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Serientipp
Ein böses Baby und eine sehr queere Geschichte
Die britische Sky-Serie "The Baby" bietet frische, unerwartete und absolut gelungene Unterhaltung – die queersten Episoden hat der deutsche Regisseur Faraz Shariat ("Futur Drei") inszeniert.

Natascha (Michelle De Swarte) bekommt unerwartet die Verantwortung für ein Baby – und will es schnell wieder loswerden (Bild: Sky)
- Von Jonathan Fink
21. Juli 2022, 10:25h - 3 Min.
Natasha Williams (Michelle de Swarte) ist 38 Jahre alt, Köchin und trinkt auch gerne mal einen über den Durst. Das letzte, wonach ihr im Leben der Sinn steht, ist ein Baby, und schon dass in ihrem Freundinnenkreis immer mehr Frauen entweder Mütter oder schwanger sind, geht ihr gehörig auf die Nerven. Kein Wunder also, dass ihr Alltag der reinste Horror wird, als ihr plötzlich – mehr oder weniger im wahrsten Sinne des Wortes – doch ein kleiner Mensch in den Schoss fällt. Und das liegt nicht nur an vollgeschissenen Windeln.
Schon wie dieses Baby, das der britischen Serie "The Baby" (zu sehen bei Sky) den Namen gibt, in Natashas Obhut gerät, will man eigentlich gar nicht verraten, um den Spaß an dieser Geschichte nicht unnötig zu verraten. Aber so viel kann wohl sagen: Mit rechten Dingen geht es hier nicht zu, und das Kleine scheint den wenigsten Menschen, mit denen es in Berührung kommt, Glück zu bringen. Ganz im Gegenteil.
Die lesbische Schwester hofft auf Nachwuchs
Natashas Versuche, das Baby irgendwie wieder loszuwerden, scheitern sämtlich, nicht zuletzt, weil plötzlich ihr gesamtes Umfeld davon auszugehen scheint, dass das Kind ihr eigenes ist. Und so gehört zu ihrem unerwarteten Mutterunglück auch, dass sie sich plötzlich sowohl mit ihrer seit Jahren abwesenden Mutter (Sinéad Cusack) und ihrer lesbischen, auf Nachwuchs hoffenden Schwester (Amber Grappy) auseinandersetzen muss. Ach, und eine mysteriöse Alte (Amira Ghazalla) heftet sich auch noch an ihre Fersen.

Amber Grappy, Michelle de Swarte und Amira Ghazalla in "The Baby" (Bild: Sky)
All das haben sich die beiden Britinnen Lucy Gaymer und Sian Robins-Grace (die auch schon an "Sex Education" beteiligt war) ausgedacht, der Sender vermarktet die achtteilige Serie als Horror-Comedy. Die Bezeichnung trifft es nicht exakt: Unheimlich und mysteriös ist "The Baby" zwar immer mal wieder, und mit dem einen oder anderen aus Horrorfilmen bekannten Stilmittel oder Genre-Trick wird auch gespielt. Nur echte Grusel-Spannung sollte man vielleicht nicht unbedingt erwarten.
Anfangs ist die Geschichte vor allem eine wirklich bitterböse und herrlich komische Komödie rund ums Thema Mutterschaft (sowie all den damit einhergehenden gesellschaftlichen Erwartungen und Konventionen). Doch je mehr sich der Fokus darauf richtet, was es denn nun mit diesem Baby wirklich auf sich hat, desto mehr tritt der Humor in den Hintergrund und macht zum Teil Platz für echtes Drama.
Etwas Neues, Ungewöhnliches und Riskantes

Poster zur Serie: Die acht Episoden der ersten Staffel von "The Baby" sind ab 21. Juli 2022 auf Sky zu sehen
Die Spur führt in die Vergangenheit, wo sich plötzlich noch eine ganz neue, sehr queere Geschichte zwischen zwei Frauen auftut. Die Episoden, die sich damit beschäftigten, hat der deutsche Regisseur Faraz Shariat inszeniert, in seinem ersten internationalen Job nach dem "Futur Drei"-Erfolg. Er ist der einzige Mann im Kreativteam hinter der Kamera (Regie und vor allem die Drehbücher liegen ansonsten fest in weiblicher Hand) und macht seine Sache fantastisch. Dass man sich trotzdem ein wenig den satirischen Tonfall der ersten Folgen zurückwünscht, hat nichts mit seiner Regie zu tun.
Man könnte also sagen, dass "The Baby" mitunter zwischen ein paar zu vielen Stühlen sitzt. Wirklich daran stören sollte man sich aber bitte nicht. Vielmehr ist es eine absolute Freude, dass hier Serienmacher*innen mal wirklich etwas Neues, Ungewöhnliches und bisweilen auch Riskantes wagen, statt bloß bewährte Erfolgsrezepte zu kopieren. "The Baby" bietet frische und unerwartete Unterhaltung, ist erfreulich queer und divers – und hat mit der (übrigens bisexuellen) Neuentdeckung Michelle de Swarte eine großartige Hauptdarstellerin zu bieten. Von daher: unbedingt einschalten!
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Links zum Thema:
» Mehr Infos zu "The Baby" auf sky.de
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de
00:05h, Arte:
Kurzschluss
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