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Hessen

Frankfurt: Warum häufen sich queer­feindliche Übergriffe im Szeneviertel?

Nahe der Konstablerwache kam es zuletzt zu mehreren Angriffen auf queere Menschen. Während die Polizei ihre Präsenz erhöht, fordert der LSVD-Landesverband zahlreiche weitere Maßnahmen.


Schwule und lesbische Ampelpärchen an einer Fußgängerampel an der Konstablerwache in Frankfurt am Main (Bild: IMAGO / Ralph Peters)
  • 12. August 2022, 02:34h 7 3 Min.

Queer­feindliche Übergriffe in Frankfurt haben zuletzt immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Die Polizei erhöhte bereits ihre Präsenz im Viertel der queeren Szene nahe der Konstablerwache. Derweil fordert die Community weitere Unterstützung, auch von Politik, Gesellschaft oder Justiz.

Nötig seien eine bessere Schulung der Polizei, eine Reform der Erfassungssysteme, zielgenauere Präventionskonzepte sowie ein Milieuschutz, sagte Georgios Kazilas vom Lesben- und Schwulenverband (LSVD) in Hessen. Die Beamt*­innen könnten noch mehr sensibilisiert werden, was homo- und transfeindliche Gewalt betrifft. Dabei sei es sinnvoll, vermehrt den Verband lesbischer und schwuler Polizeibediensteter einzubinden.

Hohe Dunkelziffer

"Zudem ist die Dunkelziffer hoch, weil zum einen Übergriffe entweder von den Opfern gar nicht erst gemeldet oder nicht als queerfeindliche Gewalt registriert werden", sagte Kazilas. Dann gehe solch ein hassmotiviertes Verbrechen womöglich als normaler Raubüberfall in die Statistik ein.

Ein Vorreiter sei Berlin, wo es bei der Staatsanwaltschaft bereits seit zehn Jahren spezialisierte Ansprechpartner für LGBTI gibt, an die sich Zeug*innen und Opfer queerfeindlicher Gewalt direkt wenden können. Aber auch die Gesellschaft müsse genauer hinschauen und einschreiten, bei körperlichen Übergriffen, aber auch bei Pöbeleien, sagte der 56-Jährige, der im Vorstand des LSVD Hessen sitzt.

Jüngster Vorfall am vergangenen Wochenende

In den vergangenen Wochen und Monaten kam es in Frankfurt wiederholt zu verbalen und körperlichen Angriffen auf Angehörige der queeren Community (queer.de berichtete). In einem Fall erlitt ein Opfer einen Kieferbruch. Und am vergangenen Wochenende war ein junger Mann nördlich der Konstablerwache mit einer Glasflasche attackiert worden, auch hier prüfen die Ermittler*innen, ob die Tat einen queerfeindlichen Hintergrund hat (queer.de berichtete).

Mitte Juli kündigte die Polizei an, ihre Präsenz in dem Viertel zu verstärken und auch Zivilbeamte einzusetzen (queer.de berichtete). Und um bei Hinweisen auf queerfeindliche Übergriffe rascher und gezielter reagieren zu können, wurden innerhalb des Präsidiums die Meldewege verbessert.

Innenminister: Alle Menschen müssen sich sicher fühlen

"Es ist vollkommen inakzeptabel, dass sich Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, sexuellen Identität und ihrer äußeren Erscheinung in bestimmten Straßen nicht mehr sicher fühlen", sagte ein Polizeisprecher. Und Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) betonte unlängst, solche Angriffe könne und werde man nicht hinnehmen. "Hessen ist ein tolerantes Land, in dem sich alle Menschen gleichermaßen sicher fühlen müssen."

Genaue Angaben zu queerfeindlichen Straftaten in Frankfurt lassen sich laut Polizei auch aufgrund der Dunkelziffer nicht machen. 2021 hatten die Ermittler*innen eine niedrige zweistellige Anzahl registriert, in diesem Jahr sind die Zahlen auf einem ähnlichen Niveau, wie es hieß. Auffällig sei aber, dass die Zahl der Übergriffe in dem Szeneviertel gestiegen sei, sagte der Sprecher.

"Es ist traurig, dass die Gewalt dort stattfindet, wo sich die Community seit langem trifft, in einem Viertel, das sie als "safe space" empfunden hat", sagt der Sprecher. Durch die Gentrifizierung habe sich das Viertel in den vergangen Jahren und Jahrzehnten verändert. Szene-Bars und ein queerer Buchladen hätten schließen müssen, hier wünsche sich die Community einen besseren Milieuschutz von der Stadt. (cw/dpa)

-w-

#1 LukasWeAnonym
  • 12.08.2022, 12:15h
  • Ich fühle mich in dieser Ecke schon lange nicht mehr sicher (also Abends und Nachts). Würde meine Sexualität dort eher nicht zur Schau stellen, da das Publikum dort m.E. dafür eher kein Verständnis hat. Es ist total traurig, dass die Lokale alle dicht machen mussten und nach Umzug der Sauna war diese auch nicht mehr so attraktiv. Sehr schade alles.
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#2 StaffelbergblickAnonym
  • 12.08.2022, 12:41h
  • Wenn ich diesen Bericht verstanden habe ... dann scheint es so zu sein, dass in diesem Bereich das queere Leben zurückgedrängt ist. Hier wäre für mich die Frage im Raum, ob dann diese antiqueeren Aktionen auch im Sinne von Revierkämpfen zu interpretieren sind???? Sprich, es geht nicht mehr um den individuellen Fall, es geht um das Entwickeln von eigenen "Hoheitsrechten" in einer umschriebenen Region.
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#3 _hh_Anonym
  • 12.08.2022, 12:57h
  • Wenn ich nicht irre, dürfte für die Gegend wohl das 1. Polizeirevier auf der Zeil zuständig sein. Dieses Revier ist genau dasjenige, von wo aus geheime Personendaten aus dem Polizeicomputer an den "NSU 2.0" weitergegeben wurden. Es flog dort auch eine rassistisch-neonazistische Chatgruppe von Polizeibeamten auf. Der zuständige Dienstgruppenleiter deckte die rechten Kolleg*innen auch nachträglich noch als Zeuge vor Gericht. (Nachzulesen u. a. in einem ausführlichen Artikel der "Süddeutschen Zeitung" vom 30./31. Juli, meines Wissens leider nicht gratis online zugänglich.) Es ist nicht davon auszugehen, dass der braune Sumpf in diesem Polizeirevier wirklich verschwunden ist. Mit anderen Worten: Der dortigen Polizei zu vertrauen wäre fahrlässig, sie ist Teil des Problems.
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