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Schwarze Sonne
Ordner mit Neonazi-Tattoos beim Berliner CSD
Entsetzen in der Community: Gleich zwei Trucks auf der Berliner CSD-Parade, darunter der Wagen der Schwulenberatung, wurden von Ordnern geschützt, die rechtsextreme Symbole am Körper trugen.

Symboldbild: Trucks auf dem Berliner CSD 2022 (Bild: IMAGO / Müller-Stauffenberg)
- 26. Juli 2022, 06:25h 4 Min.
Zu Update springen: Senatsverwaltung schaltet sich ein
Der Berliner CSD e.V. ist "entsetzt" über den Einsatz von mehreren Ordnern mit Neonazi-Tattoos bei der CSD-Demonstration am Samstag. "Rechtsextreme und queerfeindliche Meinungen, Aussagen und Symbole stehen im kompletten Gegensatz den Werten, Forderungen und Botschaften des CSD e.V. und der Demonstration", erklärte der Verein am Montag in einer Pressemitteilung. "Wir wenden uns gegen jede Form von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit."
STATEMENT DES VORSTANDS DES CSD e.V. Der Berliner CSD e. V. Ist entsetzt über den Einsatz von...
Posted by CSD Berlin – Berlin Pride on Monday, July 25, 2022
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Offenbar rechtsextremes Sicherheitspersonal schützte sowohl den Wagen der Berliner Schwulenberatung als auch den gemeinsamen Truck von Revolver Party und Bunte Vielfalt e.V. am Ende der Demonstration. Bilder und Videos in sozialen Netzwerken zeigen mehrere Ordner, die Tattoos der Schwarzen Sonne auf dem Arm tragen. Die drei schräg übereinandergelegten Hakenkreuze werden von Teilen der Neonaziszene als Erkennungssymbol verwendet. Die Security-Mitarbeiter trugen auch in der rechtsextremen Szene beliebte Kleidungsmarken.
/ juli_unrulyCN Nazi, Genozid@CSD_Berlin ? Was ist der Gedanke dahinter? Leute ne Pride Parade bewachen lassen, die auch die Transporte queerer Menschen in Todeslager bewachen würden? Damit man sich schon kennt, für den Fall, dass die Lager wiederkommen? pic.twitter.com/1fTPAbOHye
Unruly Juli (@juli_unruly) July 23, 2022
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CSD-Verein sieht Verantwortung bei den Teilnehmenden
Der Berliner CSD e.V. wies jede Verantwortung zurück. "Jede:r Teilnehmende:r mit einem Fahrzeug ist selbst zuständig und verantwortlich für die Stellung der notwendigen Ordner:innen für sein Fahrzeug", heißt es in der Pressemitteilung. "Die Anzahl der Ordner:innen pro Fahrzeug gibt die Berliner Polizei vor." Das Organisationsteam wisse nicht, wer welchen Dienstleister oder welches Personal nutze.
Weitere Fälle seien nicht bekannt, so der Berliner CSD. "Wir rufen jedoch dazu auf, sich bei uns zu melden, sollten weitere Fälle bemerkt worden sein, damit wir dem schnellstmöglich nachgehen können. Vorausschauend auf das nächste Jahr werden wir die Anmeldeunterlagen für Fahrzeuge entsprechend anpassen und alle Gruppen für die Thematik noch stärker sensibilisieren."
Schwulenberatung: Abdeckung der Tattoos angeordnet
Die Berliner Schwulenberatung zeigte sich ebenfalls "entsetzt" über den Vorfall. "Wir feierten als Teil der LSBTI*-Community in ihrer ganzen Vielfalt und niemandem von uns und allen Gästen des CSD sind solche Symboliken und Haltungen zumutbar", heißt es in einer Stellungnahme des Vereins. Die beauftragte Sicherheitsfirma habe man als "sehr zuverlässig und seriös" gekannt. "Für diesen Auftrag hat sie eine weitere Sicherheitsfirma als Drittfirma beauftragt. Deren Personal kannten sie nach eigener Aussage nicht."
CSD 2022 ? RECHTSEXTREME SYMBOLE Auch wir als Schwulenberatung Berlin sind entsetzt, dass wir, am 44. Berliner CSD mit...
Posted by Schwulenberatung Berlin on Monday, July 25, 2022
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Nach den ersten Hinweisen auf die rechtsextremen Tattoos habe man "umgehend reagiert", so die Schwulenberatung. Die Sicherheitsfirma habe sich entschuldigt und eine Ablöse geschickt. "Als Sofortmaßnahme wurde die Abdeckung des Tattoos angeordnet, da er bis zum Eintreffen der Ablöse wegen der benötigten Mindestanzahl an Security nicht abgezogen werden durfte", heißt es weiter in der Stellungnahme. "Trotz dieser umgehend von uns eingeleiteten Schritte erreichte die Ablöse nicht mehr rechtzeitig den CSD, da es zu voll war."
Für die Zukunft wolle die Schwulenberatung "entsprechende Maßnahmen ergreifen, um eine entsprechende erhebliche Störungen auszuschließen. "Rechtsextreme Symbolen und Haltungen haben nicht nur auf den CSD, sie haben auch bei uns als Schwulenberatung Berlin nichts zu suchen."
Sicherheitsfirma beklagt "haltlose Vorverurteilungen"
Die am Wagen von Revolver Party und Bunte Vielfalt e.V. eingesetzte Berliner Sicherheitsfirma "Silas Protect" verharmloste in einer Stellungnahme auf Facebook die rechtsextremen Symbole und beklagte "haltlose Vorverurteilungen". Das Unternehmen distanziere sich von "jedwedem nationalsozialistischen Gedankengut". Der betreffende Mitarbeiter mit dem Tattoo der Schwarzen Sonne habe in einem persönlichen Gespräch versichert, dass er den Wert der "Wichtigkeit einer diversen Gesellschaft" teile. (mize)
An alle unsere Mitarbeiter, Mitarbeiterinnen, Kunden, Freunde und weitere Interessierte, unser Unternehmen konnte...
Posted by Silas Protect on Monday, July 25, 2022
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Update 13.25h: Senatsverwaltung schaltet sich ein
Nach dem Einsatz von mutmaßlich rechtsextremen Ordnern beim Berliner CSD fordert die Senatsverwaltung für Justiz, Vielfalt und Antidiskriminierung Aufklärung. Man werde sich mit der Schwulenberatung "und gegebenenfalls weiteren von der Verwaltung unterstützten Organisationen" zu einem Gespräch zusammensetzen, heißt es in einer Pressemitteilung der Behörde vom Dienstag. Justizsenatorin Lena Kreck (Linke) habe sich bereits im Laufe des CSD "dafür eingesetzt und darauf gedrungen, dass geeignete Maßnahmen ergriffen werden".
"Bei uns gingen zahlreiche Beschwerden hinsichtlich von Ordnern mit rechtsextremen Tattoos wie der sogenannten Schwarzen Sonne ein, die unter Neonazis und Rechtsextremisten als Erkennungssymbol dient", erklärte die Staatssekretärin für Vielfalt und Antidiskriminierung Saraya Gomis. "Wir brauchen ein funktionierendes Beschwerdemanagement."
In dem Gespräch mit der Schwulenberatung soll der Vorfall aufgearbeitet und darüber gesprochen werden, wie der Einsatz von mutmaßlich rechtsextremen Sicherheitsbeschäftigten beim CSD künftig verhindert werden kann. "Queerfeindliche Rechtsextremisten haben auf einer Pride nichts verloren, auf der es um Akzeptanz und gleiche Rechte und die Bekämpfung von Diskriminierung geht", so Gomis.















Jetzt auch noch Nazis als Ordner, dann diese andere Attacke gegen die Viper Nick.
Das ist die Quittung für die Politik, nicht nur hier, sondern auch noch in etlichen anderen Ost-Bundesländern. Was ist die Konsequenz? Nada.
Damit ist und bleibt Köln der größte, bunteste und beste Gay Pride des Landes. So ne Sachen wären da unmöglich.