ öffnen sich gegenüber queeren Coaches besonders intensiv

Der gemeinsame Bezug auf die biografische Bewältigung queerer Identitätsfindung ist neben der genuinen Kenntnis queerer Lebenswelten auch ein wichtiger Grund, warum LGBTIQ+ im Coaching bevorzugt queere Coaches aufsuchen. Dies gilt in sehr hohem Maße, wenn es um persönlich-private Themen wie Partnerschaft, Liebe, Identität und Sexualität geht. Dies gilt aber auch, wenn der Fokus auf beruflichen Themen liegt, da auch sie fast nie frei von wichtigen Bezügen zur eigenen biografischen Prägung und damit auch zur eigenen sexuellen Orientierung und Identität sind. Queere Klient*innen öffnen sich gegenüber queeren Coaches, wie Marcel Sonderer und der in Düsseldorf lebende Coach Markus Klemm betonen, besonders schnell und intensiv. Dies kommt dem Coachingprozess, was immer genau die Schwerpunktthemen sein mögen, grundsätzlich zugute – eine Beobachtung, die ich selbst auch schon vor gut fünf Jahren als signifikantes Phänomen feststellen konnte.

Die Hitliste der Themen, um die es gerade im berufsbezogenen Coaching queerer Menschen geht, ist dabei derjenigen von heterosexuellen Coaching-Kund*innen durchaus ähnlich. Zumeist geht es um Dinge wie persönliche Standortbestimmung, Selbstführung, Führung, Businessgründung, Kompetenzerweiterung und persönliche Balance – fast immer aber eben mit starkem Bezug auf die queere Identität und Lebenswelt.

Oft geht es um Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein

Ein deutlicher Unterschied im Vergleich zum Coaching heterosexueller Menschen scheint nun allerdings, wie Marcel Sonderer und Markus Klemm betonen, zu sein, dass insbesondere für jüngere schwule und bisexuelle Männer durch die hochfrequente Nutzung von Dating-Apps und sozialen Netzwerke wie Instagram ein Druck entsteht, der aus dem Vergleich des eigenen Äußeren mit dem von als hoch attraktiv erlebten anderen entsteht. Hier geht es dann, wie Marcel Sonderer sagt, oft um Fragen von Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein und unverkrampfter Interaktion, die in alle Lebensbereiche hinein ausstrahlen.

Als Résumé der kollegialen Befragung lässt sich festhalten: Auch wenn im berufsbezogenen Coaching queerer Menschen der Aspekt Queerness als Karrierebremse heutzutage glücklicherweise eine ungleich geringere Rolle spielt als vor 10, 15 oder 20 Jahren, ist der Bezug zur queeren Identitätsfindung und Lebensform doch nach wie vor ein zentraler Aspekt im LGBTIQ+-Coaching, selbst wenn es um Themen geht, die sich auf den ersten Blick gar nicht von denen im Coaching heterosexueller Menschen unterscheiden. Man darf gespannt sein, was es in einem solchen Zusammenhang in 10, 15 oder 20 Jahren zu sagen gibt – angesichts des Umstands, dass Coaching eben immer auch Entwicklungen und Dynamiken der Gesamtgesellschaft abbildet.

#1 Two SpiritsAnonym
  • 17.07.2022, 15:10h
  • Ich glaube ich muss lachen!
    Wunschträume ! Entlassen nach Angleichungsoperation und Mammaaugmentation. Wegen Störung des Betriebsfriedens. Mündliche Aussage, hatte darauf auf Zeugnis verzichtet.
    Wieder eine vernünfige Beschäftigung zu finden echt schwierig. Es wird nur viel gelabert in Wirklichkeit wollen die so was nicht wie TS-Postop nicht. Auch wenn man Super Qualifiziert ist.

    Alles nur ein Medialer Schwachsinn.
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#2 VanadisAnonym
  • 17.07.2022, 16:06h
  • Was in solchen Artikeln immer gerne vergessen wird, ist, dass Queer wie in "Sexuelle Orientierung" weitgehend in den Unternehmen angekommen ist und kaum noch jemanden zu interessieren scheint, Queer wie in "Geschlechtsidentität" jedoch immer noch auf ein rotes Tuch für viele Leute ist.
    Gerade Menschen, die Kontakt nach außen haben, werden gerne mal entlassen, mit der Ausrede, dass die Kunden es nicht verstehen würden
    Transsein ist besser als vor 10 Jahren, aber die Gesellschaft ist immer noch nicht offen für uns (ja, es gibt immer ausnahmen, aber wenn man einmal mit Transpersonen spricht sieht man, dass nur sehr wenige keine Probleme mit den Menschen um sie herum haben)
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#3 Ith_Anonym
  • 17.07.2022, 16:15h
  • Bisschen traurig, wie man hier so ca. in der ersten Hälfte noch die Verwendung des Wortes "queer" in der Überschrift zu rechtfertigen versucht, indem auch mal die Silbe "cis" als Gegensatz eingestreut wird, thematisch aber dann deutlich wird, dass trans*-Themen, und soweit ich das beurteilen kann auch sonst alles außer LGB, inhaltlich absolut gar nicht zur Geltung kommen, und zumindest zu trans* im Beruf weder theoretisches Wissen noch Interesse vorhanden zu sein scheint.

    Namenswechsel, Auszeiten wegen OPs, Auswirkungen von HRT, Änderungen von E-Mail-Adressen, Anschrift, Verwaltungskram, nicht-binäre Anrede und inwiefern die von Unternehmen angestrebt oder unterdrückt wird - kommt einfach mal alles nicht vor.
    Wenn dann gegen Ende die Queerness sehr deutlich allein der Heterosexualität gegenübergestellt wird, kristallisiert sich allmählich heraus, dass es eben wieder mal mitnichten um das Prinzip des "wir benutzen das Wort queer nur dann, wenn wir explizit über mehr als nur die Buchstaben LGB sprechen" ging... sondern wohl eher darum, den de facto sehr wohl vorherrschenden Klientelbias auf die eigenen Gruppe zu verschleiern, bzw. sämtliche queere Interessen unter den queeren Krone der Schöpfung zu subsummieren: Schwule Cis-Männer.
    Denn um wessen Interessen, wenn nicht die des schwulen Cis-Mannes, könnte es bei Queerness schließlich auch gehen.

    Ich hab es so satt.

    Einen Punkt habe ich zu den gemutmaßten Motiven für die frühe "Offenheit" bei den Outings noch zu ergänzen: Dahinter muss nicht die Annahme stecken, vom Unternehmen sicherlich akzeptiert zu werden. Das kann vielmehr auch ein Test sein, so früh als nur möglich abzuchecken, mit welchem Maß an Gegenwind man bei einer klaren Absage rechnen muss, bzw. das Wissen, dass sehr viel pseudo-tolerantes Gerede nichts weiter ist als Pinkwashing. Wenn man möglicherweise mehr als eine Bewerbung geschrieben hatte, hat man zu dem Zeitpunkt nämlich möglicherweise noch Alternativen, und zum Wechseln raus aus einem toxischen Umfeld sehr viel weniger Hürden zu überwinden. Je früher, desto besser.
    Ein Outing hat insofern nicht immer viel mit Vertrauen zu tun. Ziemlich häufig ist es auch der direkteste Weg, herauszufinden, wie lange man es irgendwo aushalten wird.
    Abgesehen davon, dass in dem Moment auch die queerfeindlichen Menschen, sollte die Gesamtreaktion freundlich ausfallen, ziemlich deutlich sehen, woran sie sind. Und das intrigantere Klientel gleich mal den Dämpfer bekommt, dass man selbst nicht die Zielgruppe ist, bei der Erpressungsversuche und co. sich lohnen würden.
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#4 PhilAnonym
  • 17.07.2022, 16:24h
  • Ein Bericht aus einer Blase, anders kann man es nicht sagen.. Ich habe in noch keinem meiner Jobs oder Stellen gesehen, dass ein Outing unproblematisch ist.. gut für mich als Schwulen geht es, habe die Reaktionen aber bei TsSmenschen gesehen, wie da gelästert wurde oder schlimmeres. Ich denke in den meisten Berufen sollte man sich das Umfeld genau anschauen, ob man das macht
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#5 Ith_Anonym
  • 17.07.2022, 17:19h
  • Antwort auf #4 von Phil
  • Du, "ob" man es macht, ist je nachdem, wie weit man Dokumente hat anpassen können, nichtmal unbedingt eine Entscheidung, die man ohne Manipulation von Bewerbungsunterlagen selbst treffen könnte, je nachdem, in welchem Rechtestatus eins sich befindet.

    Ich werde den Teufel tun, mich unter meinem Deadname irgendwo zu bewerben. Aber da ich staatlich nicht anerkannt trans* bin, sieht das bei den meisten meiner Zeugnisse etc. anders aus - bei einigen hat der dgti-Ausweis gereicht. Insofern ist das eine bunte Mischung. Aber dadurch auch nicht zu übersehen.
    Gerade als Person ohne Rechte steht bei Anerkennung schnell mal der Anspruch dahinter, dass das jetzt doch sicherlich ein Übergang sei, und du in den nächsten paar Monaten aber dann bitte die staatliche Anerkennung nachreichst. In anderen Worte, es schwebt ständig die implizite Drohung darüber, dass man dir die Anerkennung auch wieder entziehen könnte, wenn du mit dem Duckmäusertum gegenüber der staatlichen Diskriminierung nicht mal langsam in die Pötte kommst.

    Ich bin inzwischen gefestigt genug, um auch in der Hinsicht klare Ansagen zu machen, weil ich es einfach leid bin, so zu tun, als hätte ich vor, mich diesem Demütigungsprozess auszusetzen. Das hat aber gedauert.

    Ich oute mich auch sonst recht viel, es ist nicht so, dass ich das bei Bewerbung und Verwaltung durchstehen und danach unter den Teppich kehren würde. Aber für mehr als oberflächliches "ist so" sollte man sich die Leute möglichst einzeln rausgreifen, muss ziemlich sorgfältig im Blick haben, mit wie viel Wissen und Details man ihnen kommen kann etc. Es ist schon ziemlich mies. Aber wenn es bei der falschen Person schief läuft, bist du im schlechtesten Fall ziemlich schnell deinen Job los, davon haste dann auch nix.
    Die Leute bei Twitter und co. haben mir in der Hinsicht ja gründlich beigebracht, was alles "nicht geht". Das ist sowas, das auch die schwulen Cissen immer nicht raffen, wenn ich ihnen klare Ansagen mache. Dass sie gerade einfach nur die nächste verfügbare Cisse sind, an der ich ausprobiere, wie viel Emanzipation gerade gesellschaftlich erlaubt ist. In der Freizeit und gegenüber Leuten, die selbst vorschützen, queerpolitisch aktiv zu sein, habe ich aber auch a) weniger Verständnis dafür, die Ansage weniger abzukönnen als mein großenteils unpolitisches Arbeitsumfeld, und b) oft keine Lust auf die enorme emotionale Arbeit, die damit verbunden ist, Dinge "rücksichtsvoll" und unter Bereitschaft zu viel unterwürfiger Verlogenheit zu erklären.
    Manche Leute scheinen zu glauben, ich könnte das gar nicht in "freundlich". Ja, doch, kann ich. Es hat aber nicht viel mit Ehrlichkeit zu tun. Aus politischen Gründen, oder weil man den Job nicht verlieren will, kann man das _mal_ machen.
    Am Ende macht es halt schon einen Unterschied, ob von einem Gespräch bloß abhängt, ob irgendwer für dich auf freundschaftlicher Ebene als Bezugsperson in Frage kommt, worauf du auch gut und gerne verzichten kannst, oder ob der eigene Lebensunterhalt auf dem Spiel steht. Ich kann Kompromisse, und ich würde behaupten, wer freiwillig oder unfreiwillig out ist, muss Kompromisse können. Ich kann sie bloß nicht leiden.
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