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Schöneberg

Mit Plakaten gegen Ausbeutung von Jungs

Mit dem Spruch "Ball spielen statt Blowjob" geht die Polizei Berlin gegen die sexuelle Ausbeutung Jugendlicher vor. Weil die Plakate aber zwischen Nollendorfplatz und Tiergarten hängen, gab es auch Kritik.


Das Leben rund um den Nollendorfplatz kann fröhlich, aber auch hart sein – vor allem für minderjährige Sexarbeiter (Bild: Erik Jödicke / Instagram)
  • 19. August 2022, 07:54h 31 2 Min.

Die Berliner Polizei versucht, gegen die erzwungene Prostitution minderjähriger Jungs vorzugehen. Gelbe Plakate mit der Aufschrift "Ball spielen statt Blowjob" wurden dazu im als Schwerpunkt geltenden Bereich zwischen dem Großen Tiergarten und dem Schöneberger Nollendorfplatz aufgehängt.

Die Jungs, die sich hier Freiern anbieten, stammen meist aus Rumänien und sind in extremer Armut aufgewachsen. Neben Lob für das prinzipielle Vorhaben, die Jugendlichen zu schützen, gab es auch Kritik aus der queeren Community.

Hinweise erwünscht

Hinter dem Geschehen in Schöneberg und Tiergarten sollen Netzwerke von Familienangehörigen, Zuhältern und Freiern stehen, die die Jugendlichen nicht nur auf die Straße und in Bars schicken, sondern auch in die Migration zum Zweck der Prostitution involviert sind. Die Abteilung 42 des Berliner LKA hat die Präventionskampagne entwickelt. Die Beamten sind auch bei der Überwachung des Geschehens beteiligt. Sie beobachten in Zivil Jungs, die ins Profil passen, sprechen sie an oder kontrollieren sie, um Einblick in die Szene, Kontaktpersonen und Verdächtige zu erhalten. Die Berliner Zeitung hat die Polizist*innen dabei begleitet.

"Viele minderjährige Jungs bieten hier sexuelle Dienstleistungen gegen Geld an", heißt es auf den gelben Plakaten in englischer und deutscher Sprache. "Sie tun das nicht freiwillig; sie sind Opfer sexueller Ausbeutung". Anwohner*innen, die Verdächtigtes beobachten, können ihre Hinweise telefonisch, via E-Mail und auch anonym an die Polizei reichen.

Fördern Plakate Ressentiments?

Erik Jödicke, Bundesvorstand des queeren Verbands Lambda, hatte für die Aktion jedoch nicht nur Lob übrig. An den Berliner Senat, die Polizei und die Innensenatorin Iris Spange gewandt, sagte er: "Euer Einsatz gegen Kinderprostitution ist lobenswert, aber diese Plakate gehen gar nicht."

Seine Kritik: Dass die Hinweise ausschließlich im Bereich des Regenbogenkiezes hingen, reproduziere "das populistische und rechte Narrativ", wonach schwule Männer pädophil seien. Daher sei die Aufhängung der Plakate in der Form unsensibel, fördere Feindlichkeit und Ressentiments. Es ginge um ein gesamtgesellschaftliches Problem, das nicht auf schwule Männer runter gebrochen werden dürfe. Auch sei ohne das Lesen der kleingedruckten Anteile des Plakats überhaupt nicht ersichtlich, worum es eigentlich geht. "Wie konnte diese Kampagne so veröffentlicht werden?" (jk)

-w-

#1 RemoAnonym
  • 19.08.2022, 10:23h
  • Sicher kann man über die Gestaltung des Plakates streiten.

    Wenn man aber Plakate aufhängt, um auf ein soziales Problem aufmerksam zu machen, muss man das schon dort tun, wo das Problem eh sichtbar ist, also an den Brennpunkten. An anderen Orten wäre die Gefahr viel größer, dass die Plakate missverständlich aufgenommen werden, weil da der Kontext fehlt.

    Es kann doch auch nicht im Sinne der Communities sein, wenn die Atmosphäre eines queeren Kiezes von Kriminalität und augenfälligem Missbrauch beeinträchtigt wird und das achselzuckend hingenommen wird und nicht darauf hingewiesen werden soll. Wir sind nicht mehr in den 60ern, wo Homosexualität eh illegal war und queere Kieze zwangsläufig als halbseiden angesehen wurden.

    Ich sehe in den Plakaten einen Appell an die soziale Kompetenz und das soziale Engagement von queeren Menschen in ihren Kiezen.
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#2 DannyMarc
  • 19.08.2022, 10:37h
  • Die Formulierung "Ball Games" ist natürlich etwas unglücklich gewählt. Das schöne ist, dass darüber endlich diskutiert und auf den Missstand aufmerksam gemacht wird, denn eine Tatsache ist, dass sich dort minderjährige Jungen zum Sex verkaufen und das muss aufhören.
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#3 la_passanteAnonym
  • 19.08.2022, 10:47h
  • Sexarbeit, in jeglicher Form, dient dazu, Geld zum Leben/Überleben zu verdienen, nicht mehr und nicht weniger. Ballspielen statt Geldverdienen beläßt diese Jugendlichen in ihrer Armut. Diese sollte man bekämpfen, anstatt Bekehrungsplakate aufzuhängen.
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