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Für 500.000 Impfungen

Aidshilfe fordert eine Million Affenpocken-Impfdosen

Die Deutsche Aidshilfe ist mit der Menge an Impfdosen unzufrieden, die die Bundesregierung bisher geordert hat. Weltweit müsste stärker auf die Verbreitung reagiert werden – durch eine höhere Produktion.


Hilft auch gegen Affenpocken: Impfstoff gegen das klassische Pockenvirus (Bild: Photo Credit: James GathanyContent Providers: CDC / wikipedia)
  • 29. Juli 2022, 08:34h 4 4 Min.

Die Impfkampagne gegen das Affenpockenvirus beziehungsweise MPX ist angelaufen. Zwar hatte Gesundheitsminister Karl Lauterbach eine Verfügbarkeit des Impfstoffs schon für den 15. Juni angekündigt. Doch erst knapp einen Monat später wurde in Berlin, dem deutschen MPX-Hotspot, die erste Spritze gesetzt (queer.de berichtete). Das RKI gab die Zahl der Infektionen in Deutschland am Freitag mit 2.595 an.

Doch an der Menge an Impfdosen, die bisher bestellt worden ist, gibt es große Kritik. Die Deutsche Aidshilfe fordert nun, eine Million Impfdosen bei den Herstellern zu ordern. Weil eine Impfung regulär mit zwei Dosen im Abstand von etwa einem Monat erfolgt, würde das für eine halbe Million Menschen reichen.

Epidemie in den Griff kriegen – weltweit

"Ziel muss sein, die Zahl der Infektionen so schnell wie möglich zu senken und die Epidemie dauerhaft in den Griff zu bekommen", sagt Ulf Kristal vom Vorstand der Deutschen Aidshilfe. Das sei nur möglich, wenn möglichst viele Menschen, die ein Infektionsrisiko haben, geimpft werden, "in Deutschland und in allen anderen betroffenen Ländern".

Es dürfe nicht dazu kommen, dass schwulen Männern die Impfung verweigert werde, ergänzt der Referent für Medizin und Gesundheitspolitik der Aidshilfe, der Epidemiologe und Arzt Axel Jeremias Schmidt. Der Bund sollte so schnell wie möglich bestellen, weil kurzfristige Käufe in nächster Zeit kaum möglich sein würden: "Es gilt, vorzusorgen."

Man gehe bei der Deutschen Aidshilfe nicht davon aus, dass die Epidemie vorbei sei, wenn die bisher verfügbaren Dosen verimpft sind. Zudem müsse sich für alle Szenarien vorbereitet werden, so Schmidt. "Entscheidend ist: Solange es Infektionen mit Affenpocken gibt, müssen wir Menschen, die ein Risiko haben, ein Impfangebot machen." Dazu gehörten alle schwulen und bisexuellen Männer, die nicht in monogamen Beziehungen leben.

Bisher nur 240.000 Dosen bestellt

Grundlage der Zahl von einer halben Million zu Impfenden ist für die Aidshilfe die EMIS-Studie von 2017 (queer.de berichtete), die neben der Verbreitung von Wissen über Schutzmaßnahmen gegen das HI-Virus auch Daten darüber sammelte, wie viele Männer zur Gruppe derer gehören, die Sex mit häufig wechselnden Partnern haben.

Bisher sollen 240.000 Dosen der Impfstoffe Imvanex und Jynneos bestellt worden sein. 40.000 davon, die Jynneos-Dosen, sind bereits ausgeliefert. Die 200.000 Imvanex-Dosen sollen bis Ende September folgen. Das aber reiche laut Aidshilfe nicht. Die Ständige Impfkommission hat darum kürzlich sogar ihr Empfehlung zur Impfung dahingehend ergänzt, dass zunächst nur eine Dosis pro Person verimpft werden solle. Das würde die Grundimmunität von mehr Menschen stärken, die sonst noch länger auf die Möglichkeit der Impfung warten müssten (queer.de berichtete). Das heißt aber auch, dass der Schutz aller so Geimpften weniger stark ist, als er sein könnte.

Darum fordert die Aidshilfe von der Bundesregierung mehr Einsatz für den massiven Ausbau der Produktion. Dazu könnten auch andere Firmen den Impfstoff in Lizenz produzieren. Eine weitere Alternative sei die Freigabe des Patents – eine Forderung, die schon bei den Corona-Impfstoffen auf taube Ohren gestoßen ist. DAH-Vorstand Ulf Kristal fordert dennoch Konsequenzen aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre: "Wir dürfen die Fehler, die bei Covid gemacht wurden, nicht wiederholen: Alle Menschen weltweit, die ein Risiko haben, müssen Zugang zur Impfung bekommen."

Schnelle Verbreitung, schmerzhafte Folgen

Kristal warnt auch vor einer Unterschätzung der Infektion: "MPX-Erkrankungen haben teilweise sehr schmerzhafte Folgen." Eine durch einen Impfstoffmangel ausgelöste Notsituation dürfe sich "nirgendwo und für niemanden wiederholen". Anders als beim Corona-Impfstoff lässt sich gegen das Affenpockenvirus auch nach einem Risikokontakt noch durch eine Impfung vorgehen. Das liegt auch an der Inkubationszeit der Krankheit, die laut vorliegenden Daten gegenwärtig im Mittel bei 8 bis 9 Tagen liegt, aber auch länger als 21 Tage dauern kann.

Direktlink | Das queere Kölner Zentrum anyway informiert die Community mit einem Talk über MPX
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Die Deutsche Aidshilfe mahnt auch vor dem Hintergrund der besonderen Geschwindigkeit, mit der sich das Virus in der Bevölkerungsgruppe schwuler und bisexueller Männer ausbreitet, zu mehr Aufmerksamkeit und Maßnahmen. Zuletzt hieß es, dass 98 Prozent der Infektionen dieser Gruppe zugerechnet werden könnten, sich das Virus also derzeit fast ausschließlich hier verbreitet. 95 Prozent der Infektionen gingen dabei auf sexuelle Kontakte zurück (queer.de berichtete)

Rechne man die Zahl der Infizierten innerhalb der Community auf die Gesamtbevölkerung hoch, so die Aidshilfe, hätten sich schon mehr als 200.000 Menschen infiziert: "Wäre das tatsächlich geschehen, würden Impfungen vermutlich mit mehr Nachdruck vorangetrieben." Diese Zahl an Infektionen mit dem Corona-Virus war in Deutschland Mitte Juli 2020 und damit weit hinter den ersten Ausgangsbeschränkungen erreicht worden.

Man habe jedoch in den letzten Wochen "den Eindruck gewonnen, dass bei Maßnahmen gegen MPX in Deutschland teilweise nicht so schnell und pragmatisch gehandelt wurde wie während der Covid-19-Pandemie", als die gesamte Bevölkerung betroffen war. Die Gesundheit schwuler und bisexueller Männer müsse aber so ernst genommen werden wie die Gesundheit aller anderen. Auch schwule Gesundheit sei öffentliche Gesundheit, so Kristal. (jk)

-w-

#1 PeerAnonym
  • 29.07.2022, 11:59h
  • "Die Deutsche Aidshilfe ist mit der Menge an Impfdosen unzufrieden, die die Bundesregierung bisher geordert hat."

    Wieder mal schläft die Bundesregierung. Wie auch bei anderen Gesundheitsthemen, wie beim Internetausbau, wie beim Schienenausbau, wie beim Steuerrecht, wie bei der Renten- und Sozialreformen etc. Und auch bei der versprochenen LGBTI-Gleichstellung.

    Die Schnarchigkeit hat die Ampelkoalition von der Groko übernommen. Würde man ein Unternehmen so leiten, wäre das Unternehmen in kürzester Zeit pleite...
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#2 Thom_ass1973
  • 29.07.2022, 23:34h
  • Spanien beklagt bereits in Europa den 1. Todesfall :-( wahrscheinlich MUSS es auch in Deutschland erst soweit kommen. Wie war das gleich noch einmal mit R-Wert, Inzidenz und Co. ?! Müssen die Affenpocken wirklich erst die Syphilis vom Thron verdrängen ?!
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#3 aux_Anonym
  • 30.07.2022, 20:03h
  • Zwei bis drei Wochen sollen verstreichen, bis mein Hausarzt (beste Praxis von allen) mit einer neuen Lieferung Impfe rechnet.

    Das Virostatikum Tecovirimat ist übrigens das andere pharmazeutische Fabelwesen, von dem Gepockte raunen, soweit und solange ihr Stöhnen strukturierte Artikulation zuläßt.

    Aber Morphium macht ja auch Spaß.
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