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Nach Nazi-Vergleich

Queerer Dachverband fordert Rücktritt und Parteiausschluss von Mainzer CDU-Chef

Der Dachverband QueerNet Rheinland-Pfalz, dem auch die Lesben und Schwulen in der Union angehören, werfen dem CDU-Politiker Thomas Gerster Queerfeindlichkeit und Anbiedern beim AfD-Klientel vor.


Mit einem Nazi-Vergleich schießt CDU-Chef Thomas Gerster gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten (Bild: CDU Mainz)

  • 29. Juli 2022, 10:57h 3 2 Min.

QueerNet Rheinland-Pfalz hat am Freitag in einer Pressemitteilung den Rücktritt des Mainzer CDU-Kreisvorsitzenden Thomas Gerster gefordert. Außerdem rief die LGBTI-Dachorganisation die Christdemokrat*­innen auf, ein Partei­ausschluss­verfahren gegen den Kommunalpolitiker einzuleiten.

Grund für die Aufregung ist ein Vergleich Gersters der Regenbogen­fahne mit der Hakenkreuzfahne des Nazi-Regimes (queer.de berichtete). Konkret hatte der Politiker mit Blick auf das Hissen von Regenbogen­fahnen vor Regierungsgebäuden am Dienstagmorgen getweetet: "Man hat schon einmal schwarz-rot-gold durch andere Farben ersetzt. Auch damals war das Ziel die Durchsetzung einer eigenen Weltanschauung. Spoiler: Es ging nicht gut."

"Jede Schallgrenze demokratischen Denkens überschritten"

"Mit einer solch skandalösen Aussage über das Hissen einer Regenbogenfahne hat Thomas Gerster wirklich jede Schallgrenze demokratischen Denkens überschritten", erklärte QueerNet-Sprecherin Diana Gläßer. Co-Sprecher Joachim Schulte sagte außerdem, hierbei handle es sich um "Geschichtsvergessenheit": "Sie trifft Menschen in der LSBTIQ-Community besonders hart, denn das Leid der Verfolgung homosexueller Menschen in der Nazi-Zeit und darüber hinaus in der Bundesrepublik Deutschland bis 1994 ist bis heute nicht gänzlich aufgearbeitet."

Für QueerNet sei offensichtlich, dass Gerster eine "queerfeindliche Einstellung" habe und "die CDU scheinbar systematisch auf Stimmenfang bei der AfD" sei. Schließlich sei der Vergleich kein Einzelfall – QueerNet erinnerte etwa daran, dass vor ein paar Monaten die damalige CDU-Landeschefin Julia Klöckner gegen Queer-Wein polemisiert habe (queer.de berichtete).

Verdacht auf systematisches Queerbashing der Landes-CDU

"Wir können es uns nur als pure Verzweiflung erklären, die bei der CDU herrschen muss, um mit solchen verbalen Tiefschlägen in die Öffentlichkeit zu gehen", so Sprecherin Gläßer weiter. "Die Strategie, 'Grenzen zu verschieben', um nach Protest 'mit Bedauern' zurückzurudern, ist eingespielter Mechanismus der AfD-Politik."

Gerster selbst war nach Kritik zurückgerudert und hatte behauptet, dass er mit seinem Vergleich queere Menschen nicht mit Nazis gleichsetzen wollte. Zurücknehmen wollte er die Äußerung aber nicht. Die CDU Rheinland-Pfalz bezeichnete den Nazi-Vergleich auf Twitter als "unpassend".

QueerNet Rheinland-Pfalz ist der Dachverband von LGBTI-Organisationen im Land. Ihm gehören verschiedene regionale Gruppen sowie landesweite Verbände wie der LSVD Rheinland-Pfalz an. Auch die Landesverbände der Lesben und Schwulen in der Union (LSU), der SPDqueer und der LAG QueerGrün sind Mitglieder. (dk)

-w-

#1 MarinaAnonym
  • 29.07.2022, 19:04h
  • Wer Homosexuelle und Transsexuelle mit Nazis gleichstellt und die Regenbogenflagge mit der Hakenkreuzfahne vergleicht, hat in einer demokratischen Partei nichts verloren.

    Das ist nicht nur unmenschlich und hasstriefend, sondern schlichtweg ein Verstoß gegen die Menschenwürde, die nach Art. 1 GG unantastbar ist.

    Die CDU kann eigentlich gar nicht anders, als so jemanden auszuschließen. Tut sie das nicht, müssen wir davon ausgehen, dass sie diese Meinungen teilt und demokratiefeindliche Bestrebungen, die nicht auf dem Boden des Grundgesetzes stehen, in ihrer Partei zulässt.
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#2 MichaKH
  • 29.07.2022, 20:15h
  • Antwort auf #1 von Marina
  • Genau, dieser Eindruck ist bei mir auch entstanden. Und nach wie vor hüllt sich der Landesvorsitzende, Christian Baldauf, in Schweigen, der sonst alles und jeden mit erhobenem Zeigefinger kommentiert und belehrt.

    Zwei Vorfälle in Mainz innerhalb von ein paar Tagen - ob Herr Gerster sich schon Gedanken darüber gemacht hat, dass er durch seinen unsäglichen Vergeich möglicherweise unterschwellig die Jugendlichen, die den 17jährigen Schüler in einem Mainzer Linienbus attackiert haben, beeinflusst haben könnte? Sowohl psychologisch als auch pädagogisch wäre das erklärbar!

    Die einzig richtige Reaktion von Herrn Gerster wäre ein Rücktritt. Und der Landesvorsitzende hätte durch eine angemessene Positionierung die Möglichkeit, den Rechtsruck der CDU in Richtung AfD aufzuhalten - oder eben weiter zu befördern.
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#3 YannickAnonym
  • 30.07.2022, 19:11h
  • Die CDU lotet wohl mal aus, wie weit sie nach rechts gehen kann. Die wollen wohl schonmal Koalitionen mit der AfD vorbereiten.
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