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Montreal

Welt-Aids-Konferenz fordert verstärkten Einsatz gegen HIV und MPX weltweit

Bei der 24. Konferenz wurde eine Reintensivierung der in der Corona-Krise ins Stocken geratenen Aids-Bekämpfung gefordert.


Zum ersten Mal seit vier Jahren konnten sich Aids-Fachwelt und Communitys wieder bei der internationalen Konferenz austauschen (Bild: IAC - the International AIDS Conference / twitter)
  • 2. August 2022, 17:40h, noch kein Kommentar

Im kanadischen Montreal geht am Dienstag die 24. Internationale Aids-Konferenz zu Ende. Die Botschaft der Fachwelt an die Weltöffentlichkeit sei überdeutlich geworden, so die Deutsche Aids-Hilfe (DAH) in einer Pressemitteilung: Das Engagement gegen HIV/Aids müsse endlich wieder mit voller Kraft fortgesetzt werden. Nach den schweren Rückschlägen durch Covid und die enormen Herausforderungen durch den Krieg in der Ukraine seien besondere Anstrengungen erforderlich.

Twitter / AIDS_conference
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UNAIDS hatte in der letzten Woche berichtet, wie im Zuge der Covid-Pandemie weniger Mittel zur Bekämpfung von HIV zur Verfügung standen und in einigen Weltregionen Infektionszahlen wieder stiegen (queer.de berichtete). "Die Erfolge der letzten Jahrzehnte sind in Gefahr – und damit Leben und Gesundheit von Millionen Menschen. Wir brauchen jetzt dringend eine solide Finanzierung der globalen Aktivitäten gegen HIV für die nächsten Jahre. Deutschland kann und muss dazu einen noch stärkeren Beitrag leisten als bisher", sagt Sylvia Urban vom Vorstand der Deutschen Aidshilfe.

Mehr Beitrag von Deutschland gefordert

Im September findet in New York die so genannte Wiederauffüllungskonferenz des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria (GFATM) statt, der viele der Programme und Interventionen in wirtschaftlich schwächeren Ländern finanziert. Mindestens 18 Milliarden US-Dollar für die nächsten drei Jahre seien erforderlich, um die weltweiten Maßnahmen gegen HIV wieder auf ein angemessenes Niveau zu bringen.

Twitter / UNAIDS | Botschaften von GFATM-Chef Peter Sands
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Ein der Wirtschaftskraft entsprechender Beitrag Deutschlands wären 1,8 Milliarden Euro, hat das Aktionsbündnis gegen Aids (AgA) errechnet, dem die Deutsche Aidshilfe angehört. In der letzten Finanzierungsrunde hat Deutschland eine Milliarde für drei Jahre beigesteuert. Die Bundesregierung sollte jetzt eine Erhöhung erklären und damit auch anderen Ländern ein gutes Beispiel geben, so die DAH.

Twitter / Matthew_Hodson
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Die Arbeit des GFATM sei auch deswegen "so wichtig, weil er eng mit den am stärksten von HIV betroffenen Communitys und Gruppen kooperiert und passgenaue Präventions- und Versorgungsangebote finanziert". Teil wirksamer HIV-Prävention sei immer auch der Kampf gegen Stigmatisierung, Marginalisierung und Verfolgung von Menschen mit HIV und der am stärksten betroffenen Gruppen. Obwohl bekannt sei, welche Maßnahmen funktionieren, passiere in vielen Ländern das Gegenteil.

Twitter / YusufHassanW
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Aktuelle Forderungen zu Affenpocken und der Ukraine-Krise

Aus der bei der fünftägigen Konferenz versammelten Fachwelt und Community kamen auch Forderungen zu aktuellen Themen. So würden flexible Finanzierungen für die öffentliche Gesundheit in der Ukraine benötigt: "HIV-Therapien sind teilweise unterbrochen worden, bei den Substitutionstherapien für Opioidkonsument*innen gibt es Versorgungsengpässe, der Bedarf an der HIV-Prophylaxe PrEP ist gestiegen", so die DAH in ihrer Zusammenfassung. "Dringend benötigt wird auch psychologische Hilfe."

Twitter / AIDS_conference
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Bei der Bekämpfung der Affenpocken müsse mit mehr Nachdruck und unter Einbeziehung der betroffenen Communitys gehandelt werden. Gefordert wurde auch eine ausreichende Bereitstellung von Impfstoff in allen Ländern, wo die Infektion auftritt – nicht nur in den reichen Ländern. Pandemien ließen sich nur global begegnen.

Twitter / Aidshilfe_de
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"Wir dürfen die Fehler der HIV- und der Covid-Pandemie bei den Affenpocken nicht schon wieder machen", so DAH-Vorstand Urban. "Es ist eine Schande, dass wir erst jetzt über diese Epidemie sprechen, obwohl es in Afrika schon seit 20 Jahren Ausbrüche gibt. Wir brauchen jetzt eine globale solidarische Reaktion auf die Bedrohung, um betroffene Communitys zu schützen und den internationalen Ausbruch möglichst schnell zu bremsen." Die DAH hatte dazu vor wenigen Tagen eine eigene Pressemitteilung verfasst und unter anderem die Bundesregierung aufgefordert, eine Million Impfstoffdosen zu bestellen (queer.de berichtete).

Kritik an "Visa-Desaster"

Überschattet wurde die Welt-Aids-Konferenz laut der DAH vom faktischen Ausschluss vieler Teilnehmer*innen, deren Visa-Anträge nicht rechtzeitig bearbeitet worden waren. So fehlten insbesondere viele HIV-Aktivist*innen, Vertreter*innen zivilgesellschaftlicher Organisationen und Wissenschaftler*innen aus Ländern, in denen HIV besonders häufig ist und besondere Aufmerksamkeit verlangt – etwa in Afrika und in Osteuropa. Gegen dieses Versäumnis der kanadischen Einreisebehörden wurde auf der Konferenz immer wieder protestiert.

Twitter / STOPAIDS
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"Der Ausschluss durch Einreiseprobleme hat der Konferenz und den globalen Maßnahmen gegen HIV, die hier besprochen werden, schweren Schaden zugefügt. So ein Visa-Desaster darf sich unter keinen Umständen wiederholen. Die Veranstalterin und Gastgeberländer stehen in der Pflicht, die Einreise der Konferenzteilnehmer*innen sicherzustellen", so Sylvia Urban. Die letzte Welt-Aids-Konferenz 2020 hatte virtuell stattgefunden. (cw/nb/pm)