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Forderung des LSVD

Soll Berliner Straße nach lesbischer Anhängerin der "Rassenhygiene" benannt werden?

Nach Ansicht des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg soll in der Berliner Innenstadt eine Anita-Augspurg-Straße entstehen – die lesbische Frauenrechtlerin hat aber auch eine dunkle Seite.


Anita Augspurg ging als Vorkämpferin für Frauenrechte in die Geschichte ein, hat aber auch eine dunkle Seite

Der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg hat am vergangenen Sonntag bei seinem Mitgliederempfang anlässlich des 30-jährigen Gründungsjubiläums im SchwuZ zwei Resolutionen beschlossen. Mit der Resolution "Stoppt die MPX (Affenpocken)" fordert die Mitglieder­versammlung vom Berliner Senat und dem Bundesgesundheitsministerium ein schnelles und engagiertes Handeln für ein höheres Impftempo. Mit der zweiten Resolution sprach sich die Mitglieder­versammlung für die Umbenennung der Kluckstraße in Berlin-Mitte nach der lesbischen Frauenrechtlerin Anita Augspurg aus, die allerdings hochumstritten ist.

Die Juristin Anita Augspurg (1857-1943), an die auch eine Gedenktafel am Magnus-Hirschfeld-Ufer erinnert, setzte sich mit ihrer Lebensgefährtin Lida Gustava Heymann (1868-1943) insbesondere für das Frauenwahlrecht und die Friedensbewegung ein. Anfang der Dreißigerjahre flohen beide vor den Nazis in die Schweiz. Die LAG Lesben vergab ihnen zu Ehren etwa den Augspurg-Heymann-Preis. Der Name wurde aber 2017 zu "CouLe Preis für Couragierte Lesben" geändert, nachdem bekannt wurde, dass die beiden Frauen auch "Rassenhygiene" unterstützt hatten.

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Unterscheidung von "Rassen" als "minderwertig" und "höherwertig"

Insbesondere eine Aussage von Heymann aus dem Jahr 1907 auf der Veranstaltung eines Frauenverbandes war problematisch. Sie soll damals gesagt haben: "Gesetze für die Vernichtung körperlicher und geistiger Krüppel müssen geschaffen werden." In einem Gutachten kam die Historikerin Dr. Kerstin Wolff 2015 zu dem Ergebnis, dass sich zu dieser Zeit radikale Frauenrechtlerinnen stark mit Bevölkerungsfragen beschäftigten, "da sich hier ein gesellschaftliches Feld zu öffnen schien, auf dem es möglich werden könnte, Diskriminierungen von Frauen und konservative Moralvorstellungen effektiv zu bekämpfen". Das habe dazu geführt, dass Frauenrechtlerinnen wie Heymann und Augspurg – wie viele in ihrer Zeit – zwischen "minderwertigen" und "höherwertigen" menschlichen "Rassen" unterschieden und dabei die eigene weiße "Rasse" als höherwertig angesehen hätten. Außerdem stellten sie Menschen unter volkswirtschaftliche Kriterien – ein Menschenleben hatte für sie also einen bestimmten Geldwert.

Wolff stellte in ihrem Gutachten aber auch fest, dass sich radikale Feministinnen zu dieser Zeit stärker auf sogenannte "positive" bevölkerungspolitische Maßnahmen verstiegen hätten als auf "negative", die auf die Ausmerzung von Leben hinausliefen. Zudem hätten sie sich nicht intensiv mit der Thematik befasst. Nach Ansicht der LAG Lesben gehörten die beiden Frauen "ganz sicherlich" nicht zu den Wegbereiterinnen der nationalsozialistischen Euthanasie-Programme. (dk)

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#1 ErnsthaftAnonym
  • 11.08.2022, 11:45h
  • "Das habe dazu geführt, dass Frauenrechtlerinnen wie Heymann und Augspurg (...) zwischen "minderwertigen" und "höherwertigen" menschlichen "Rassen" unterschieden und dabei die eigene weiße "Rasse" als höherwertig angesehen hätten."

    Worüber reden wir gemeinhin? Ob Straßen, die nach Rassist:innen Straßen benannt sind, verständlicher- und begrüßenswerterweise umbenannt werden, damit diese Einstellung und die entsprechenden Personen nicht weiter auf diese Weise "geadelt" werden, richtig?
    Worüber reden wir dann hier - in genau diesem Fall? Ist das Ernst oder habe ich die Quelle Postillion überlesen?
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#2 Garfield
  • 11.08.2022, 11:51h
  • Da hätte ich in unseren Zeiten schon erhebliche Bedenken eine Straße nach ihr zu benennen. Auch wenn sie viele positive Facetten hat, geht eine Straße für eine Rassenhygienikerin gar nicht.
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#3 AnnaAnonym
  • 11.08.2022, 14:02h
  • Besagte Frau entsprach tbh dem Geiste einem Großteil der Suffragettes und anderen Frauenrechtler*innen der ersten Welle des Feminismus - Also sie waren Rassist*innen im reinsten Sinne und sahen auch schwarze und indigene Frauen als höchstens minderwertig bzw. schlichtweg nicht als Menschen an.

    Diese Denke mitsamt Inter-*Transfeindlichkeit hat sich gerade hier in Deutschland sehr gut gehalten mit Alice Schwarzer & Co. in den 1970ern bishin zu heutigen TERFs bzw. ehrlich gesagt ist der Feminismus in Deutschland außerhalb von FLINTA* Splittergruppen irgendwo zwischen 2. und 3. Welle steckengeblieben.

    Ist es sehr fragwürdig, als LSVD eine Rassistin der reinsten Sorte vorzuschlagen für einen Straßennamen anno 2022? Ja durchaus, nur wenn Deutschland es wirklich ernstmeinen würde mit der Antirassismus Haltung, dann müsste schlichtweg der Großteil der deutschen Straßen umbenannt werden. Wird das passieren? Es wäre eine große Überraschung für mich.

    Jedenfalls mal sehen, ob der LSVD diese Entscheidung nochmal überdenken wird, der LSVD ist halt auch ein Verband aus mehrheitlich als "weiß" betrachteten Personen, vertritt weniger die Interessen mehrfach marginalisierter Menschen. Aber ich lasse mich gerne positiv überraschen.
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