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Fußball
Rostocker Fans zeigen queerfeindliche Transparente
Beim Zweitliga-Spiel gegen St. Pauli wurde auf Bannern "Gender-Scheiß" verächtlich gemacht und betont, dass Schwule keinen Nachwuchs bekämen.

In sozialen Netzwerken veröffentlichten Rostock-Fans und -Gegner mehrere Bilder der queerfeindlichen Transparente
- 22. August 2022, 09:08h 4 Min.
Zu Updates springen: DFB ermittelt, Hansa-Stellungnahme
Das Heimspiel von Hansa Rostock am Sonntag gegen den FC St. Pauli ist unter anderem von mehreren queerfeindlichen Plakaten der Fans aus Mecklenburg-Vorpommern überschattet worden. "Euer Gender-Scheiss interessiert in Wolgast keine Sau", hieß es etwa auf einem meterlangen Transparent direkt hinter dem Tor in Richtung der Besucher, und direkt darunter: "Hier gibt es nur Jungs, Mädchen, Mann und Frau. Scheiss St. Pauli." Die Botschaft richtete sich somit nicht nur gegen die andere Mannschaft, sondern auch gegen Personen, die sich nicht als Mann oder Frau identifizieren.
Bilder in sozialen Netzwerken zeigten zudem, dass es zu einem anderen Zeitpunkt ebenfalls hinter dem Tor aus anderen Reihen des Fanblocks hieß: "Der Verein ohne Titel. Das wird sich nie ändern. Statt Stern auf dem Trikot nur Meisterinnen im Gendern. Scheiss St. Pauli." Auch dieser Spruch war auf zwei lange Transparenten-Reihen verteilt.
Weitere Rostock-Fans zeigten Twitter-Bildern zufolge zudem ein kleineres Banner mit dem Aufdruck "Schwule bekommen kein Nachwuchs". Sie hingen es über ein großflächiges "Lichtenhagen"-Transparent mit einem Sonnenblumen-Symbol. Genau in diesen August-Tagen vor 30 Jahren war es in dem Rostocker Vorort zu mehrtägigen rechtsextremen Ausschreitungen gekommen, bei denen unter anderem das sogenannte Sonnenblumenhaus angezündet wurde, in dem sich vietnamesische Vertragsarbeiter aufhielten.
/ wordsinrevoltDas obligatorische homophobe Spruchband darf natürlich nicht fehlen #FCSP #fchfcsp pic.twitter.com/hNIupgbQvO
lenny from the block (@wordsinrevolt) August 21, 2022
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Die beiden Vereine haben in sozialen Netzwerken bislang nicht auf die Vorfälle reagiert. Die "Hamburger Morgenpost" veröffentlichte inzwischen (hinter ihrer Paywall) einen Kommentar unter dem Titel "Die dummdreisten Plakate der Hansa-Fans müssen Konsequenzen haben".
Gezielte Aktion gegen queerfreundlichen Verein
Der FC St. Pauli gilt als alternativste Profi-Fußballmannschaft der Männer in Deutschland, als progressiv und queerfreundlich. So war der schwule Theatermacher und LGBTI-Aktivist Corny Littmann zwischen 2003 und 2010 Präsident des Vereins. Zum diesjährigen Hamburger CSD rief der Verein zur Teilnahme auf, während eine Fan-Initiative erneut einen Block in der Demonstration organisierte. Auf dem Millerntor wehte dabei erstmals die Progress-Pride-Flag statt der bisherigen Regenbogenflagge.
Ebenfalls im August lief die Mannschaft bei einem Spiel mit einem Genderstern auf dem Trikot anstelle des Vereinslogos auf (queer.de berichtete). "Bereits seit zwei Jahren ist unsere Satzung gegendert, im Sprach- und Schriftverkehr nutzen wir den Genderstern regelmäßig", so der Verein damals. Man erkenne an "einigen Meinungsäußerungen in der Genderdiskussion deutlich, wie nötig das Ganze nach wie vor ist".
Die Reaktion in Rostock dürfte einen weiteren Beweis geliefert haben. Der Verein war dabei erst vor wenigen Wochen selbst Opfer eines homofeindlichen Vorfalls: Beim Auswärtsspiel beim Hamburger SV war er mit einem langen Transparent mit dem Aufdruck "Ganz MV ist schwul – besonders der Hansa Hool" empfangen worden (queer.de berichtete). Die Hamburger ermittelten danach einige der Fans und wollen den Verantwortlichen des Banners mit einem Stadionverbot belegen (queer.de berichtete). (cw)
Update 16.30h: DFB ermittelt
Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wird nach dem Spiel vom Sonntag ein Ermittlungsverfahren gegen Hansa Rostock einleiten, gab der Verband am Montagnachmittag bekannt. Er verwies dabei auf das Banner "Schwule bekommen kein Nachwuchs!" und jenes, das "Assoziationen an fremdenfeindliche Übergriffe auf das sogenannte Sonnenblumenhaus in Rostock-Lichtenhagen" vermittle.
Der Ausschuss werde den Verein anschreiben und zu einer Stellungnahme zu den gezeigten Bannern auffordern. Nach Vorliegen und Auswertung der Stellungnahme werde das Gremium über den weiteren Fortgang des Verfahrens entscheiden. (cw)
Update 21.20h: Hansa-Stellungnahme
"Homophobie, Rassismus und ähnlich geartete Einstellungen und Ideologien stehen nicht für den F.C. Hansa Rostock und verbieten sich schon allein durch die in der Satzung des Vereins verankerten Werte wie Toleranz", teilte der Verein am Montagabend auf Anfrage mit. Hansa Rostock sei politisch und religiös streng neutral und stehe in all seinen Belangen auf demokratischer Grundlage. "Wie bei allen Spielen des F.C. Hansa Rostock erfolgt auch für die Heimpartie am Sonntag eine Auswertung des gesamten Spieltags – das schließt immer auch Aktionen/Vorkommnisse im Stadion ein. Choreografien, Banner und Tapeten müssen vorab beim F.C. Hansa beantragt werden und benötigen eine Genehmigung", schrieb der Verein weiter.
Zudem erfolge beim Einlass eine Kontrolle der Fanutensilien, die ins Stadion gebracht werden sollen. "Wie sich aber auch in anderen Stadien Deutschlands regelmäßig zeigt, ist es bei aller Kontrolle keinem Verein möglich, das Einbringen bestimmter Utensilien oder Tapeten vollständig zu verhindern, aber deutlich zu erschweren." (dpa)
















Wann handelt die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern endlich angemessen und führt Aktionspläne z.B. mit Schulaufklärungsprogrammen durch die den Namen verdienen und es in anderen Bundesländern schon seit Jahrzehnten gibt?
Dass es diskriminierende Haltungen gibt und sich von einer in die nächste Generation fortsetzen, ist ja nicht erst seit Rostock-Lichtenhagen bekannt.