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"Jeder Tag zählt"

SPDqueer und LiSL fordern Aufnahme queerer Menschen aus Afghanistan

Die queeren Parteiorganisationen von SPD und FDP machen Druck auf die Bundesregierung, mehr für den Schutz queerer Afghan*innen zu tun.


Bisher haben Appelle an Bundesaußenministerin Annalena Baerbock und Bundesinnenministerin Nancy Faeser nicht gefruchtet (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde / Leon Kügeler / photothek)

  • 15. August 2022, 10:19h 5 3 Min.

Die Liberalen Schwulen und Lesben (LiSL) und die Bundesarbeitsgemeinschaft SPDqueer haben Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) und Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) in Stellungnahmen am Wochenende aufgefordert, für einen schnellen Schutz für besonders gefährdete queere Menschen aus Afghanistan zu sorgen. Hintergrund ist, dass die islamistischen Taliban vor einem Jahr die Macht in dem instabilen asiatischen Land übernommen hatten.

"Auswärtiges Amt und Bundesinnenministerium müssen unverzüglich eine Lösung finden", erklärte LiSL-Bundesvorsitzender Michael Kauch. "Es ist nicht hinzunehmen, dass Deutschland besonders gefährdete queere Personen anders als andere Gruppen nicht aus der Gewaltherrschaft der Taliban befreit."

Dabei müssten unter Würdigung des Einzelfalls auch Personen einbezogen werden, die noch nicht verhaftet wurden, deren Daten aber von Dritten bereits an die Taliban übermittelt wurden. "Der Schutz muss unverzüglich erfolgen. Jede Woche zählt", ergänzt Kauch. Queere Organisationen hätten dem Auswärtigen Amt inzwischen 130 Fälle von besonders gefährdeten Personen übermittelt, von denen 50 bereits einmal von den Taliban verhaftet, gefoltert oder vergewaltigt worden seien.

"Bundesregierung darf afghanische LSBTIQ* nicht vergessen"

"Jeder Tag zählt, ein weiteres Hinauszögern des im Koalitionsvertrag vereinbarten Aufnahmeprogramms ist nicht hinnehmbar", ergänzte der SPDqueer-Bundesverband. "Die deutsche Bundesregierung darf die afghanischen LSBTIQ* nicht vergessen."

/ SPDqueer
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Lesben, Schwule, trans Menschen und andere queere Personen sind vom sogenannten Brückenprogramm faktisch ausgenommen. Für eine Aufnahmezusage wird vom Auswärtigen Amt und vom Bundesinnenministerium verlangt, dass man aktiv in einer spezifischen Nichtregierungsorganisation tätig war. Das ist bei queeren Menschen aber ausgeschlossen, da Homosexualität bereits vor den Taliban in Afghanistan strafbar war – und LGBTI also aus Furcht vor Verfolgung und Repressalien nur selten ihre sexuellen Orientierung oder geschlechtliche Identität offen gelebt haben.

Bereits Ende Mai hatten 41 Organisationen die Außen- und die Innenministerin aufgefordert, bei einem humanitären Aufnahmeprogramm für Afghanistan auch queere Menschen zu berücksichtigen (queer.de berichtete). Sie beklagten jedoch, dass diese Forderung bisher auf "taube Ohren" gestoßen sei. Dabei wurde auch darauf hingewiesen, dass die Flucht für queere Menschen in benachbarte Länder wie Iran und Pakistan keine Sicherheit bedeute, da auch dort sexuelle und geschlechtliche Minderheiten verfolgt werden.

Der Lesben- und Schwulenverband beklagte am Montag: "Die Taliban in Afghanistan verhaften foltern und ermorden täglich LSBTI-Personen." Der Verband verwies dabei auf eine Dokumentation der Lage von Human Rights Watch und OutRight aus dem Januar (queer.de berichtete).

/ lsvd
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"Unsere Partnerorganisationen in der Region berichten inzwischen von speziellen Einrichtungen, in denen LSBTI Personen eingesperrt, gefoltert und vermutlich ermordet werden", so der LSVD. "Regelmäßig erreichen uns E-Mails von verzweifelten Personen, die bereits Schlimmstes erlebt haben oder Schlimmstes befürchten." (dk)

-w-

#1 aber neinAnonym
  • 15.08.2022, 13:38h
  • aber nein, SPD-nasen in der regierung wie die christliche Faeser wissen doch, dass auch schwule und lesben in afghanistan sicher leben können, wenn sie sich nur selbst verleugnen und sich verstecken.
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#2 Politverdrossene_rAnonym
  • 15.08.2022, 13:52h
  • Bei Frau F. warte ich immer darauf, dass in feinster "Mission: Impossible"-Manier die Dame ihre Gummimaske vor laufender Kamera abzieht und darunter der Bundeshorst zum Vorschein kommt. Ist der gleiche, ähm, "Stil": "Menschenrechte? Braucht kein Mensch."
    Egal ob CDU/CSU, SPD, Grüne oder FDP an der Regierung sind: Man kann sich für so ziemlich alles, was mit Menschenrechten und Moral zu tun hat, bei allen gleichermaßen schämen und/oder ekeln.
    Und als "Bonbon" obendrauf: Ich wüsste nicht, welche Partei es a. "besser" machen sollte, die b. zudem auch Aussicht auf Regierungsbeteiligung hat. Sehe ich auf der linken Seite nicht, auf der rechten natürlich noch weniger.

    Ich wage zu bezweifeln, dass die im Artikel genannten Verbände irgendwas erreichen werden. Ich denke, das wird weiterhin schön kleingehalten, bzw. komplett ignoriert. #GibtJaSchließlichDringendereProbleme
    (womit wir wieder beim Anfang und dem "Stil" wären: "Menschenrechte? Braucht kein Mensch.")
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#3 SvenAnonym
  • 15.08.2022, 14:54h
  • SPQQueer ist ja an Heuchelei nicht zu überbieten. Seit Oktober versuche ich bereits 3 bekannten Afghanen zu helfen. Hunderte Emails, Anrufe und unzählige Besuche bei einen Haufen Bürgerbüros der Abgeordneten. Herrn Kühnert hat nichts gejuckt, Herrn Roth (Vorsitzender des zuständigen Ausschusses und schwul) juckt das alles nicht und ich bekam nur Standardantworten. Die SPDQueer hat es nicht mal geschafft mir lahme Ausreden zu schicken. Nach mehreren Kontaktversuchen (mehr als 15) habe ich aufgegeben. Keine Antwort und alles wurde ignoriert.
    GrüneQueer genauso.

    Alles ein Haufen Heuchler. Mehr nicht.
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