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Diskussion zum CSD Berlin

Musik kann queere Leben retten

Unter dem Motto "Proud & Loud" diskutierten Eloy de Jong, Antje Schomaker, Wilhelmine und Lie Ning auf Einladung von Amazon Music mit Dragqueen Bambi Mercury über die Lage von LGBTI in der Musikindustrie.


Die Teilnehmer*innen der Diskussion (v.l.n.r.): Eloy de Jong, Antje Schomaker, Bambi Mercury, Wilhelmine und Lie Ning (Bild: Johannes Streb)
  • Von Johannes Streb
    30. Juli 2022, 03:57h, noch kein Kommentar

Unter dem Titel "Proud & Loud – Begleite deine Queeren Künstler*innen. Heute wie morgen" veranstaltete Amazon Music zum Berliner CSD ein Diskussions-Panel mit zahlreichen Gästen aus der queeren Community und der Musikindustrie. Zu Gast im neuen Amazon Music Office in der Hauptstadt waren Newcomer*in Lie Ning, die Deutschpop-Sängerinnen Wilhelmine und Antje Schomaker sowie Schlagersänger Eloy de Jong. Die vier Künstler*innen deckten nicht nur viele unterschiedliche musikalische Genres ab, sondern auch eine Bandbreite von Perspektiven. Moderiert wurde die Veranstaltung ansteckend gut gelaunt von Dragqueen Bambi Mercury.

Ein wichtiges Thema war das Fehlen von queerer Repräsentation in den Medien. "Du bist ein kleiner Junge in der Kleinstadt und hast das Gefühl, du bist der einzige schwule Mensch auf dieser Welt", erzählte Moderatorin Bambi Mercury im persönlichen Interview. "Es gab niemanden, den du im Fernsehen siehst, dir sagt, dass es besser wird."

Queere Musik ist auch gut für die Mehrheitsgesellschaft

Fehlende Sichtbarkeit von LGBTI in der eigenen Jugend beklagte auch "Tonight"-Interpret*in Lie Ning: "Den Anspruch, den ich an mich selbst habe, ist: die Person zu sein, die ich selbst vermisst habe. Ich wollte eine Schwarze queere Person in der Medienlandschaft sehen – und die gab's nicht."

In der zeitgenössischen queeren Popkultur sieht Bambi Mercury einen zentralen Stellenwert für die eigene Entwicklung: "Wenn du eine Person des öffentlichen Lebens hast, die überhaupt nicht versteht, wie es dir geht, aber dir vermittelt: 'Ich bin für dich da', genau dann rettet Musik Leben."

Queere Musik könne in der öffentlichen Wahrnehmung für die Belange und Rechte von LGBTI sensibilisieren, so die Panel-Teilnehmer*innen übereinstimmend. Damit erfülle sie auch einen Zweck für die Mehrheitsgesellschaft: "Musik, die von und für Menschen mit Diskriminierungserfahrungen gemacht wird, ist wichtig, weil es die komplette Gesellschaft von Zwängen und Tabus befreit, die auf uns liegen", argumentierte Lie Ning.

Zwischen Sichtbarkeit und Kommerzialisierung

Zur diesjährigen Pride-Saison kuratierte Amazon Music eine Proud-Playlist mit Neuerscheinungen queerer Künstler*innen, für die zwei der Anwesenden ein eigenes Cover beisteuerten ("True Colors" von Ex-Boyband-Mitglied Eloy de Jong und "Say It Right" von Lie Ning). Hierzu gab es auch kritische Anmerkungen. So thematisierte "Ich muss gar nichts"-Sängerin Antje Schomaker den schmalen Grad zwischen geschaffener Identifikation für das Publikum und der potenziellen Kommerzialisierung von queeren Musiker*innen.

Neben der geschaffenen Sichtbarkeit forderte Schomaker strukturelle Veränderungen, um zu verhindern, dass Musiker*innen aufgrund ihrer Hautfarbe, Sexualität und Genderidentität lediglich als Aushängeschild benutzt werden, das Musikbusiness aber weiterhin ausschließlich von weißen cis Männern dominiert wird. Dies könne etwa in Form von Workshops und queeren Stammtischen an Arbeitsplätzen geschehen.

Der Schlager als Vorbild?

Von den Streamingdiensten forderten die Panel-Teilnehmer*innen, sich nicht nur mit ökonomischen Interessen, sondern auch mit den vermittelten Aussagen zu beschäftigen. Pop-Sängerin Wilhelmine sieht auch Straight Allies in der Verantwortung: "Wenn jemand Druck bekommt, wenn ein Thema noch nicht ganz vertraut ist, dann entsteht Angst und Wut. Das ist die größte Chance: Wir müssen diese Wurzel anpacken und hinterfragen, wieso das so Angst macht."

Queeren Künstler*innen sollte es möglich sein, ihre Musik unabhängig von ihrer geschlechtlichen und sexuellen Identität auszudrücken, zu diesem Fazit gelangten die fünf Gäste nach der einstündigen Diskussion. "Wir müssen uns ein Beispiel nehmen am Schlager", witzelte da Eloy de Jong. "Trotz des konservativen Rufs finde ich dort oft ein buntes und aufgeschlossenes Publikum."