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Fall Brittney Griner
Russland: Lesbische Basketballerin zu neun Jahren Haft verurteilt
Die lesbische Basketballerin hat wie erwartet eine hohe Haftstrafe erhalten. Hinter den Kulissen verhandelt die Biden-Regierung mit dem Moskauer Regime über einen Gefangenenaustausch.

Brittney Griner wurde offenbar zum Spielball des Putin-Regimes – und muss nun darauf hoffen, dass ihr Heimatland sie freikauft (Bild: Lorie Shaull / flickr)
- 4. August 2022, 15:49h 2 Min.
Ein russisches Gericht in Chimki bei Moskau hat die offen lesbische US-Basketballerin Brittney Griner am Donnerstagnachmittag wegen illegalen Drogenbesitzes zu neun Jahren Haft und einer Geldstrafe von einer Million Rubel (16.000 Euro) verurteilt.
Die Staatsanwaltschaft hatte neuneinhalb Jahre Haft gefordert – und blieb damit nur unwesentlich hinter der möglichen Höchststrafe von zehn Jahren. die Verteidigung Freispruch. Die zweifache Olympiasiegerin sitzt seit inzwischen fünfeinhalb Monaten in Untersuchungshaft.
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Ein Freispruch hatte aber im Vorfeld als unwahrscheinlich gegolten, da Russland offenbar mit den USA über einen Gefangenenaustausch verhandelt und Griner sowie einen weiteren Amerikaner gegen russische Kriminelle austauschen will, die in westlicher Haft sitzen (queer.de berichtete). Die Inhaftierung hatte daher zu viel Kritik aus den USA geführt. Die Biden-Regierung machte in den letzten Monaten kein Geheimnis daraus, dass Griner ihrer Ansicht nach aus politischen Gründen gefangen genommen wurde.
Biden-Regierung fordert sofortige Freilassung
Kurz nach der Bekanntgabe der Verurteilung veröffentlichte US-Präsident Joe Biden eine Stellungnahme, in der er Moskau scharf verurteilte: "Heute hat die amerikanische Staatsbürgerin Brittney Griner eine Haftstrafe erhalten, die uns daran erinnert, was die Welt schon wusste: Russland hält Brittney zu unrecht fest." Das sei "inakzeptabel" und er appelliere an Moskau, die Sportlerin sofort freizulassen, "damit sie bei ihrer Ehefrau, ihren Angehörigen und ihren Freunden und Mitspielerinnen sein kann".
Verhaftung wegen eines verschriebenen Medikaments
Griner war am 17. Februar auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo festgenommen worden – eine Woche vor dem russischen Angriff auf die Ukraine. Vor einem Monat bekannte sie sich schuldig, aus Versehen Haschisch-Öl vor ihrer Reise nach Russland mitgenommen zu haben (queer.de berichtete). Sie habe in großer Hast gepackt, erklärte die 31-Jährige vor Gericht. Es soll sich lediglich um 0,5 Gramm gehandelt haben. Griner war das Medikament in den USA von ihrem Arzt wegen chronischer Schmerzen verschrieben worden. "Medical Marijuana" wird allerdings in Russland nicht als Medikament anerkannt, sondern gilt pauschal als illegale Droge.
Die 2,05 Meter große Griner gewann mit dem US-Basketballnationalteam 2016 und 2021 die Olympische Goldmedaille – sie gilt als eine der größten Stars der Eliteliga WNBA. Bereits zu Beginn ihrer Superstar-Karriere hatte sie sich 2013 als lesbisch geoutet. Seit 2015 spielt sie auch bei UGMK Jekaterinburg im Ural – damit bessern sich viele Profis der WNBA ihr, im Vergleich zur Männerliga NBA, spärliches Gehalt auf. Mit dem russischen Club gewann sie viermal die Euroleague. (dk)
















Was das mit diesem Fall zu tun hat? Auch hier geht es Russland darum - man kennt das Muster schon aus Nordkorea oder dem Iran -, etwas zu erreichen. Stehen die Beziehungen gut und glaubt man, es auf friedlichem Wege zu erreichen, schaut man über so kleine Verstöße (den die Spielerin ja technisch gesehen begangen hat) einfach hinweg. Stehen die Beziehungen aber schlecht und muss man Trotz und Druckmittel anwenden, kommen solche kleinen Verstöße wie gerufen.
Das läuft dann so: Jemand wird gefasst, mit großer Aufmerksamkeit verhaftet und hart bestraft. Nach einer Weile kommt dann der Wink mit dem Zaunpfahl: So muss es nicht bleiben. Ihr könnt eure/n Gefangene/n haben, wenn ihr Sanktionen lockert, euch raushaltet, Gefangene austauscht, was auch immer. Geht der Gegner darauf ein, haben wir, was wir wollen. Und wenn nicht, konnten wir ihm wenigstens gegen das Schienbein treten - auf Kosten der verhafteten Person ...
Aus Sicht der Sportlerin kann man nur hoffen, dass sich das Ganze diplomatisch lösen lässt. Solange sie für Russland Ware ist, wird sie vermutlich privilegiert behandelt. Wenn sie für Russland hingegen wertlos werden sollte, würden die Haftbedingungen wohl deutlich verschärft.