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Fall Brittney Griner

Russland: Lesbische Basketballerin zu neun Jahren Haft verurteilt

Die lesbische Basketballerin hat wie erwartet eine hohe Haftstrafe erhalten. Hinter den Kulissen verhandelt die Biden-Regierung mit dem Moskauer Regime über einen Gefangenenaustausch.


Brittney Griner wurde offenbar zum Spielball des Putin-Regimes – und muss nun darauf hoffen, dass ihr Heimatland sie freikauft (Bild: Lorie Shaull / flickr)

Ein russisches Gericht in Chimki bei Moskau hat die offen lesbische US-Basketballerin Brittney Griner am Donnerstagnachmittag wegen illegalen Drogenbesitzes zu neun Jahren Haft und einer Geldstrafe von einer Million Rubel (16.000 Euro) verurteilt.

Die Staatsanwaltschaft hatte neuneinhalb Jahre Haft gefordert – und blieb damit nur unwesentlich hinter der möglichen Höchststrafe von zehn Jahren. die Verteidigung Freispruch. Die zweifache Olympiasiegerin sitzt seit inzwischen fünfeinhalb Monaten in Untersuchungshaft.

Direktlink | Amerikanische Nachrichtensender verfolgten die Verurteilung live
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Ein Freispruch hatte aber im Vorfeld als unwahrscheinlich gegolten, da Russland offenbar mit den USA über einen Gefangenenaustausch verhandelt und Griner sowie einen weiteren Amerikaner gegen russische Kriminelle austauschen will, die in westlicher Haft sitzen (queer.de berichtete). Die Inhaftierung hatte daher zu viel Kritik aus den USA geführt. Die Biden-Regierung machte in den letzten Monaten kein Geheimnis daraus, dass Griner ihrer Ansicht nach aus politischen Gründen gefangen genommen wurde.

Biden-Regierung fordert sofortige Freilassung

Kurz nach der Bekanntgabe der Verurteilung veröffentlichte US-Präsident Joe Biden eine Stellungnahme, in der er Moskau scharf verurteilte: "Heute hat die amerikanische Staatsbürgerin Brittney Griner eine Haftstrafe erhalten, die uns daran erinnert, was die Welt schon wusste: Russland hält Brittney zu unrecht fest." Das sei "inakzeptabel" und er appelliere an Moskau, die Sportlerin sofort freizulassen, "damit sie bei ihrer Ehefrau, ihren Angehörigen und ihren Freunden und Mitspielerinnen sein kann".

Verhaftung wegen eines verschriebenen Medikaments

Griner war am 17. Februar auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo festgenommen worden – eine Woche vor dem russischen Angriff auf die Ukraine. Vor einem Monat bekannte sie sich schuldig, aus Versehen Haschisch-Öl vor ihrer Reise nach Russland mitgenommen zu haben (queer.de berichtete). Sie habe in großer Hast gepackt, erklärte die 31-Jährige vor Gericht. Es soll sich lediglich um 0,5 Gramm gehandelt haben. Griner war das Medikament in den USA von ihrem Arzt wegen chronischer Schmerzen verschrieben worden. "Medical Marijuana" wird allerdings in Russland nicht als Medikament anerkannt, sondern gilt pauschal als illegale Droge.

Die 2,05 Meter große Griner gewann mit dem US-Basketballnationalteam 2016 und 2021 die Olympische Goldmedaille – sie gilt als eine der größten Stars der Eliteliga WNBA. Bereits zu Beginn ihrer Superstar-Karriere hatte sie sich 2013 als lesbisch geoutet. Seit 2015 spielt sie auch bei UGMK Jekaterinburg im Ural – damit bessern sich viele Profis der WNBA ihr, im Vergleich zur Männerliga NBA, spärliches Gehalt auf. Mit dem russischen Club gewann sie viermal die Euroleague. (dk)



#1 Gemeiner_HaiProfil
  • 04.08.2022, 21:25h
  • Was tut ein Kind, wenn es etwas haben will? Glaubt es, es allein durch Bitten zu bekommen, wird es sich "einschleimen". Merkt oder weiß es hingegen, dass das nicht der Fall ist, wird es es mit Trotz und Druck versuchen.

    Was das mit diesem Fall zu tun hat? Auch hier geht es Russland darum - man kennt das Muster schon aus Nordkorea oder dem Iran -, etwas zu erreichen. Stehen die Beziehungen gut und glaubt man, es auf friedlichem Wege zu erreichen, schaut man über so kleine Verstöße (den die Spielerin ja technisch gesehen begangen hat) einfach hinweg. Stehen die Beziehungen aber schlecht und muss man Trotz und Druckmittel anwenden, kommen solche kleinen Verstöße wie gerufen.

    Das läuft dann so: Jemand wird gefasst, mit großer Aufmerksamkeit verhaftet und hart bestraft. Nach einer Weile kommt dann der Wink mit dem Zaunpfahl: So muss es nicht bleiben. Ihr könnt eure/n Gefangene/n haben, wenn ihr Sanktionen lockert, euch raushaltet, Gefangene austauscht, was auch immer. Geht der Gegner darauf ein, haben wir, was wir wollen. Und wenn nicht, konnten wir ihm wenigstens gegen das Schienbein treten - auf Kosten der verhafteten Person ...

    Aus Sicht der Sportlerin kann man nur hoffen, dass sich das Ganze diplomatisch lösen lässt. Solange sie für Russland Ware ist, wird sie vermutlich privilegiert behandelt. Wenn sie für Russland hingegen wertlos werden sollte, würden die Haftbedingungen wohl deutlich verschärft.
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#2 MeckieAnonym
  • 04.08.2022, 23:11h
  • Wenn man weiß, dass Medical Marijuana in Russland nicht erlaubt ist, warum nimmt man es dann mit auf eine Reise in so ein Land???
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#3 AchNeAnonym
  • 04.08.2022, 23:26h
  • Antwort auf #1 von Gemeiner_Hai
  • Seltsamerweise bin ich in der Lage Einreisebestimmungen zu lesen.

    Ok, recht übel, aber dumm hat sie schon agiert.
    Erinnert mich an eine Vloggerin die zu blöde war einen internationalen Führerschein zu beantragen...
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#4 Gemeiner_HaiProfil
  • 05.08.2022, 01:25h
  • Antwort auf #3 von AchNe
  • Ja, sie hat sich da freilich dumm bzw. naiv verhalten. Gerade beim Thema Drogen sind viele Länder recht streng. Aber sagen wir mal so: Bei einer anderen globalen Großwetterlage hätte man darauf in Moskau sicher anders reagiert. Nehmen wir an, die Verhandlungen mit den USA vom Dezember hätten Russland das gewünschte Ergebnis gebracht - dann wäre das jetzt ein Missgeschick und vielleicht eine Randnotiz in den Sportzeitungen wert. So hingegen ist natürlich klar, dass das anders gehandhabt wird, weil der Kreml jetzt ein Druckmittel hat. Das Schöne an der Situation für Russland ist, dass erstens die Verhandlungsposition besser ist. Und zweitens lässt sich der Schwarze Peter leicht Washington zuschieben, man kann der Spielerin sagen: Wir hätten Dich gehen lassen, aber Deine Regierung war nicht bereit dazu.
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#5 elimAnonym
  • 05.08.2022, 07:42h
  • Keine gute Situation, wie man's dreht und wendet - will man eine Sportlerin wegen nem harmlosen Schmerzmittel neuen Jahre in nem russischen Gefängnis verrotten lassen? Sicher nicht, noch dazu wohl ohne Schmerzmedikation bei 2,05m und langer Leistungssportkarriere.
    Aber der Gedanke im Austausch einen Waffenhändler oder gar den Tiergartenmörder freizulassen ist auch nicht wirklich erhebend. Klassisches Kobayashi-Maru Szenario. Also falls jemand ne Idee hat, wie man den Simulator manipuliert....
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