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Griechenland

Nur zwei Monate hinter Gittern: Verurteilter kommt nach "Lynchmord" an LGBTI-Aktivist frei

Die Tötung des queeren Aktivisten Zacharias Kostopoulos auf offener Straße löste Proteste in der Community aus. Nachdem die Täter im Mai milde Urteile bzw. Freisprüche erhielten, kommt nun der nächste Schlag.


Zacharias Kostopoulos starb 2018 einen gewaltsamen Tod – und die Täter sind alle auf freiem Fuß

  • 21. Juli 2022, 13:16h 11 2 Min.

Der Immobilienmakler Athanasios H. ist letzte Woche wieder auf freien Fuß gesetzt worden – trotz einer Verurteilung in Mai zu einer zehnjährigen Haftstrafe wegen seiner Beteiligung an der Tötung des queeren Aktivisten Zacharias Kostopoulos. Wie griechische Medien berichten, habe sein Anwalt erreicht, dass H.s Urteil auf Bewährung ausgesetzt wird. Als Auflage darf der verurteilte Straftäter das Land nicht verlassen und muss sich einmal im Monat bei der Polizei melden.

Zacharias Kostopoulos war am 21. September 2018 in einer Fußgängerzone im Zentrum Athens von H. und einem 77-Jährigen zusammengeschlagen worden und starb später an seinen Verletzungen. Kostopoulos war eine Ikone der griechischen LGBTI-Community und ein Aktivist für Aids-Prävention. Vor Ort war er als Dragqueen "Zak/Zackie Oh" bekannt.

Vier Polizisten hatten nach der Attacke der beiden verurteilten Männer ebenfalls auf den sterbenden Mann eingeprügelt und ihm Handschellen angelegt, weil die Schläger ihn des Diebstahls beschuldigt hatten. Kostopoulos starb kurze Zeit später im Krankenhaus. Amnesty International bezeichnete Kostopoulos' Tod als "Lynchjustiz" und "Mord" und prangerte die von den Polizisten ausgeübte Gewalt an, die offenbar auch auf Homophobie begründet war. Videoaufnahmen konnten Vorwürfe später entkräften, dass Kostopoulos ein "messerschwingenden Räuber" war, wie in griechischen Medien zunächst berichtet wurde.

Proteste der queeren Community

Die Tötung des Aktivisten löste Protestaktionen in der LGBTI-Community aus. Auch die langsame Reaktion der Staatsanwaltschaft und die abgeschwächte Anklage wegen Körperverletzung mit Todesfolge führten zu Kritik (queer.de berichtete). Am Ende wurden nur die zwei ursprünglichen Schläger zu je zehn Jahren verurteilt, die vier Polizisten wurden freigesprochen. Der 77-jährige Täter musste wegen seines Alters seine Hafstrafe nicht antreten (queer.de berichtete).

Nach der Freilassung des zweiten Täters ist somit niemand mehr wegen der Tat im Gefängnis. Laut griechischen Medienberichten zeigte keiner der beiden Männer Reue wegen des Vebrechens.

Auch die Familie von Kostopoulos hatte die lasche Reaktion der griechischen Behörden scharf kritisiert: "Er war offensichtlich fast tot, als ihm die Handschellen angelegt worden sind. Das machte Wiederbelebungsversuche unmöglich. Es ist eigentlich fast unmöglich zu leugnen, dass dies ein Hassverbrechen war", heißt es in einer von der Anwältin der Familie verbrieteten Erklärung. (dk)

-w-

#1 SkandalAnonym
  • 21.07.2022, 15:41h
  • Das ist wirklich ein Skandal.

    Für diese Tat waren 10 Jahre schon eine verdammt milde Strafe. Diese dann aber auch schon nach 2 Monaten zur Bewährung auszusetzen, ist wirklich skandalös. Da ist ein Mensch totgeprügelt worden.

    Und dass auch noch Poliziten auf einen sterbenden Menschen einschlagen, ist genauso ein Skandal wie der Mord an George Floyd in den USA. Nur hat das dort wenigstens Konsequenzen für die Täter gehabt und eine breite Debatte ausgelöst, während das in Griechenland viel zu wenig Empörung auslöst, als dass sich etwas ändert.

    Wenn schon Griechenland so eine Bananenrepublik ist, sollte sich eigentlich die EU einschalten. Aber die tun ja eh nichts, weil sie immer erst mal laufen lassen.
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#2 Pride
  • 21.07.2022, 15:45h...
  • Wie kann so ein Urteil zur Bewährung ausgesetzt werden? Justiz, Polizei und Gesellschaft in Griechenland scheinen sich wohl nicht mehr auf der Rechtsstaatlichkeitsebene zu befinden. Wenn möglich, sollte das alles auf die Justiz-Ebene Europas wie EuGH und EGMR gehoben werden.
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#3 Lucas3898Anonym