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- 30. Januar 2006 3 Min.
Das Ideal der christlichen Familie wollen die Bushs auch in der HIV-Prävention einbringen. Koste es, was es wolle.
Von Dennis Klein
Vor genau zwei Jahren hat queer.de dem amerikanischen Präsidenten George Bush schon einmal die Homo-Gurke verliehen. Damals wollte er das Verbot der Homo-Ehe in die US-Verfassung festschreiben - und damit Diskriminierung in das heiligste Dokument Amerikas aufnehmen. Der Plan ist damals glücklicherweise misslungen.
Statt dessen versucht der US-Präsident nun im Ausland, seine Vorstellungen von der idealen Familie mit aller Macht durchzusetzen - und nimmt dabei den Tod von Tausenden in Kauf: In seinem 15-Millarden-Dollar Aids-Programm für Afrika und die Karibik unterstützt die US-Regierung christliche Gruppen, denen Kondome ein Gräuel sind. Die Missionare fallen über die ärmsten Länder unter dem Mäntelchen der Aids-Prävention ein und säuseln den Menschen ins Ohr, sie sollten enthaltsam und keusch sein, dann werde alles gut. Ärgste Fürsprecherin dieser Politik ist Bushs Frau Laura, die kürzlich auf einer Fünf-Tages-Reise durch Afrika "Enthaltsamkeit"-hauchend in jede Kamera lächelte.
Seid enthaltsam oder treu!
Bush will damit das "ABC"-Programm weltweit propagieren. "A" ist der Grundpfeiler und steht für "Abstinence" (Enthaltsamkeit). B steht für "Be faithful" (sei treu) und gilt für Verheiratete. Würden sich alle an diese Regeln halten, sei Aids gestoppt, so die Argumentation. Das C für Condoms ist drittrangig - ein bisschen Aufklärung schadet nicht, aber sie soll die Menschen nicht dazu anregen, Sex zu haben. Das führt dazu, dass Kondome einfach nicht mehr angeboten werden. So sagt Carl Stecker vom "Catholic Relief Fund" zwar, dass seine Gruppe in Afrika "korrekte Informationen über Kondome" weitergebe. Aber empfehlen oder verteilen würde er sie natürlich nicht. Diese Gruppe erhielt von der US-Regierung allein 6,2 Millionen Dollar für Enthaltsamkeits- und Treuekurse in drei Ländern.
Dass ABC wirkt, glaubt indes kaum ein Experte. In den USA, in denen die Enthaltsamkeit seit vielen Jahren auf dem Lehrplan von vielen öffentlichen und privaten Schulen steht, werden wegen mangelnder Aufklärung fünfmal mehr Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren schwanger als in Deutschland. Die Zahl der Abtreibungen in dieser Altersgruppe ist sogar acht Mal so hoch. Für die unaufgeklärte schwule Jugend besonders bitter: Die Risiko von 15- bis 24-jährigen Amerikanern, sich mit HIV zu infizieren, ist fünfmal höher als das von jungen Deutschen (Quelle: Advocate for Youth). Ein Programm, das selbst im eigenen Land derart katastrophale Ergebnisse geliefert und das Leben von Millionen Menschen kaputt gemacht hat, wird nun aus ideologischen Gründen der ganzen Welt aufs Auge gedrückt.
Bitter für Schwule
Das Programm ist besonders bitter für Schwule. Denn die hätten nicht einmal theoretisch die Möglichkeit, ihrem Ehepartner treu zu sein, wie von den Bushs gefordert. Statt dessen berichten Helfer, dass Kondome nicht mehr mitgenommen werden, selbst wenn sie ausliegen. Frau Bush, die ehemalige Lehrerin, blafft bei solcher Kritik zurück: "Ich bin immer ein wenig irritiert, wenn ich Kritik an der Enthaltsamkeit höre", so Bush zu Reuters. "Enthaltsamkeit ist zu 100 Prozent wirksam darin, eine sexuell übertragbare Krankheit zu besiegen."
Derlei Ansichten führen dazu, dass manche Gruppen erst gar nicht mehr in die Aids-Arbeit gehen. So hat die Hilfsorganisation der britischen BBC erst letzte Woche angekündigt, ihre HIV-Präventionsarbeit in Tansania einzustellen. Sie hatte von der staatlichen amerikanischen Hilfsorganisation USAID vier Millionen Dollar erhalten, unter anderem um Radio- und TV-Spots gegen Aids zu produzieren. Die US-Regierung verlangte jedoch, dass die BBC ein Papier gegen Prostitution unterschreiben müsse. Damit hätte sie Prostituierte nicht mehr direkt ansprechen können, um für Kondome zu werben. Dem Druck wollten sich die Briten nicht beugen.
Hoffnung 2008
Bleibt zu hoffen, dass 2008 ein neuer Präsident ins Amt gewählt wird, der einen realistischen Ansatz vertritt. Die Mehrheit der US-Bürger ist sicherlich nicht so verstockt wie ihr Häuptling und dessen noch einfacher gestrickte Ehefrau.
30. Januar 2006
Mehr zum Thema:
» USA: Enthaltsamkeit gegen HIV (queer.de-News)















Die merken offenbar gar nicht, was dieser Mensch seinen eigenen Land und den Rest der Welt antut.
Aber hoffen wir mal das beste.