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Gegen Hundemasken und Co.

Petition gegen "massive Kindeswohlsgefährdung" beim CSD Berlin

Eine Online-Petition fordert, dass "öffentlich ausgelebte Sexualität" und "Fetische" auf CSDs verboten werden sollen – und findet viel Anklang.


Nach Ansicht eines Kinderschutzvereins gefährden Hundemasken bei CSDs das Wohlergehen des Nachwuchses (Bild: Jose Sa / flickr)

Mehr als 2.600 Menschen haben bis Freitagnachmittag eine Petition unterzeichnet, in der ein "Verbot von öffentlich ausgelebter Sexualität und Fetischen beim CSD" in Berlin gefordert wird. "Leider kam es beim diesjährigen CSD am 23.07.2022 in Berlin, wie auch bereits auf vorherigen Veranstaltungen, zu massiven Grenzüberschreitungen, wie unter anderem offen ausgelebter Sexualität, sexuell motivierten Fetischen und obszönen Handlungen auf und abseits der Parade", heißt es in der Petition des aus Bochum stammenden Vereins Kinderseelenschützer. Es habe eine "massive Kindeswohlgefährdung beim CSD" in der Bundeshauptstadt gegeben.

Als Beispiele für diese "Grenzüberschreitungen" werden auf Bildern etwa ein Mann mit Schnuller im Mund oder sogenannte Pupplayer*innen gezeigt, also Personen in einem stilisierten Hundekostüm. In der Petition fordert der Kinderschutzverein auch die CSD-Organisator*innen auf, "ein (Präventions-)Konzept zu erarbeiten um in Zukunft solche Vorfälle bestmöglich zu vermeiden". Konkret geht der Text aber nicht darauf ein, welche bislang nicht strafbaren Handlungen auf CSDs "verboten" werden sollten.


(Bild: change.org)

In Kommentaren kritisieren einige Nutzer*innen sozialer Medien die Petition als queerfeindlich: Ein User fragt etwa, warum homosexuelle Küsse auf CSDs untersagt werden sollten, heterosexuelle Küsse an Karneval aber nicht. Andere kritisieren, dass der Kinderschutzverein seine Petitionsankündigung zum CSD 2022 teilweise mit Bildern schmückt, die überhaupt nicht dort aufgenommen worden waren.

Zudem gibt es Kritik daran, dass sich in den sozialen Medien von Kinderschützer e.V. auch Kommentator*innen tummeln, die Homosexualität und sexuellen Missbrauch von Kindern gleichsetzten oder Hasskommentare abgaben, die generell gegen die queere Community Stimmung machen ("Angesichts der Tatsache, dass sich diese kranke Szene wie ein Krebsgeschwür bis in höchste Ämter etabliert hat, darf man auf Besserung nicht hoffen"). Viele derartige Kommentare sind auch nach Tagen nicht von Kinderseelenschützer e.V. gelöscht worden.

Streit auch innerhalb der Szene

Auch innerhalb der Szene gibt es bereits seit Jahren Streit, wie freizügig ein CSD sein darf. Manche sind hierbei der Auffassung, dass Pride-Märsche so unauffällig wie möglich sein sollten, um die nichtqueere Mehrheitsgesellschaft nicht zu erzürnen; andere argumentieren, dass man sich gerade auf dem CSD nicht verstellen solle und man es außerdem mit nackter Haut einfacher in die Nachrichten schaffe, in denen auch die politischen Botschaften transportiert werden würden.

Diese unterschiedlichen Ansichten führten wiederholt zu Auseinandersetzungen: 2009 sorgte etwa die "CSD-Charta" in Köln für Aufregung, weil der CSD-Verein von den Teilnehmenden "Taktgefühl" bei ihrem äußeren Erscheinungsbild und beim Verhalten verlangt hatte (queer.de berichtete). 2021 erließ der Bremer CSD gar ein Fetischverbot, das später allerdings gelockert wurde (queer.de berichtete).

Mehrfach griff sogar die Staatsmacht ein: So sprach die Polizei 2019 beim Aachener CSD ein Verbot von sogenannten Fetischmasken aus. Teilnehmende aus der Pet-Play-Community durften mit Verweis auf das Vermummungsverbot nur ohne Hundemasken beim Demonstrationszug mitlaufen. Bereits 2018 war es beim Ruhr-CSD in Essen zu einem ähnlichen Vorfall gekommen, der zu einem Nachspiel im Landtag führte. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) räumte einige Wochen später auf eine Kleine Anfrage der Grünen ein, dass die Untersagung von Fetischmasken beim Ruhr-CSD rechtswidrig war (queer.de berichtete). Übrigens: Beim Karneval werden Masken oder (sexy) Bekleidung weder in Aachen noch in Essen als Problem angesehen.

AfD fordert CSD-Verbot

Die angebliche "Sexualisierung" bei CSDs wird auch von der AfD oft thematisiert. Die heutige Bundestagsabgeordnete Christina Baum forderte deshalb bereits vergangenes Jahr ein generelles CSD-Verbot (queer.de berichtete). (dk)


(Bild: Facebook / Christina Baum)



79 Kommentare

#1 Fünfziger SechzigerAnonym
  • 29.07.2022, 14:51h
  • Ah ja, man hat ja nichts gegen Schwule, ABER... - bitte nur in den eigenen vier Wänden als solche erkennbar sein. Draußen hat das nichts zu suchen. Da ist nur Hetenknutschen etc. erlaubt (und kssst, keine Widerrede, sonst müssen wir euch wegen Cancel Culture in den aoszialen Hetzwerken mit Scheiße bewerfen, verstanden?!).
    Und natürlich werden auch emsig Hetenspeichellecker und internalisiert Homophobe Queers zustimmen: "Sowas(TM)" gehört nicht "nach draußen".

    Es eint sie das Männerbild:
    www.wirtschaftswundermuseum.de/mediapool/82/820701/resources
    /big_17962888_0_215-309.jpg


    #ichhabjanichtsgegenschwuleaber
    #denkdochmaleinerandiekinder
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#2 RigolettoAnonym
  • 29.07.2022, 15:07h
  • Es ist doch ganz einfach: wenn ich so etwas nicht sehen will oder nicht will, dass es meine Kinder des sehen, gehe ich nicht hin. Ich verstehe nicht, das das ausgerechnet die verbieten lassen wollen, die ja sowieso nicht hingehen.
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#3 Papi2019Anonym
  • 29.07.2022, 15:07h
  • Kritik, vor allem innerhalb der Community ist nicht immer queerfeindlich. Wir müssen mit diesen Begrifflichkeiten aufpassen, Leute!

    Ich möchte auch nicht mit meiner Tochter gern auf den CSD, weil dort viele nackte Menschen herumlaufen, Fetische (also sexuelles). Eine sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität hat in erster Linie nichts mit Sex zu tun. Schwul sein = alles Sex? Das denke ich nicht! Ein Karneval ist nicht annähernd sexualisiert wie ein CSD und gegen sexy Outfits und Küsse (logischerweise) hat niemand was. Aber Sex muss nicht jeder geil finden. Und dann immer zu sagen: dann bleib doch weg...?! Meine Familie und ich sind auch Teil des ganzen.
    Alles nicht böse gemeint, aber in der Community sollten wir uns gesund streiten dürfen über gemeinsame Demonstrationen für unsere Rechte und wie wir vorgehen.
    Folsom gibt's übrigens auch noch, also ...
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#4 LothiAnonym
#5 SchonProfil
  • 29.07.2022, 15:32hFürth
  • Eine "Petition" bei Change.org... Na da geh ich doch zum Lachen einmal unter den Tisch. Zum einen werden die Personalien beim Abstimmen nicht hinreichend geprüft, d.h. Menschen können beliebig oft abstimmen, zum zweiten kann man die "Petition" auch ganz schnell rückstansfrei von einem Rechtsanwalt entfernen lassen. Dazu reicht ein Androhen von einem Verfahren gegen üble Nachrede.
    Falls Ihr ein Rechtsanwalt seit, oder einen kennt, schießt einfach wie beschrieben vor den Bug und fertig ist die Laube.
    Change.Org ist eine Firma mit Sitz in Kalifornien, wenn ich mich recht erinner. Das ist kein Amt und eine Petition kann man bei Change.org nicht machen.
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#6 nursoxxxxAnonym
  • 29.07.2022, 15:32h
  • Antwort auf #1 von Fünfziger Sechziger
  • mir sind Menschen immer sympatisch, die andere Personen mit anderer Meinung gleich beleidigen. "Hetenspeichellecker".

    Die Frage ist doch "gibt es Grenzen dessen, was in sexueller Hinsicht in der Öffentlichkeit erlaubt ist, oder nicht.
    Wir können sagen es gibt keine Grenzen. Also ist es ok, wenn direkt am Eingang eine Person eine andere Oral befriedigt, und auf der Schaukel im Spielplatz eine Person von einer anderen Person "geritten" wird. Wir können aber auch sagen, dass es irgendwelche Grenzen gibt, und die gilt es irgendwie festzulegen.
    Meiner Ansicht: Küssen muss erlaubt sein (unabhängig der geschlechtlichen Konstellation). Aber es ist meiner Meinung nach nicht Grenzenlos, wie viel mehr daneben noch angemessen sein kann.
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#7 fredinbkkkAnonym
  • 29.07.2022, 15:34h
  • man kann ja davon halten was man will,
    aber wer was gegen die Hundchen sagt muss auch den Karnevall verbieten,eine andere Meinung habe ich zu dem "kopulieren" an oeffendlichen Plaetzen vor den Augen der Allgemeinheit...das mag ich nicht sehen,weder von Heten noch von anderen..und von total nackten mit wippendem Pimelchen und schaukelden Testikels in Mitten der Demo bin ich auch nicht begeistert... ein bisschen Anstand und Ruecksichtnahme wuerde manchen anstehen...auch wenn dies nur wenige betrifft...i.ch denke es schadet der Sache und ist nur Wasser auf die Muehlen der Hasser und Hetzer und sollte man meiner Meinung nach vermeiden
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#8 HmmmAnonym
  • 29.07.2022, 15:49h
  • Ich weiß halt nicht für was sie mit ihren Masken eigentlich genau protestieren wollen ?
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#9 Fünfziger SechzigerAnonym
  • 29.07.2022, 15:54h
  • Antwort auf #6 von nursoxxxx
  • "mir sind Menschen immer sympatisch, die andere Personen mit anderer Meinung gleich beleidigen. "Hetenspeichellecker"."

    Ach guck, der Klassiker: Das Spielchen wie bei der "Oma Umweltsau". Dass mit dem Begriff sehr exakt eingegrenzt ist, wen ich -und dabei bleibe ich: treffenderweise- "Hetenspeichellecker und internalisiert Homophobe Queers" nenne, interessiert nicht. Es wird so getan, als meinte ich alle Queers. Was Bullshit ist. Du weißt es, ich weiß es. Aber dein Einwurf gilt ja gar nicht dem Diskurs. Dass du explizit herausstellst, dass Küssen erlaubt sein soll (hey, danke für das Zugeständnis, zu gütig), dann aber darstellst, als gäbe es daneben nur noch Hardcore ("direkt am Eingang eine Person eine andere Oral befriedigt, und auf der Schaukel im Spielplatz eine Person von einer anderen Person "geritten" wird") von vorn bis hinten, nun - einigen wir uns darauf, dass wir hier nicht zusammenkommen?

    Dieses "Argument" mit dem "ja, Minimal ist möglich (vermutlich: wenn es nicht anders geht), aber der ganze Rest ist nur noch Maximalübertreibung und das hat draußen nichts zu suchen, was sollen denn die Heten von uns denken?(TM)" ist jedenfalls genau das, was die oben genannten Personenkreise auch gern tun. Von der Hetenfraktion "bleibt mal schön unsichtbar, ihr Perversen (Perverse = alle nicht-Heteros)" ganz zu schweigen.
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#10 YomenAnonym
  • 29.07.2022, 15:58h
  • Glaubt den jemand ernsthaft, dass die Initiatoren dieser Petitionen Ruhe geben wird, wenn deren dort formulierten Ziele erreicht sind?
    Das ist erst der Anfang.
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