Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?42772

"Herabsetzend und diskriminierend"

Zürich: Homophober Prediger schuldig gesprochen

Auf der noblen Zürcher Einkaufsstraße hetzte ein 63-jähriger Fundamentalist gegen Homosexuelle, bis Passant*innen die Polizei alarmierten.


In Zürich und der Schweiz steht öffentlich geäußerter Homo-Hass erst seit Kurzem unter Strafe (Bild: Sergei Gussev / flickr)

Ein 63-jähriger Straßenprediger ist laut "Blick" am Freitag wegen homosexuellenfeindlichen Äußerungen vom Bezirksgericht Zürich zu einer Geldstrafe in Höhe von 15.200 Franken (15.600 Euro) auf Bewährung verurteilt worden (95 Tagesätze). Sollte er in den nächsten zwei Jahren derartige Äußerungen öffentlich wiederholen, müsste er die Strafe bezahlen. Zudem muss er bereits jetzt die Gerichtskosten tragen.

Das Gericht befand den Angeklagten schuldig, im Sommer 2021 bei einer Predigt auf der Einkaufsmeile Bahnhofstraße zum Hass gegen Homosexuelle aufgerufen zu haben. "Gegen das Diskriminierungsverbot verstoßen kann man auch, wenn man aus religiöser Überzeugung Aussagen macht. Denn sie sind für Betroffene herabsetzend und diskriminierend", erklärte der Richter. Außerdem wurde der Angeklagte wegen "Verhinderung einer Amtshandlung" verurteilt, weil er zunächst vor den Polizist*innen weggelaufen sei.

Mit dem Urteil blieb das Gericht hinter den Forderungen der Staatsanwaltschaft, die eine Freiheitsstrafe von acht Monaten auf Bewährung gefordert hatte. Laut dem Richter waren die Äußerungen – verglichen mit denen von Holocaustleugnern – allerdings vergleichsweise milde. Der Angeklagte selbst hatte keinen Rechtsbeistand genommen, sondern sich selbst verteidigt. Vor Gericht sagte er, Jesus sei sein Anwalt.

Nach dem Verfahren gab sich der Angeklagte widerspenstig: Die Verurteilung störe ihn nicht, da er für Jesus gerne sein ganzes Hab und Gut gebe.

Angeklagter bezeichnete Homosexuelle als minderwertig

Die Predigt war nach Angaben der "Neuen Zürcher Zeitung" eine "homophobe Tirade", in der der Angeklagte Schwule und Lesben unter anderem als minderwertig beschimpft hatte. Er soll Homosexualität auch als "böse Lust" und "schändliche Begierde" bezeichnet haben. Vor Gericht argumentierte der Fundamentalist, er habe sich nur auf die Bibel berufen.

Die Verurteilung erfolgte nach einem neuen Gesetz gegen homosexuellenfeindliche Hassrede, das erst 2020 vom schweizerischen Wahlvolk angenommen wurde: Mehr als 63 Prozent stimmten bei einem Referendum zu (queer.de berichtete). Das bisherige Strafgesetz hatte lediglich Diskriminierung und Hetze wegen der Zugehörigkeit zu einer Religion oder Ethnie unter Strafe gestellt. (dk)



#1 SchonProfil
  • 29.07.2022, 15:42hFürth
  • Respekt, schweizer Justiz!
    Ein paar Sozialstunden wären noch schön gewesen - Geld allein macht nicht glücklich.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Lucas3898Anonym
  • 29.07.2022, 16:40h
  • Wie ist das in der Schweiz mit Vorstrafeneintragungen im Führungszeugnis?

    In Deutschland landen alle Geldstrafen ab 91 Tagessätzen im Führungszeugnis und die Person ist dann vorbestraft.
    Damit sagt das dann auch viel aus, ob die Zahl der Tagessätze (knapp) über oder bei maximal 90 liegt.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 PrideProfil
  • 29.07.2022, 17:22h...
  • Was in Zürich, muß bei grundsätzlich
    gleicher Sachlage auch für Latzel in Bremen gelten.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 HannabarbAnonym
#5 MarinaAnonym
  • 29.07.2022, 19:06h
  • "Sollte er in den nächsten zwei Jahren derartige Äußerungen öffentlich wiederholen, müsste er die Strafe bezahlen."

    Ach und danach darf er wieder oder was?

    Solchen Menschen muss endlich gezeigt werden, dass sie nicht über dem Gesetz stehen und dass auch Religion nicht über dem Gesetz steht.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 PrideProfil
  • 29.07.2022, 19:57h...
  • Antwort auf #5 von Marina
  • Natürlich darf er die Aussagen dann auch nicht wiederholen. Es müßte dann bloß wieder ein neuer Prozeß angestrengt werden. Und dieses Urteil würde dann dem folgenden strafverschärfend hinzukommen.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 UngläubigerAnonym
  • 30.07.2022, 10:46h
  • Antwort auf #4 von Hannabarb
  • »"Vor Gericht sagte er, Jesus sei sein Anwalt."
    Gut, so kann er ja nur verlieren.«

    In der Gottesrepublik Deutschland wäre ich mir da nicht so sicher. Respekt auf jeden Fall, dass die Schweiz nicht dem klerikalen Diktat und unverständlicherweise staatlich eingeräumtem Sonderstatus inkl. rechtlicher Unberührbarkeit frönt.

    Schön auch, dass es -wieder mal- einer Satiresendung bedurfte, um die Unerträglichkeit der genannten Sonderrechte der Kirchen in Deutschland zusammenzufassen und auf den Punkt zu bringen:
    youtu.be/tNnlVSIrv1A
  • Antworten » | Direktlink »
#8 Lucas3898Anonym