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Gesprächsangebot
US-Außenminister will mit russischem Amtskollegen über Griner-Freilassung verhandeln
Die lesbische Basketballerin ist seit Monaten in russischer Gefangenschaft. Nun will Antony Blinken erstmals seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine mit Sergej Lawrow sprechen, um die Freilassung Griners zu erreichen.

Antony Blinken ist seit Januar 2021 Außenminister in der Regierung von Joe Biden (Bild: State Department Photo by Ron Przysucha)
- 28. Juli 2022, 09:10h - 3 Min.
Die USA haben Russland nach eigenen Angaben ein Angebot gemacht, um die Freilassung der US-Basketballerin Brittney Griner und des amerikanischen Staatsbürgers Paul Whelan zu erreichen. "In den kommenden Tagen werde ich voraussichtlich zum ersten Mal seit Beginn des Krieges mit dem russischen Außenminister Lawrow sprechen", sagte US-Außenminister Antony Blinken am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Washington. "Die Freilassung der Amerikaner Paul Whelan und Brittney Griner muss erreicht werden und sie müssen nach Hause kommen dürfen. Wir haben schon vor Wochen einen substanziellen Vorschlag auf den Tisch gelegt, um die Freigabe zu erleichtern", sagte Blinken. Er nannte keine Einzelheiten zu dem Angebot.
Laut CNN hat die amerikanische Regierung einen Gefangenenaustausch angeboten: Demnach soll der in den USA zu 25 Jahren Haft verurteilte russische Waffenhändler Viktor Bout freigelassen werden, sollte Russland Whelan und Griner die Ausreise in ihr Heimatland genehmigen.
Die Regierung der Vereinigten Staaten geht davon aus, dass Russland Griner als "Geisel" hält, um amerikanische Zugeständnisse im Ukraine-Krieg zu erpressen. Schließlich war sie nur kurz vor dem Angriff Russlands auf sein Nachbarland festgenommen worden. Auch ihre sexuelle Orientierung könnte laut Beobachter*innen im homosexuellenfeindlichen Land eine Rolle spielen. Die Biden-Regierung hatte bereits vor mehreren Monaten den US-Beauftragen für Geisel-Angelegenheiten mit der Betreuung des Falls beauftragt (queer.de berichtete).
Medikament wurde Griner zum Verhängnis
Griner hatte sich vor drei Wochen schuldig bekannt, aus Versehen Haschisch-Öl vor ihrer Reise nach Russland mitgenommen zu haben (queer.de berichtete). Sie habe in großer Hast gepackt, erklärte die 31-Jährige. Es soll sich lediglich um 0,5 Gramm gehandelt haben. Griner war das Medikament in den USA von ihrem Arzt wegen chronischer Schmerzen verschrieben worden. "Medical Marijuana" wird allerdings in Russland nicht als Medikament anerkannt, sondern gilt pauschal als illegale Droge.
Vor einem Gericht in der Nähe von Moskau erklärte sie am Mittwoch laut der Nachrichtenagentur Interfax: "Ich hatte nicht die Absicht, irgendein Gesetz der Russischen Föderation zu verletzen." Zugleich räumte Griner erneut ein, das Medikament bei sich gehabt zu haben.
Bei Verurteilung drohen bis zu zehn Jahre Haft
Griner war am 17. Februar auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo festgenommen worden – also eine Woche vor dem russischen Angriff auf die Ukraine. Bei einer Verurteilung drohen ihr bis zu zehn Jahre Haft. Bei der Festnahme habe sie wegen der langen Reise und einer überstandenen Corona-Infektion benommen gewirkt.
Instagram / brittneyyevettegriner | Griner mit ihrer Ehefrau in glücklicheren Zeiten
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Seit 2015 spielte Griner bei UGMK Jekaterinburg im Ural. Mit dem Club gewann sie viermal die Euroleague. Sie machte während des Gerichtsverfahrens deutlich, dass sie bei den Saisonspielen kein Marihuana benutzt habe, weil ihr klar gewesen sei, dass es verboten ist – und damit nicht nur sie, sondern ihre Mannschaft hätte disqualifiziert werden können. Griner hatte auch US-Präsident Joe Biden in einem Brief um Hilfe gebeten. (dpa/dk)














