https://queer.de/?42746
Comedy
Endlich mal eine richtig gute Serie über Lehrer*innen
Auf Disney+ ist jetzt die erste Staffel der witzigen und sympathischen Sitcom "Abbott Elementary" zu sehen. Sie trifft immer den richtigen Ton – und hat auch eine schwule Hauptfigur.

Die Lehrer*innen an der Abbott Elementary kämpfen gegen Sparzwänge und Kürzungen (Bild: ABC)
- Von
27. Juli 2022, 04:48h - 3 Min.
Eine Serie über Lehrer*innen? Hierzulande hat man damit – siehe neun Staffeln "Der Lehrer" auf RTL oder in den Neunzigern "Unser Lehrer Doktor Specht" – eher wenig aufregende Erfahrungen gemacht. Doch aus den USA kommt nun mit "Abbott Elementary" (ab sofort zu sehen bei Disney+) endlich mal eine Comedy-Serie, die zwar den Lehrer*innen-Beruf durchaus ernst nimmt, aber trotzdem vor allem sehr viel Spaß macht.
Ausgedacht hat sich die Sache Quinta Brunson, die vor ein paar Jahren noch Instagram- und Buzzfeed-Videos drehte und nun – ihrer ersten eigenen Serie sei Dank – vom "Time Magazine" zu den 100 einflussreichsten Personen des Jahres gekürt wurde. Dreifach Emmy-nominiert ist sie obendrein, als Autorin, Produzentin und auch Hauptdarstellerin von "Abbott Elementary".
Frust und Ernüchterung in Klassen- und Lehrerzimmer
Brunson spielt in der Serie die engagierte junge Lehrerin Janine Teagues, die ihre Unerfahrenheit mit Übereifer auszugleichen versucht. Die älteren Kolleginnen (vor allem die famose Sheryl Lee Ralph als strenge Barbara Howard) an der titelgebenden Grundschule in Philadelphia, die überwiegend von Schwarzen Kids besucht wird, schütteln nicht selten den Kopf über Janines daueroptimistischen Einsatz – und sind natürlich selbst längst ernüchtert.
Weil Sparzwänge und Kürzungen schon lange dafür gesorgt haben, dass der Alltag im Klassen-, aber auch im Lehrerzimmer von Frust und Ernüchterung geprägt ist. Dass mit Ava Coleman (wunderbar komisch: Janelle James) auch noch eine reichlich arbeitsfaule und wenig sensible Schulleiterin das Sagen hat, die stolz berichtet, nicht ihrer Fähigkeit wegen eingestellt worden zu sein, macht die Lage natürlich kaum besser.
Selbstverständlicher Umgang mit Queerness

Chris Perfetti spielt den schwulen Lehrer Jacob Hill (Bild: ABC)
Zu den vielen schönen Aspekten dieser witzigen und sehr sympathischen Serie gehört auch Janines Kollege und engster Vertrauter Jacob Hill (Chris Perfetti aus "Looking: The Movie" und "Minyan"), der ähnlich neu im Beruf und kaum weniger leidenschaftlich bei der Sache ist. Dass er obendrein schwul ist, ist weder für die Serie noch ihre Figuren sonderlich der Rede wert. Dass Janine empört ist, als er nach einer gefühlten Ewigkeit erstmals seinen Lebensgefährten (Larry Owens, genau wie sein Serien-Partner auch in Wirklichkeit queer) erwähnt, liegt lediglich daran, dass er nicht viel früher von ihm erzählt hat.
Die Selbstverständlichkeit, mit der "Abbott Elementary" mit dem Thema umgeht, passt ins Bild, denn der richtige Ton wird hier auch sonst immer wieder getroffen. Der Humor ist mal albern, mal böse, Zynismus sucht man vergeblich, und sowohl von niedlichen Kindern als auch von erbaulicher Sentimentalität gibt es immer nur gerade genug. Das Ergebnis ist eine unbedingt sehenswerte Sitcom in bester "Parks & Recreation"-Tradition, die in den USA schon so erfolgreich ist, dass nach der ersten, 13 Folgen umfassenden Staffel bereits eine neue, deutlich längere bestellt wurde. Und darauf freuen wir uns jetzt schon.
|
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de
20:15h, Arte:
Im Schatten von Roubaix
Das lesbische Paar Claude und Marie Carpentier wird von einem jungen Kommissar verdächtigt, eine alte Frau ermordet zu haben.
Spielfilm, F 2019- 4 weitere TV-Tipps »












