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Pharmariese
Gilead: 5 Millionen Dollar für Kampf gegen MPX
Das antivirale Medikament Tenofovir spielte bei der Eindämmung der Aids-Epidemie eine entscheidende Rolle. Entwickler Gilead unterstützt nun den Kampf gegen die Affenpocken mit viel Geld.
- 13. August 2022, 11:58h 3 Min.
Gilead ist eines der größten Pharmaunternehmen der Welt. Der Konzern mit einem weltweiten Umsatz von etwa 24 Milliarden US-Dollar hat seinen Hauptsitz in Kalifornien in den Vereinigten Staaten.
Zusammen mit LGBTI- und anderen Menschenrechtsorganisationen wie der Gay & Lesbian Alliance Against Defamation (GLAAD), der Human Rights Campaign oder der National Black Justice Coalition kündigte der Pharmariese nun an, den Kampf gegen die Affenpocken aufzunehmen.
Öffentlichkeits- und Communityarbeit
Fünf Millionen US-Dollar lässt sich Gilead die Kampagne dabei kosten. Das Geld soll unter anderem in Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit gesteckt werden. Das Ziel: Impfskeptische Zielgruppen erreichen und die Öffentlichkeit für die Wichtigkeit von Gegenmaßnahmen sensibilisieren.
Außerdem soll von ein Fonds aufgelegt werden, aus dem Community-Organisationen aus Regionen mit einem starken Infektionsgeschehen Gelder für ihre Arbeit abrufen können. In der Frage der öffentlichen Bildung sollen die Community-Organisationen etwa auch Videos und Grafiken produzieren, die sie bei ihren sonstigen Aufklärungsbemühungen unterstützen und Informationen über die Prävention und Behandlung von sowie die Impfung gegen die Affenpocken enthalten.
In den USA ist das Infektionsgeschehen mit dem MPX-Virus am 4. August vom Gesundheitsministerium zum öffentlichen Gesundheitsnotfall erklärt worden. Nicht nur zeigen die bisherigen Daten, dass beinahe alle Infizierten Männer sind, die Sex mit Männern hatten. Auch breitet sich das Virus bisher extrem stark in der bereits von HIV betroffenen Bevölkerung aus. 41 Prozent der Infizierten in den USA seien durch das Aids auslösende Virus vorbelastet, wie Gilead die Studienlage in seiner Pressemitteilung zitiert.
Historische Verbindung zur Community
Das Pharmaunternehmen spielte durch die Entwicklung und Vermarktung von Tenofovir sowohl in der medikamentösen Behandlung als auch in der Prä- und Postexpositionsprophylaxe von HIV bereits eine erhebliche Rolle in der Bekämpfung der Aids-Epidemie. Das Medikament hemmt die Fähigkeit des Virus, sich zu replizieren.
Durch seine Geschichte hindurch habe das Unternehmen daran gearbeitet, kritische Herausforderungen für die öffentliche Gesundheit sowie Ungleichheiten bei der Gesundheitsversorgung zu adressieren, wie Deborah Telman, Vizepräsidentin bei Gilead, sagte. Das betreffe besonders diejenigen Herausforderungen, denen sich die LGBTI-Community im Zuge der HIV-Epidemie gegenübergestellt sah. Heute sei man stolz, mit Langzeitpartnern überall auf der Welt zusammen zu arbeiten, um den Bedürfnisse betroffener Communities gerecht zu werden und langfristig Lösungen der "heraufziehenden Krise" durch das Affenpockenvirus zu identifizieren. Man beschleunige außerdem bereits die Erforschung antiviraler Substanzen, um neue Moleküle zu entdecken, die in Zukunft potentiell für die Behandlung von MPX-Infektionen infrage kommen.
Gegen Gilead wird allerdings auch immer wieder Kritik erhoben. Preise für manche Medikamente seien exorbitant hoch angesetzt worden, auch bei der Bekämpfung von HIV. Hinzu kam das Festhalten an Patenten, deren Freigabe den Kampf gegen die Epidemie der Meinung von Kritiker*innen zufolge deutlich beschleunigt hätte. Außerdem soll Gilead Senator*innen in Florida mit Spenden unterstützt haben, die schließlich für das "Don't say gay"-Gesetz votierten. Das verbietet in dem Sonnenstaat die Erwähnung von LGBTI-Themen in Schulen und führte zu einer anhaltenden Kontroverse in der US-Politik (queer.de berichtete). (jk)















