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Schwere Entgleisung

Mainzer CDU-Chef setzt LGBTI-Akzeptanz mit Faschismus gleich

Die Regenbogenfahne an staatlichen Institutionen diene wie einst die Hakenkreuzfahne der "Durchsetzung einer eigenen Weltanschauung", empörte sich der Mainzer CDU-Vorsitzende Thomas Gerster auf Twitter.


Am vergangenen Wochenende wehte vor und auf dem Deutschen Bundestag erstmals die Regenbogenfahne (Bild: IMAGO / Virginia Garfunkel)
  • 27. Juli 2022, 03:59h 42 3 Min.

Der Mainzer CDU-Vorsitzende Thomas Gerster hat das Hissen der Regenbogenflagge am Deutschen Bundestag und an anderen staatlichen Institutionen mit einem unterirdischen Vergleich kritisiert und damit scharfe Proteste ausgelöst. In Anspielung an die NS-Zeit twitterte Gerster am Dienstag: "Man hat schon einmal schwarz-rot-gold durch andere Farben ersetzt. Auch damals war das Ziel die Durchsetzung einer eigenen Weltanschauung. Spoiler: Es ging nicht gut."

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Der CDU-Politiker reagierte mit seinem Kommentar auf einen Tweet des ehemaligen "Bild"-Chefredakteurs Julian Reichelt zum Streit zwischen Familien- und Innenministerium um die Progress-Pride-Flagge.

SPD: "wirrer, geschmackloser und fürchterlicher Vergleich"


Thomas Gerster ist Vorsitzender der CDU Mainz (Bild: CDU Mainz)

Die SPD-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Sabine Bätzing-Lichtenthäler antwortete auf Twitter: "Was für ein wirrer, geschmackloser und fürchterlicher Vergleich."

Die Grünen Mainz warfen Gerster in einer Pressemitteilung vor, den Holocaust verharmlost und queere Menschen "mit den Nazis und dem nationalsozialistischem Regime auf eine Stufe" gestellt zu haben. "Das ist besonders perfide, weil im Dritten Reich LGBTQIA* auf staatliches Geheiß verfolgt und ermordet wurden", sagte die stellvertretende Kreisvorsitzende Stefanie Gorges.

Die Linke forderte den Rücktritt des CDU-Politikers. "1,5 Wochen vor dem Mainzer CSD disqualifiziert sich das Stadtratsmitglied Gerster erneut mit Aussagen, die dem Kreisvorsitzenden einer demokratischen Partei nicht nur peinlich sein sollten, sondern Anlass zum Rücktritt geben", erklärte der Ko-Vorsitzende Barka Braum. Auf Twitter schrieb die Mainzer Linkspartei: "Zwar sind homophobe Ausfälle bei Mitgliedern der CDU leider keine Einzelfälle, aber diese brutale Täter-Opfer-Umkehr lässt uns wütend zurück."

CDU Rheinland-Pfalz distanziert sich von Gerster

Die Kreischefin der Mainzer FDP, Almut Rusbüldt, hoffte gegenüber dem SWR, dass ihr CDU-Kollege den entstandenen Eindruck korrigiert. "Falls hier tatsächlich das Hissen der Regenbogen­flagge mit dem der Hakenkreuzfahne der Nationalsozialisten verglichen worden ist, wäre dies eine Ungeheuerlichkeit. Ein derartiger geschichtsloser Fehltritt wäre eines Kreisvorsitzenden einer demokratischen Partei und Mitglieds des Mainzer Stadtrats absolut unwürdig."

Gersters eigene Partei ging klar auf Distanz. Die CDU Rheinland-Pfalz stellte auf Twitter klar: "Der vorgenommene Vergleich ist unpassend! Die Bundesflagge auf öffentlichen Gebäuden steht für unser Grundgesetz: für die Würde des Menschen und die Freiheit und Gleichheit aller."

/ cdurlp
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Gerster bleibt dabei: Pride-Flaggen sind "gefährlich"

Thomas Gerster tweetete später, es tue ihm leid, sollte er "mit meinem zugegeben überspitzten Kommentar" jemanden verletzt haben. Es gehe ihm darum, "vor öffentlichen Gebäude nur Fahnen zu hissen, deren Definition dem Staat unterliegt". Dies sei bei der Regenbogenflagge nicht der Fall: "Es gibt aber keinerlei gesetzliche Definition, für was die Regenbogenflagge steht. Insofern ist eine Beflaggung gefährlich."

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Gegenüber dem SWR erklärte Gerster: "Wir haben uns als Bundesrepublik für die Farben Schwarz, Rot und Gold entschieden als Symbol unseres Grundgesetzes. Das schützt alle Gruppen vor Diskriminierung und verbietet eine Bevorzugung von anderen." Wenn man eine Minderheit, auch aus berechtigten Gründen, hervorhebe, sei das eine Verwässerung des Anspruchs, alle gleich zu behandeln. "Es ist schwierig, Einzelinteressen über das Gemeinwohl zu stellen", so Gerster. Mit dem Hissen nicht nur der klassischen, genehmigten Regenbogenflagge, sondern sogar einer erweiterte Variante, die u.a auch trans und inter Menschen explizit berücksichtigt, werde weiter an der Schraube gedreht. (cw/dpa)

-w-

#1 Wer hätte es gedachtAnonym
  • 27.07.2022, 07:19h
  • Die CDU? Nein. Nein, das kann doch nicht... wir lesen doch hier immer, dass die CDU eigentlich DIE Partei ist, die am progressivsten in Sachen LGBTQI*-Rechte ist. Das muss ein Irrtum sein. Kann doch gar nicht sein. Die LSU erzählt doch immer genau das Gegenteil...
    (Das erinnert mich wirklich an das Schönreden der ganzen Gläubigen, die obwohl alle paar Monate ein überdeutliches "Ne, Leute - is' nich!" aus dem Vaitkan kommt, immer was von "Fortschritten in der RKK" erzählen und "der Papst sei ja nicht die Katholische Kirche" und man müsse auch sehen, das... )

    Na gut, Sarkasmus beiseite:
    Überrascht mich nicht.
    Der Laden *kann* gar nicht im Zeitalter akzeptierter Menschenrechte ankommen, damit würde man ein (gar nicht so-) Alleinstellungsmerkmal als Partei aufgeben, mit dem man einen Großteil seiner Wähler*innen an sich binden kann, auch wenn der Konkurrenzkampf nach rechts außen sicherlich noch schriller werden dürfte.
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#2 VestigeAnonym
#3 Matze0815
  • 27.07.2022, 07:37h
  • Wie ekelig, dass der Herr sich jetzt nicht versucht zu rechtfertigen und meint, dass Queere Menschen nicht übervorteilt werden sollen.

    Wenn ihm so viel daran liegt, dass alle gleich behandelt werden, dann sollte man das wirklich neben und weiter gehen Diskriminierung, Hassverbrechen und tatsächliche Benachteiligung Queerer Menschen einstehen.
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