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"Wichtig ist, daraus zu lernen"

FC Luzern: Strafe und Rückendeckung für Müller

Nach einer homophoben Entgleisung kündigt Marius Müllers Verein eine Strafe gegen seinen Stammtorwart an – gleichzeitig stellt sich der Clubpräsident hinter den deutschen Spieler.


Müller zeigte in einem TV-Interview seine homophobe Seite (Bild: Screenshot blue Sport)

  • 17. August 2022, 09:53h 9 2 Min.

Stefan Wolf, der Vereinspräsident des schweizerischen Erstligisten FC Luzern, hat am Dienstag eine homophobe Aussage seines Spielers Marius Müller kritisiert und eine Geldbuße angekündigt. Der 51-Jährige erklärte aber auch, Müller sei nicht homophob.

Hintergrund ist, dass sich der deutsche Torwart des FC Luzern nach einem Ligaspiel in einem Interview über "schwules Weggedrehe" seiner Mannschaftskameraden beschwert hatte. Das führte zu einem Shitstorm gegen den Spieler, der sich später, wie auch sein Verein, für die Äußerung entschuldigte (queer.de berichtete). Der schweizerische Liga hat bereits ein Verfahren gegen Müller eröffnet.

Aussage "völlig inakzeptabel"

"In einer sehr emotionalen Phase direkt nach dem Spiel hat unser Torhüter Marius Müller eine Aussage gemacht, die völlig inakzeptabel war", so Vereinschef Wolf laut einer Pressemitteilung des FC Luzern. Mit seiner Wortwahl habe Müller Menschen verletzt und sich gegen die Werte des FC Luzern gestellt. "Dies toleriert der FC Luzern in keinem Fall. Ich entschuldige mich im Namen des gesamten Klubs für dieses Verhalten." Deshalb werde er eine Vereinsstrafe erhalten, egal, wie das Verfahren der Liga gegen den Spieler ausgeht. Die Höhe der Geldbuße teilte Wolf nicht mit.

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Der Fall ziehe auch weitere Maßnahmen nach sich: Der Verein werde "einen Experten hinzuziehen, der bei den FCL-Teams auf die Konsequenzen von solchen Aussagen und möglichen Haltungen hinweist und aufzeigt, was solche Aussagen bei Betroffenen auslösen können". Damit solle verhindert werden, "dass in Zukunft beim FC Luzern und in seinem Umfeld weitere solche Vorfälle passieren, welche verbal verletzen können".

Vereinschef: Müller ist nicht homophob

Gleichzeitig verteidigte Wolf den Spieler: "Marius ist nicht nur ein offener und ehrlicher Zeitgenosse, er hat auch persönlich enge Kontakte zu homosexuellen Menschen", behauptete der Fußballfunktionär. "Ihm nun öffentlich eine grundsätzliche Homophobie zu unterstellen und ihn in dieser Art an den Pranger zu stellen, ist unangebracht und aus meiner Sicht falsch." Weiter erklärte er: "Wichtig ist, daraus zu lernen, hinzustehen und es besser zu machen. So wie dies Marius tun wird."

Laut der "Luzerner Zeitung" plant der Verein ansonsten keine weiteren Schritte. Eine Regenbogen-Kapitänsbinde – wie sie der deutsche Nationalkeeper Manuel Neuer etwa während der EM 2021 getragen hatte- werde es also nicht geben. (dk)

-w-

#1 BlakeAnonym
  • 17.08.2022, 12:47h
  • Lol.
    "Ich bin nicht Homophob, ich kenne jemanden der homo ist!"
    -können wir bitte damit aufhören diesen absoluten Quatsch der Rechtfertigung zuzulassen? Alice weidel ist Lesbe und homophob als auch transphob. Wir haben doch schon ausreichend lernen müssen das solcherlei Aussagen absoluter Humbug sind und nicht dazu taugen Homophobie zu rechtfertigen!
    Klatscht dem ne ordentliche Buße auf und vielleicht noch ein bisschen gemeinnützige Arbeit in einem LGBT Wohnheim? Das wäre es doch!
    Dann kann der gute junge vielleicht noch was dazu lernen und seinen Horizont erweitern.
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#2 Roman BolligerAnonym
  • 18.08.2022, 03:32h
  • Antwort auf #1 von Blake
  • Ja, die Horizontfrage betrifft nicht nur den Spieler, sondern auch die Vereinsleitung. Ganz offensichtlich greift sie beim Wording aus der gleichen Position wie der Torhüter in die gleiche Eierkiste wie er.
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#3 CH-FussballAnonym
  • 18.08.2022, 06:36h
  • Antwort auf #1 von Blake
  • Stimmt, eine solche Aussage bedeutet nicht per se, dass man nicht homophob ist. In diesem Fall schätze ich das so ein, dass der Torhüter zwar eine homophobe Äusserung gemacht hat, aber selbst tatsächlich nicht homophob ist. Ich kaufe ihm die Entschuldigung ab, auch wenn ich es begrüssen würde, wenn er mit dem Gesicht in die Kamera gestanden hätte. Eine schriftliche Entschuldigung ist das Einfachste und Mindeste, was man tun kann. Um alle Zweifel bei Seite zu schieben, sollte man schon etwas aktiver vorgehen. Jedenfalls würde ich so handeln.

    Müller ist einer, der bei uns für seine ehrliche und offene Art in den Interviews und auch sonst sehr geschätzt wird. Nach der katastrophalen Leistung seiner Mannschaft im vergangenen Spiel waren die Nerven blank. Dabei kam es zu der homophoben Aussage ("schwules Weggedrehe"). Dass diese Aussage Konsequenzen haben muss, ist keine Frage. Marius Müller muss dafür gerade stehen! Ursache und Wirkung. Gerade einer wie Müller hat eine Vorbildfunktion. Ich glaube aber auch, dass er diese Aussage getätigt hat, weil in der Gesellschaft solche Redewendungen (immer noch) benutzt werden. Ich weiss nicht, wie es bei den heutigen Generationen ist, aber bei uns auf dem Pausenhof - ich bin 90er-Baujahr - war es sehr verbreitet, das Wort "schwul" als abwertend zu benutzen. Auch ich habe es als Kind verwendet, weil es irgendwie normal war. Homophob war ich jedoch nie, im Gegenteil. Genau deshalb finde ich es gar nicht so schlecht, was jetzt passiert ist. Denn es passiert nun genau das, was passieren musste: Man spricht in der Gesellschaft endlich darüber! Es ist wichtig, dass man die Menschen auf dieses Thema aufmerksam macht, sie dafür sensibilisiert. Auch ich habe mich dadurch selbst hinterfragt: Äussere ich mich nun als Erwachsener auch stets respektvoll? Und ich habe gemerkt, dass ich das grösstenteils zwar tue, aber auch nicht immer. Ich habe festgestellt, dass ich manchmal das Wort "behindert" unangebracht benutze, wenn auch eher selten. Während mir das Wort "schwul" in diesem Zusammenhang nicht mehr über die Lippen geht und ich darauf sensibilisiert bin - wohl vorallem deswegen, weil jemand in unserer Familie homosexuell ist - ist das beim Wort "behindert" noch nicht so. Diese Redewendung ist doch noch sehr verankert in meinem Kopf. Das wird eine Weile dauern, bis ich das ganz weg habe. Ich bin nun jedoch sensibilisiert und es wird mir auffallen, wenn ich es wieder benutzen sollte.

    Was will ich mit dem Ganzen eigentlich ausdrücken? Um eine Veränderung in der Gesellschaft anzustreben, ist Aufklärung das A und O. Bleib dabei immer freundlich und gib den Menschen Zeit und eine Chance, sich zu verbessern! Zeig Verständnis dafür, dass sich solche Redewendungen durch die Gesellschaft einschleichen können! Zeige aber auch auf, dass eine solche Sprache andere Menschen sehr verletzen kann! Damit wird man die Gesellschaft erreichen und eine positive Veränderung wird sie durchdringen. Davon bin ich zutiefst überzeugt.

    Ich wünsche Ihnen einen ganz schönen Tag! Liebe Grüsse aus der CH!

    Ein Fussball-Fan
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