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Opferentschädigungsrecht
Weißer Ring: Staatliche Hilfe für Gewaltopfer kommt nicht an
Jörg Ziercke, Bundesvorsitzender des Weißen Rings, kritisiert die bürokratischen Hürden für Gewaltopfer in Deutschland. Nur etwa jeder vierte Antrag nach dem Opferentschädigungsgesetz wurde 2021 genehmigt.

Symbolbild: Wer durch eine Gewalttat einen gesundheitlichen Schaden erlitten hat, dem stehen möglicherweise Leistungen nach dem Opferentschädigungsgesetz zu (Bild: charlfolscher / unsplash)
- 14. August 2022, 08:23h 2 Min.
Gewaltopfer bekommen nach Einschätzung des Weißen Rings viel zu selten die gesetzlich verankerte Hilfe vom Staat. "Die Bürokratie lässt Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind, immer öfter hilflos zurück", teilte der Bundesvorsitzende der Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer und ehemalige Präsident des Bundeskriminalamts, Jörg Ziercke, der Deutschen Presse-Agentur in Mainz mit.
Nach einer Erhebung der Organisation wurde bundesweit 2021 fast jeder zweite Antrag auf Unterstützung nach dem Opferentschädigungsgesetz abgelehnt (46,6 Prozent). "Das ist der schlechteste Wert seit mehr als 20 Jahren", berichtete der Weiße Ring. Genehmigt worden seien im vergangenen Jahr nur 27,6 Prozent der Anträge. Diese Quote sei lediglich 2019 mit 26,2 Prozent noch etwas niedriger gewesen.
Ein Viertel der Vefahren "aus sonstigen Gründen" eingestellt
Die übrigen nicht abgelehnten Anträge (25,8 Prozent) bekamen aber auch keine Hilfe, sondern seien 2021 "aus sonstigen Gründen" eingestellt worden. Gründe dafür waren dem Weißen Ring zufolge beispielsweise die Rücknahme des Antrags, der Tod eines Antragstellers oder die Weitergabe des Falls in ein anderes Bundesland.
"Ich bin fest davon überzeugt, dass sich dahinter zum großen Teil Fälle verbergen, in denen Gewaltopfer ihre Anträge zurückgezogen haben – weil sie durch die Bürokratie und die langen Verfahren zermürbt sind", sagte Ziercke. Warum Opfer ihre Anträge zurücknehmen, werde bundesweit nicht einheitlich erfasst.
Anträge spiegeln nicht Zahl der Gewalttaten wider
Das Opferentschädigungsrecht sei aber auch weitgehend unbekannt und viel zu wenige Betroffene stellten überhaupt einen Antrag. Rund 15.000 Anträge auf Entschädigung seien im vergangenen Jahr gestellt worden. Der Weiße Ring verweist im Verhältnis dazu auf ungefähr 165.000 in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfasste Gewalttaten. Diese Quote – das Verhältnis gestellter Anträge zu registrierten Gewalttaten – liege seit mehr als 20 Jahren zwischen neun und elf Prozent. Viele queerfeindliche Angriffe werden zudem gar nicht erst zur Anzeige gebracht. (cw/dpa)
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