https://queer.de/?42698
Norwegen
Ministerpräsident appelliert bei Utøya-Gedenken an moderate Muslim*innen
Das Gedenken an den rechtsextremen Terroranschlag von Utøya steht dieses Jahr unter dem Eindruck des islamistischen Terroranschlags auf einen queere Club in Oslo.

Jonas Gahr Støre ist seit Oktober 2021 Regierungschef in einer rot-grünen Koalition (Bild: Arbeiderpartiet)
- 22. Juli 2022, 11:51h - 2 Min.
Norwegen hat am Freitag der Opfer der rechtsextremen Terroranschläge im Osloer Regierungsviertel und auf der Insel Utøya vor genau elf Jahren gedacht. Dabei stand das Gedenken in diesem Jahr auch unter dem Eindruck der tödlichen Schüsse rund um einen queere Club vor knapp einem Monat, bei dem zwei Menschen ums Leben gekommen und 21 verletzt worden waren (queer.de berichtete). Die Attacke wird vom norwegischen Geheimdienst PST als islamistischer Terroranschlag eingestuft. Ein 43 Jahre alter Norweger mit iranischen Wurzeln wurde wenige Minuten nach den ersten Schüssen festgenommen.
Extremistische Haltungen, wie sie auch hinter dem Terror des 22. Julis 2011 steckten, gebe es weiterhin, warnten mehrere Redner*innen auf einer Gedenkveranstaltung am Freitag in Oslo. Der sozialdemokratische Ministerpräsident Jonas Gahr Støre wies bei dem Gedenken darauf hin, dass der Oslo-Täter wohl von islamistischem Extremismus motiviert gewesen sei. "Deshalb wende ich mich heute an die gemäßigten Muslime – die große Mehrheit der muslimischen Gemeinde – und bitte sie, sich sowohl gegen die Haltungen als auch Handlungen auszusprechen", sagte Støre. Damit meinte er Hetze, Bedrohungen und Gewalt gegen Homosexuelle.
Offene Gesellschaft verletzlich für Terroranschläge
Die meisten Terroristen hätten Gemeinsamkeiten, so Støre weiter. Als offene Gesellschaft sei Norwegen verletzlich für derartige Anschläge. Als weiteres Beispiel nannte der Regierungschef auch den Anschlag auf eine Moschee im 20 Kilometer von Oslo entfernten Bærum im Jahr 2019, als ein rechtsextremer 21-Jährige in das Gotteshaus eindrang und mit mehreren Waffen um sich schoss, während er die Attacke auf Facebook live streamte – er konnte damals schnell überwältigt worden, bevor er jemanden verletzten konnte. Später wurde der Mann wegen Terrorismus und eines anderen Mordes zu 21 Jahren Haft verurteilt.
Man dürfe nicht zulassen, dass das Extreme normalisiert werde, sagte auch die Chefin der sozialdemokratischen Jugendorganisation AUF, Astrid Hoem. Sie überlebte als 16-Jährige den Terror auf Utøya.
Der Rechtsterrorist Anders Behring Breivik hatte 2011 insgesamt 77 Menschen ermordet. Zunächst zündete er eine Autobombe im Osloer Regierungsviertel und tötete dabei acht Menschen. Danach richtete er auf der Insel Utøya ein Massaker in einem Sommerlager der Jugendorganisation der sozialdemokratischen Arbeiterpartei an, bei dem 69 vor allem junge Menschen starben. (dpa/dk)















