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Remake
"Eine Klasse für sich" wird endlich (offen) queer!
Amazon Prime hat den Klassiker aus den 1990er Jahren rund um ein Frauen-Baseballteam als Serie neu verfilmt – fantastisch gespielt und liebevoll ausgestattet, mit enorm viel Herz und kaum weniger Humor.

Die Rockford Peaches brennen für den Baseball und kämpfen um Anerkennung (Bild: Anne Marie Fox / Prime Video)
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20. August 2022, 02:43h 4 Min.
30 Jahre ist es her, dass die Baseball-Tragikomödie "Eine Klasse für sich" in die Kinos kam und sich als Überraschungserfolg entpuppte. In den USA spielte der Film mehr als 100 Millionen Dollar ein und landete letztlich in der Liste der größten Kinohits des Jahres auf Platz 7, was für einen Film über Sport treibende Frauen in den 1940er Jahren, der noch dazu von einer Frau (nämlich Penny Marshall) inszeniert wurde, auch damals schon eine beachtliche Leistung war.
Am Ende gab es zwei Golden-Globe-Nominierungen (eine für Hauptdarstellerin Geena Davis, die eingesprungen war, als Demi Moore schwanger wurde, sowie eine für die ebenfalls mitspielende Madonna und ihren Song "This Used to Be My Playground") und eine Aufnahme in das prestigeträchtige National Film Registry des US-Kongresses, aber vor allem jede Menge Fans, die den Film bis heute lieben.
Dass die auf wahren Begebenheiten basierende Geschichte über die Frauen-Baseball-Liga, die während des Zweiten Weltkriegs gegründet wurde, weil die männlichen Spieler als Soldaten dienen mussten, auch in serieller Form funktionieren könnte, wurde früh erkannt. Bereits 1993 startete eine Serie namens "A League of Their Own" (so der Originaltitel des Kino-Erfolges) im US-Fernsehen, wurde allerdings nach fünf Folgen wieder abgesetzt. Doch nun gibt es – unter dem gleichen Titel – einen weiteren Versuch (Amazon-Affiliate-Link ), und dass der sich als enorm gelungen erweist, liegt nicht zuletzt daran, dass er alles andere als ein Abklatsch des Films sein will.
Die Spielerinnen werden nicht ernst genommen
Auch dieses Mal steht im Zentrum das (reale) Team der Rockford Peaches, für das 1943 im ganzen Land nach geeigneten Spielerinnen gesucht wird. Entsprechend groß sind die Unterschiede in Sachen sozialer und regionaler Herkunft bei den Frauen, die letztlich im Team von Trainer Porter (Nick Offerman) landen, der als verkrachter Ex-Profi noch der "guten alten Zeit" nachhängt.
Carson ("Broad City"-Star Abbi Jacobson, auch Co-Schöpferin der Serie) etwa kommt vom Land und ist dort Hals über Kopf aufgebrochen, während ihr Mann noch im Armee-Einsatz ist, derweil die glamourös Greta (D'Arcy Carden aus "The Good Place") und ihre Freundin Jo (Melanie Field) selbstbewusst und weltgewandt auftreten. Die rotzige Jess (Kelly McCormack) stammt aus Kanada, Esti (Priscilla Delgado) aus Kuba, Shirley (Kate Berlant) ist eine nervöse Quasselstrippe und Lupe (Roberta Colindrez aus "Vida") eine toughe Latina aus Texas.

Abbi Jacobson (l.) und D'Arcy Carden in "Eine Klasse für sich" (Bild: Nicola Goode / Prime Video)
Sie alle werden von der Presse nicht ernst genommen und vom finanzstarken Teamchef dazu verdonnert, während der Matches mit kurzen Röckchen und Lippenstift so feminin wie möglich zu wirken. Anders, so der Gedanke, guckt sich Frauen-Baseball eh niemand an. Und Mannschaftsbetreuerin Beverly (die wunderbare Dale Dickey) soll als Anstandsdame sogar bei potentiellen Dates mit dabei sein.
Offen lesbische und bisexuelle Protagonistinnen
Widerwillig machen die Spielerinnen alles mit, schließlich ist der Sport ihre Leidenschaft. Und niemand brennt für ihn so sehr wie die aus Rockford stammende Maxine (Chanté Adams). Doch weil die Schwarz ist, darf sie gar nicht erst vorspielen, und muss deswegen reichlich kreativ und widerstandsfähig werden, um doch noch irgendwie Baseballerin sein zu können.
Dass die Grundkonstellation praktisch die gleiche, die Figuren aber ganz andere als in der Vorlage sind, erweist sich für "A League of Their Own" (zu sehen seit 12. August 2022 bei Amazon Prime Video) als Segen. Noch immer ringen die Frauen darum, sich in einer echten Männerwelt zu behaupten, doch dazu kommen nun noch ein paar andere Themenfelder. Zum einen Queerness, denn anders als in der Kino-Version, wo queeres Begehren nur als Subtext und Andeutung existierte, entdecken und leben hier nun gleich eine ganze Reihe der Protagonistinnen ihrer Homo- oder Bisexualität. Und zum anderen Rassismus, der nicht zuletzt für Maxine und ihr Umfeld zur alltäglichen Hürde wird.
Dass Jacobson und ihr Mistreiter Will Graham, die beiden queeren Schöpfer der Serie, Maxines Geschichte größtenteils als parallelen Handlungsstrang erzählen, ist eine der wenigen kleinen, aber womöglich notwendigen Schwächen der Serie. Ansonsten ist ihnen und ihren Mistreiter*innen (darunter "But I'm a Cheerleader"-Regisseurin Jamie Babbit, die die ersten drei Episoden inszeniert hat) ein echtes Streaming-Highlight gelungen, fantastisch gespielt (von einem Ensemble, in dem es nur so wimmelt von queeren Schauspielerinnen) und liebevoll ausgestattet, mit enorm viel Herz und kaum weniger Humor. Und dass sie ihrer berühmten Vorlage nicht zuletzt damit Respekt zollen, dass Rosie O'Donnell hier nun einen Gastauftritt als Betreiberin einer Gay-Bar hat, ist dabei das Sahnehäubchen.
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Links zum Thema:
» "Eine Klasse für sich" bei Amazon Prime Video
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de
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