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Heimkino
An der Highschool verliebt in eine trans Mitschülerin
Kelsa und Khal kommen zusammen – und die ganze Schule schaut auf das Paar. Denn Kelsa ist trans. "Anything's Possible", die erste Regiearbeit von Billy Porter, ist zwar eine süße Romantic Comedy, will aber einfach zu viel von allem.

Der schüchterne Khal (Abubakr Ali) und Kelsa (Eva Reign) werden ein Paar (Bild: Amazon Prime Video)
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22. Juli 2022, 02:26h - 4 Min.
Khal, richtig schön Amerikanisch langgezogen, heißt eigentlich Khalid. Weil das aber niemand aussprechen kann, bleibt er eben bei Khal. So macht er es den anderen einfacher und sich selbst erträglicher. Kelsa, mit der er nicht nur auf dieselbe Highschool geht, sondern seit Kurzem auch zusammen ist, will ihn aber unbedingt bei seinem richtigen Namen nennen. Namen seien so wichtig, argumentiert sie. Kelsa muss es wissen: Sie ist trans – und kann Khalid natürlich doch nicht korrekt sagen. Ein süßer, kleiner Running Gag in "Anything's Possible" (Amazon-Affiliate-Link ).
Wie schön wäre es, gäbe es in dem Film mehr solcher Kleinigkeiten: Handlungen, ein wenig lustig, aber mit ernstem Kern. Stattdessen holt Billy Porter, den die meisten wohl aus "Pose" kennen, für seine erste Regiearbeit gemeinsam mit der Drehbuchautorin Ximena García Lecuona die ganz großen Stücke raus.
Wichtig für die Repräsentation

Poster zum Film: "Anything's Possible" läuft seit 22. Juli 2022 bei Amazon Prime Video
Aber von vorne: "Anything's Possible" spielt an einer Highschool in Pittsburgh. Pittsburgh, Pennsylvania, ist nicht nur die Heimat von Bill Porter. Dort spielte vor über 20 Jahren auch das amerikanische "Queer As Folk". Wie angenehm, dass in der Stadt nicht mehr nur weiße Mittelklasse-Schwule leben, sondern "Anything's Possible" ein realistischeres Bild zeichnet aus einer in jeder Hinsicht vielfältigen Gesellschaft.
An dieser Highschool kommen sich die junge trans Frau Kelsa und ihr Klassenkamerad Khal näher, es gibt Konflikte – mit den Freund*innen, der Familie, dem Gegenüber, die aber alle nach und nach aufgelöst werden. Soweit ein ganz konventioneller Dreiklang aus Highschool, Romantic Comedy und Coming-of-Age-Film. Den hat man oft in den verschiedensten Konstellationen gesehen – und jetzt eben mit einer trans Hauptdarstellerin.
Keine Frage, das ist super. Ein für Amazon produzierter, massentauglicher und von Billy Porter als namhaftem Zugpferd inszenierter Film mit einem trans Charakter, gespielt von einer trans Darstellerin. Repräsentation ist wichtig, in Zeiten der gesellschaftsfähigen, als Kritik getarnten Transfeindlichkeit umso mehr.
Der Film wird überfrachtet
Aber das macht "Anything's Possible" als Film eben nicht besser. Die Rom-Com macht zwar filmisch vor allem am Anfang viel richtig. Sie beginnt sehr flippig, Parallelmontagen sorgen für einen guten, oft augenzwinkernden Flow, die Musik passt. Inhaltlich ganz an die Gen Z angepasst, betreibt Kelsa einen Youtube-Channel, Khal bespricht seine intimen Fragen lieber auf Reddit als mit seinem besten Freund. Soweit, so stimmig.
Doch vor allem ab etwa der Hälfte des Films wird der einfach überfrachtet mit allem, was das Brainstorming wohl hergab. Nur ein Beispiel: Kelsa hat mit ihrer Freundin Em Streit, weil die auch auf Khal steht. Irgendwann fällt ihr ein, sie könne von der Schule verlangen, dass Kelsa als trans Frau die Frauenumkleide nicht mehr nutzen darf. Die wird daraufhin in eine genderneutrale Umkleide im Keller verbannt. Doch nur wenig später erfährt Em eine Läuterung aus dem Nichts, sie gibt ihre erlogenen Anschuldigungen zu, und alles ist wieder gut. Kelsas Demütigung, ihr Leiden unter der Situation – im Film nur wenige Sekunden wert.

Regisseur Billy Porter am Set (Bild: Tony Rivetti / Orion Pictures)
Die Mütter sind zuckersüß und wertschätzend
Dabei ist das Recht, die richtige Umkleidekabine und die richtige Toilette nutzen zu dürfen, für viele trans Menschen ein harter und alltäglicher Kampf. Eine Erfahrung, die "Anything's Possible" entweder ernster nehmen – oder sich gleich auf die Beziehung zwischen Kelsa und Khalid fokussieren sollte. Wobei die auch nicht richtig zünden will: Eva Reign und Abubakr Ali sind zwar tolle Darsteller*innen. Dass eine 26-Jährige und ein 31-Jähriger aber Teenager spielen sollen, nimmt man den beiden die meiste Zeit über auch nicht so ganz ab.
Dennoch kommt ihre Beziehung bei all dem, was in das Drama gestopft wurde, einfach zu kurz: Zu viele ermutigende Teenie-Botschaften, zu viele wertschätzende Mutter-Dialoge, in ihrer Ballung absurd werdende Situationskomik – einfach too much von allem.
Lichtblicke hat der Film dann vor allem den Müttern zu verdanken: Kelsas und Khalids Mütter sind auf ihre ganz eigene Weise zuckersüße, wertschätzende, lustige Charaktere, die wenigstens ein bisschen mehr Tiefe als die anderen Nebenfiguren haben. Wie sich die Mütter von Kelsa und Em vor dem Schuldirektor anbrüllen ist sicher ein Highlight. Leider hat "Anything's Possible" davon zu wenig zu bieten.
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Anything's Possible. Romantic Comedy. USA 2022. Regie: Billy Porter. Cast: Renée Elise Goldsberry, Eva Reign, Abubakr Ali, Kelly Lamor Wilson. Laufzeit: 98 Minutnen Sprache: deutsche Synchronfassung, englische Originalfassung. Untertitel: Deutsch (optional). Seit 22. Juli 2022 bei Amazon Prime Video
Links zum Thema:
» "Anything’s Possible" bei Prime Video
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» auf sissymag.de
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20:15h, rbb:
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