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Synodaler Weg gescheitert
Segnung von Homo-Paaren: "Rom stellt ein Stoppschild auf"
Der Synodale Weg soll unter anderem Homosexuelle den Status als Menschen zweiter Klasse nehmen. Der Vatikan macht aber jetzt deutlich, dagegen sein Veto einlegen zu wollen.

Der Vatikan macht deutlich, dass es keinen Platz für Homo-Segnungen in der katholischen Kirche gibt (Bild: TheGabeC / flickr)
- 21. Juli 2022, 13:34h 3 Min.
In einer offiziellen Erklärung hat der Vatikan die deutschen Katholik*innen vor zu weitgehenden Reformen gewarnt. "Der 'Synodale Weg' in Deutschland ist nicht befugt, die Bischöfe und die Gläubigen zur Annahme neuer Formen der Leitung und neuer Ausrichtungen der Lehre und der Moral zu verpflichten", stellte der Heilige Stuhl in einer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung klar. "Es wäre nicht zulässig, in den Diözesen vor einer auf Ebene der Universalkirche abgestimmten Übereinkunft neue amtliche Strukturen oder Lehren einzuführen, welche eine Verletzung der kirchlichen Gemeinschaft und eine Bedrohung der Einheit der Kirche darstellen würden."
Der Vatikan lädt die deutschen Katholik*innen jedoch ein, ihre Vorstellungen in den derzeit ebenfalls laufenden synodalen Prozess der Weltkirche einzubringen. Diesen Prozess hat Papst Franziskus angestoßen. Unklar ist, was genau das Ziel ist und ob damit irgendwelche konkreten Reformen beabsichtigt werden.
Der 2019 begonnene Synodale Weg der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken ist eine Konsequenz aus dem Missbrauchsskandal. Er strebt Reformen in vier Bereichen an: dies sind der Umgang mit Macht, die katholische Sexualmoral, die Position der Frauen und die verpflichtende Ehelosigkeit der Priester (Zölibat). Ein großes Thema ist nach dem Massen-Coming-out von mehr als 100 Kirchen-Mitarbeitenden insbesondere die Akzeptanz von queeren Menschen. So wird etwa die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare gefordert.
Der Vatikan hatte allerdings erst vergangenes Jahr sein Segnungsverbot gegen Homosexuelle erneuert (queer.de berichtete). Die umbarmherzige Haltung gegenüber queeren Menschen hat auch in Teilen der deutschen Kirche Unterstützung – so lobte etwa der mächtige Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki das Segnungsverbot (queer.de berichtete).
Kirchenrechtler: Reformprozess ist am Ende
Kirchenrechtler Thomas Schüller sieht nun den Reformprozess am Ende: "So kann es mit den Blütenträumen der deutschen Synodalen gehen: Sie zerplatzen an den römischen Mauern", sagte der Münsteraner Professor am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Er sieht nun keine Chance, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen. "Rom stellt ein Stoppschild auf und beharrt auf seinem alleinigen Führungsanspruch, was die Veränderung von Macht und Lehre in der Kirche angeht."
Den Vatikan treibe die Sorge um einen deutschen Sonderweg um, und offenbar schafften es die restaurativen Kräfte in der römischen Zentralverwaltung, Papst Franziskus in seiner kritischen Sicht auf eine deutsche Kirche zu bestärken. Dabei seien Änderungen in der Lehre ebenso ein Gebot der Stunde wie die Einhegung bischöflich-absolutistischer Macht. "Auch die Weltkirche und damit Rom könnte von einer Teilkirche wie der in Deutschland durchaus lernen, will es aber augenscheinlich nicht", sagte Schüller. (dpa/dk)















