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Vorwurf und Gegenvorwurf
Polizei meldet gewalttätigen Zwischenfall beim CSD Essen
Laut der Polizei hat ein Gewalttäter CSD-Besucher*innen gestört und Beamt*innen angegriffen. Der Mann erhebt seinerseits Homophobievorwürfe gegen die Polizeikräfte.
- 11. August 2022, 08:15h 5 Min.
Am vergangenen Samstag kam es nach Polizeiangaben am Rande des Ruhr-CSDs in Essen zu einem Vorfall mit einem 24-jährigen Deutschen, der nun Gewalt- und homophobe Beleidigungsvorwürfe gegen die Polizei Essen erhebt. Diese werden jedoch von der Behörde zurückgewiesen, dabei wird unter anderem auf Bodycam-Aufnahmen verwiesen.
Dem Polizeibericht zufolge suchten um kurz nach 18 Uhr zwei Mitarbeiter des vom CSD-Vereins beauftragten Sicherheitsdienstes gemeinsam mit dem 24-Jährigen zwei Polizisten am Kennedyplatz auf. Der Mann soll auf dem Veranstaltungsgelände des Ruhr-CSDs ganz bewusst andere Menschen angerempelt und sich aggressiv verhalten haben. Mitarbeitende des Sicherheitsdienstes hätten dem Mann zuvor für den Veranstaltungsort einen Platzverweis erteilt.
Auch in dem Gespräch mit den beiden Beamten zeigte sich der 24-Jährige nach Polizeiangaben aggressiv und uneinsichtig. Die beiden Kommissare erteilten dem Mann einen Platzverweis für den Kennedyplatz, um Straftaten zu verhindern. Dem Mann sei der Platzverweis jedoch egal gewesen. Er habe gesagt, dass er wieder zurück auf das Veranstaltungsgelände gehen werde.
Im weiteren Gesprächsverlauf soll der gebürtige Mülheimer mit wild gestikulierenden Händen auf einen der Beamten zugegangen sein. Diese hätten ihn daraufhin zurückgestoßen, um einen möglichen Angriff zu verhindern.
Eskalation: 24-Jähriger gefesselt
Als der 24-jährige Mann erneut auf den Beamten zulief und hierbei wild mit seinen Armen herumwirbelte, wurde er zu Boden gebracht, berichtet die Polizei weiter. Am Boden liegend sollte der Mann gefesselt werden. Hiergegen sperrte er sich und beleidigte nach Polizeiangaben die Beamten "mehrfach in einer Art und Weise, die sich nicht eignet, hier wörtlich niedergeschrieben zu werden".
Um den Widerstand des Mannes zu überwinden und ihm die Handfesseln anlegen zu können, hätten die Beamten die Arme des Mannes gewaltsam auf den Rücken gedreht. In der Zwischenzeit seien weitere Unterstützungskräfte der Polizei eingetroffen. Der Tatverdächtige sei in eine Sitzposition gebracht worden und habe dann mehrfach versucht, nach den Beamten zu treten und diese anzuspucken, weshalb man ihm eine sogenannte "Spuckhaube" aufgesetzt habe. Bei seinen Trittversuchen sei der Mann auch wieder um gefallen.
Beamtin erkannte Mann wieder
Eine der unterstützenden Beamtinnen erkannte den Verdächtigen sofort wieder, heißt es im Polizeibericht weiter: "Er hatte an anderer Stelle auf der Veranstaltung mehrere Teilnehmer und Teilnehmerinnen belästigt, indem er sie gegen ihren Willen umarmte, drückte und anfasste." Auf Wunsch von CSD-Teilnehmenden hätte die Beamtin dann auf den Mann eingeredet und ihm einen Platzverweis erteilt. Diesem sei er aber anscheinend nur kurzzeitig nachgekommen.
Im weiteren Verlauf, so die Polizei, habe der Mann weiter Widerstand geleistet, als man ihn in einen Gefangenentransporter setzen wollte. Unter weiteren Beleidigungen habe er sich immer wieder aufgerichtet und gegen die Tür der Transportzelle getreten. Am Polizeigewahrsam angekommen, habe er die Transportzelle nicht verlassen wollen. "Er drohte damit, die Polizisten zu treten, wenn sie ihm zu nahe kämen", so die Polizei.
Ein bis dahin nicht involvierter Beamter des Polizeigewahrsams habe dann versucht, beruhigend auf den Mann einzureden. Letztlich habe er seine Beine gegen den Türrahmen der Transportzelle gedrückt, so dass die Beamten ihn mit körperlicher Gewalt aus dem Transporter hätten ziehen müssen.
In der Gewahrsamszelle sei den Beamten eine Platzwunde am Kopf des Mannes aufgefallen, die er sich möglicherweise bei seinem Widerstand am Kennedyplatz zugezogen haben könnte. In der Zelle habe der Tatverdächtige seinen Körper nach vorne gebeugt und Schwung geholt, um offenbar den hinter ihm stehenden Polizeikräften einen Kopfstoß zu versetzen. Diesem Kopfstoß habe der Beamte zwar ausweichen können, allerdings sei die Spuckhaube vom Kopf des Mannes gerutscht und das Blut der Kopfplatzwunde in das Gesicht des Polizisten gespritzt.
Der Tatverdächtige sei daraufhin erneut zu Boden gebracht worden. Ohne dass ein Beamter auf den Mann einwirkte, habe er schwer zu atmen begonnen und seine Atemfrequenz erhöht. Angeforderte Rettungskräfte hätten den Mann daraufhin in eine Essener Klinik gebracht. Von dort habe er selbstständig gegen 22.30 Uhr die Leitstelle der Polizei Essen alarmiert und gesagt, dass er von mehreren Polizeikräften grundlos zusammengeschlagen worden sei.
Die Polizeikräfte im Krankenhaus fertigten aufgrund seiner Angaben eine Strafanzeige wegen Körperverletzung im Amt. Gleichzeitig wurden dem mutmaßlich unter Alkohol- und Drogeneinfluss stehenden Mann Blutproben wegen des Widerstandes entnommen.
Gewaltvorwürfe gegen Polizei
Im Nachgang schrieb der Mann mehrere Redaktionen und auch den CSD-Veranstalter per E-Mail an und erhob neben den Gewaltvorwürfen ebenfalls den Vorwurf von homophoben Beleidigungen seitens der eigensetzten Polizisten. Sein gesamtes Verhalten, seine Angriffsversuche und seine unzähligen Beleidigungen habe er mit keinem Wort erwähnt, so die Polizei. Diese seien aber von den Bodycams der Einsatzkräfte aufgezeichnet worden.
"Die Polizei Essen weist die haltlosen Vorwürfe des Mannes entschieden zurück. Wir distanzieren uns grundsätzlich von jeder Form der Diskriminierung", erklärte die Polizei. "Die von dem 24-Jährigen angezeigten Vorwürfe gegen unsere Beamten werden aus Neutralitätsgründen von der Polizei Bochum geprüft. Hierzu werden selbstverständlich auch die Bodycam-Aufnahmen übermittelt und ausgewertet."
Die Ermittlungen hinsichtlich des Widerstandes und der Beleidigungen gegenüber den Polizeikräften werden von der Polizei Essen geführt und dauern an.
Polizei war in der Vergangenheit auch Täter
In der Vergangenheit hatte sich die Polizei in NRW nicht immer vorbildlich bei CSDs verhalten: 2016 misshandelten Beamte aus Köln etwa den CSD-Besucher Sven W., der später deshalb 15.000 Euro Schmerzensgeld erhielt (queer.de berichtete). Damals hatten die Beamten W. vorgeworfen, ein Gewalttäter zu sein, was aber vor Gericht entkräftet werden konnte. Die offenbar aus Homophobie handelnden Polizeischläger wurden nicht belangt (queer.de berichtete). (cw)

















Ich habe gesehen und gehört wie die Polizisten Homophobe Äußerungen gemacht haben und auch Gewalt angewandt haben! Erst paar Minuten später wurde die Bodycam eingeschaltet!
Das sich das Opfer Dominick S. Wehrt mit Worten und Tritten ect. ist selbstverständlich
Die Polizeigewalt nimmt ziemlich zu! Das muss aufhören!