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Studie
HIV lässt Männer bereits kurz nach der Infektion schneller altern
Eine neue amerikanische Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Personen sofort nach der HIV-Infektion schneller genetisch altern.
- 8. August 2022, 14:07h 2 Min.
Eine HIV-Infektion im frühen Stadium sorgt laut einer neuen Studie der University of California in Los Angeles für schnelleres Altern bei Männern. Demnach schneidet eine Infektion bis zu fünf Jahre Lebenszeit von einem HIV-Positiven im Vergleich zu einer nicht infizierten Person ab. Das geht aus dem Artikel "Accelerated aging with HIV begins at the time of initial HIV infection" hervor, der kürzlich im Fachmagazin "iScience" veröffentlicht worden ist.
"Unsere Arbeit zeigt, dass das Virus in den frühen Monaten und Jahren, in denen eine Person mit HIV lebt, einen beschleunigten Alterungsprozess auf DNA-Ebene auslöst", erklärte Chefautorin Elizabeth Crabb Breen. Daher sei eine frühe HIV-Diagnose wichtig und es müsse ein Bewusstsein für altersbedingte Probleme geschaffen werden.
Die Forschenden untersuchten für ihre Studie Blutproben von 102 Männern, die bis zu sechs Monate vor ihrer HIV-Infektion entnommen worden waren. Diese verglichen sie mit Proben zwei bis drei Jahren nach der Infektion, aber vor dem Beginn einer antiretroviralen Therapie. In einer Vergleichsgruppe wurden auch die Proben von nichtinfizierten Männern analysiert, die im gleichen Abstand gewonnen worden waren. Alle Daten stammen aus der großen Multicenter AIDS Cohort Study, einer 1984 gestarteten USA-weiten Untersuchungsreihe.
Unterschied: 1,9 bis 4,8 Jahre
Danach untersuchten die Wissenschaftler*innen die Alterungsprozesse anhand der Epigenetik, also chemischen und strukturellen Veränderungen am Erbgut. Demnach alterten die Männer mit HIV 1,9 bis 4,8 Jahre schneller als die Vergleichsgruppe. Auch die Telomere – also die Schutzkappen an den Enden der Chromosomen, die bei jeder Zellteilung kürzer werden – seien erheblich verkürzt gewesen.
Mitautorin Beth Jamieson erklärte, dass die Daten dabei helfen würden, mögliche Gesundheitsrisiken von HIV-Positiven durch Früherkennung rechtzeitig zu identifizieren und dadurch besser behandeln zu können – etwa Krebserkrankungen. Sie sagte auch, dass der schnelle Beginn einer retroviralen Behandlung möglicherweise das Problem minimiere. Dies sei aber in der Studie nicht untersucht worden.
Die Autor*innen wiesen darauf hin, dass die Studie nur begrenzt aussagefähig sei. So sei die untersuchte Gruppe klein gewesen. Zudem seien nur Männer darin enthalten gewesen, von denen fast alle weiß gewesen seien – bei Frauen oder anderen ethnischen Gruppen könnten die Ergebnisse also erheblich abweichen. Zudem gebe es keinen wissenschaftlichen Konsens, was "normales Altern" wirklich ausmacht.
Bereits zuvor waren andere Untersuchung zu ähnlichen Schlüssen über das genetische Altern durch HIV gekommen. Eine im Mai veröffentlichte spanische Studie kam zu dem Ergebnis, dass eine retrovirale Behandlung den schnelleren Alterungsprozess nur zum Teil umkehren konnte. (dk)















