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ZDF-"Sommerinterview"
Homophobie in der AfD ist Alice Weidel "verhältnismäßig egal"
Im ZDF-"Sommerinterview" konfrontierte Shakuntala Banerjee die lesbische AfD-Chefin mit queerfeindlichen Äußerungen aus der eigenen Partei. Das sei kein spezifisches AfD-Problem, behauptete Weidel.

Die AfD-Vorsitzende Alice Weidel im ZDF-"Sommerinterview" (Bild: Screenshot ZDF)
- 8. August 2022, 04:45h 3 Min.
Aus Sicht von AfD-Chefin Alice Weidel ist die Ablehnung von Homosexualität kein Problem speziell ihrer Partei. "Wissen Sie, diese Äußerungen, die haben Sie auch in anderen Parteien, die haben Sie überall", sagte Weidel am Sonntag im ZDF-"Sommerinterview". Sie war zuvor mit queerfeindlichen Äußerungen aus den Reihen der AfD konfrontiert worden.
Banerjee warf AfD-Politiker*innen vor, Russland als "Vorläufer für repressive Gesetzgebung" zu sehen und zitierte verächtliche und feindselige Kommentare aus der Rechtsaußenpartei, die CSD-Demonstrationen als "Zurschaustellung sexueller Obszönitäten" und "Dominanz des Absonderlichen" verurteilten. "Warum stellen Sie sich nicht offiziell stärker gegen solche Äußerungen?", fragte die Journalistin.
Weidel: im Extrem "nur wenig Akzeptanz und auch Verständnis"
Fragen zu dem Thema wollte Weidel, die selbst lesbisch ist, persönlich verstanden wissen. "Zur Homosexualität, sagen Sie's gleich, Sie spielen auf mein Privatleben an, da können Sie mir auch die Frage direkt stellen", sagte sie – worauf ihre Interviewerin betonte, sie interessiere sich für Weidels Umgang mit der Sache als Parteichefin

Shakuntala Banerjee hakte immer wieder nach, was Weidel gegen queerfeindliche Hetze von Parteifreund*innen unternehmen will (Bild: Screenshot ZDF)
Dass es im Extrem "nur wenig Akzeptanz und auch Verständnis" für homosexuelle Paare gebe, sei zwar der Fall, sagte Weidel. "Das haben Sie aber überall, damit muss man auch irgendwie ein bisschen lockerer umgehen." Das sei einfach so. "Wissen Sie, ich kann damit umgehen. Das ist mir auch verhältnismäßig egal." Es sei klar, dass sie selbst "eine deutlich liberalere Sicht" habe.
Weidel lebt lesbisches Leben außerhalb Deutschlands
Als "anderes Extrem", das ebenfalls "sehr weit von der Lebenswirklichkeit von Homosexuellen weg" sei, meinte Alice Weidel offenbar den Einsatz für LGBTI-Rechte auf dem CSD. Aufgrund von Unterbrechungen Banerjees konnte sie diese These jedoch nicht näher ausführen.
Weidel selbst bekämpfte als AfD-Politikerin die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben im Ehe-Recht, indem sie das Thema mit Islamismus verband: "Ehe für alle, während das Land islamisiert wird?", fragte sie in einer Werbekampagne.
Privat lebt sie jedoch ein ganz anderes Leben, als es ihre Partei erlauben will: Obwohl die AfD stets erklärt, Kinder pauschal vor Homosexuellen schützen zu wollen, hat sich Weidel eine eigene kleine Regenbogenfamilie (laut AfD-Definition im aktuellen Wahlprogramm eine "Pseudofamilie") aufgebaut: Sie lebt seit Jahren mit Frau und angeblich zwei Söhnen zusammen. Allerdings nicht in Deutschland, sondern laut schweizerischen Medien zunächst in Biel und seit 2019 in Einsiedeln.
Zu diesem Widerspruch hat sich Weidel bislang nicht geäußert. Gleichzeitig agiert sie als Feigenblatt der Partei, der sie letztes Jahr noch bescheinigte, nicht homophob zu sein (queer.de berichtete). (cw/dpa)
Links zum Thema:
» Das "Sommerinterview" mit Alice-Weidel in der ZDF-Mediathek















Schade, das wäre sicher interessant gewesen. Das Interview habe ich noch nicht selbst gesehen, aber nach allem, was man liest, muss es unterirdisch gewesen sein, weil die Interviewende die Interviewte kaum hat zu Wort kommen lassen, vor lauter Unterbrechungen. Wozu führt die Frau dann überhaupt ein Interview?