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Rechter Sender Fox News
"Gays Against Groomers"-Gründerin trat bei Tucker Carlson auf
Jaimee Michell gründete die "Gays Against Groomers". Die wollen "Kinder schützen" – und haben es vor allem auf transgeschlechtliche Menschen abgesehen. Nun trat die Lesbe bei Tucker Carlson auf.

"Gays Against Groomers"-Gründerin Jamie Michell bei einem Interview des rechten Senders "Rebel News" (Bild: Youtube / Rebel News)
- 23. August 2022, 16:46h 4 Min.
Laut Eigenbeschreibung wollen die "Gays Against Groomers" eine "Koalition von Homosexuellen gegen die Sexualisierung, Indoktrinierung und Medikalisierung von Kindern" sein. Abgesehen haben sie es insbesondere auf Propaganda im in den USA tobenden Kulturkampf gegen die Rechte transgeschlechtlicher Menschen. Aber auch die Polarisierung gegen Sexualpädagogik, die geschlechtliche und sexuelle Minderheiten inkludiert, sowie gegen Dragshows gehören zum Agitationsfeld der Gruppe.
Twitter sperrte den Account der Vereinigung mehrfach. Grund: Die schon im Gruppennamen auftauchende Gleichsetzung von transgeschlechtlichen Menschen und schwulen Aktivisten mit Pädosexuellen und ihren Strategien, Kontakt zu ihren Opfern aufzunehmen ("Grooming"). Nun erklärte sich die Gründerin der Gruppe – ausgerechnet beim rechtsradikalen Fox-News-Moderator Tucker Carlson.
Drei mal von Twitter gesperrt
"Woke" Aktivist*innen, die auch als "predators" bezeichnet werden, möchten die "Gays Against Groomers" bekämpfen – und suchen dazu über das Internet nach Mitstreiter*innen. Dabei steht der englischsprachige Ausdruck "predators" wie auch der des "Grooming" in deutlichem Zusammenhang zu sexuellen Gewalttaten. Darüber besteht jedenfalls so wenig Zweifel, dass Twitter im Juli seine Hatespeech-Richtlinien aktualisierte und die Bezeichnung transgeschlechtlicher Menschen als "Groomer" untersagte. Das hatte freilich Konsequenzen für die Hassgruppe und ihre Möglichkeiten, Hassbotschaften zu verbreiten.
Und so ließ sich Jaimee Michell, Gründerin der Gruppe, bei dem für seine rechtsradikalen Ansichten und Verschwörungstheorien berüchtigten Showmoderator Tucker Carlson ins Fernsehen von Fox News dazuschalten. Motivation, wie sie erklärte, auch hier: "Kinder beschützen".
"In einer moralischen Gesellschaft" würde die "Sexualisierung von Kindern" kriminalisiert werden. Aber das zähle wohl nicht mehr, so Michell. Auch, wenn die Lesbe stets darum bemüht ist, zu behaupten, die Mehrheit der "Community" stehe auf ihrer Seite, wird aus solchen Erzählungen das dahinter liegende Weltbild deutlich. Demnach ist die gesamte Gesellschaft moralisch korrumpiert und der Wille von Mehrheiten werde längst zugunsten von Minderheiten nicht mehr umgesetzt.
Zwischenzeitlich hatte man auf Twitter versucht, der Hatespeech-Regel durch die Umformulierung von "Groomer" in "Broomer" zu entgehen. Doch es nutzte nichts. Drei mal in drei Monaten sei die Twitterseite der Gruppierung gesperrt worden, erzählte Michell Carlson. Rechten Fernsehzuschauer*innen mit ihrer feinen Antenne für "Cancel Culture"-Vorgänge dürfte der Auftritt jedenfalls gefallen haben.
Nicht das erste Interview ganz rechts
Doch Carlson ist nicht der einzige Rechtsaußen, dem Michell als Lesbe zu Diensten ist. Im Juli trat sie bereits für die kanadische Alt-Right-Nachrichtenseite "Rebel News" auf, die in der Vergangenheit etwa mit Breitbart News verglichen worden ist. Man hasse es, sagte sie da, dass man als Homosexuelle mit dem Phänomen assoziiert werde. Das, wofür die Homosexuellen-Bewegung einmal gestanden habe, existiere nicht mehr.
Sie wolle Distanz zwischen den geistig gesunden Homosexuellen und den "Aktivist*innen" schaffen. Immerhin schwinde angeblich die gesellschaftliche Akzeptanz für erstere wegen letzteren – etwas, das wegen der "schrecklichen Videos und Bilder" von Events, bei denen Kinder involviert sind, "schwer zu verurteilen" sei.
Das waren jedoch noch nicht die krassesten Entgleisungen der transfeindlichen Aktivistin. In einem Interview mit dem rechtsradikalen Nachrichten-Netzwerk One America News hatte Michell gegenüber Ärzt*innen, die transgeschlechtliche Jugendliche geschlechtsaffirmierend und damit gemäß der Empfehlungen der maßgeblichen medizinischen Vereinigungen behandeln, eine klare Ansage gemacht.
Diese seien nicht nur so schlimm wie der berüchtigte Nazi-Mediziner Josef Mengele, der an Tausenden Insass*innen des Konzentrationslagers Auschwitz Experimente durchgeführt hat. Die Kinder haben die grausamen Versuche häufig nicht überlebt. Vielmehr würde Mengele, so Michell, von den transfreundlichen Ärzt*innen in den Schatten gestellt.
Gegenüber den Kanadier*innen sprach Michell übrigens auch über sich selbst. Sie habe im Leben zwei Coming-outs gehabt. Gemeint ist ihr Coming-out als lesbisch sowie dasjenige als "konservativ". Letzteres sei jedoch in den USA inzwischen viel härter als ersteres. Wenn man heutzutage nicht als homosexuell rauskomme, sei es beinahe so, als würde auf einen herabgesehen.
Auf der Plattform Instagram hat die Gruppe gegenwärtig 106.000 Follower*innen. Für den Fall, dass auch Instagram den transfeindlichen Aktivist*innen zu Leibe rückt, steht schon ein zweiter Account zur Verfügung. Der hat zwar noch keine Inhalte, aber schon knapp 30.000 Follower*innen.
Einer Studie zufolge glauben übrigens 63 Prozent der republikanischen Parteianhänger*innen in den USA, dass transgeschlechtliche Menschen es darauf abgesehen hätten, ihren "Lebensstil" Kindern "aufzudrängen". Das Thema treibt, wie es die Studie zeigt, vor allem Jüngere um, und zwar in beiden Parteien (queer.de berichtete). (jk)















Ist im übrigen kein US-spezifisches Problem. Die gleichen Hassgruppen kuscheln hier ja auch miteinander. Aber hey, "man muss auch immer beide Seiten sehen", gell, liebe Politik und Medien (und immer schön betroffene trans Menschen, die es wagen Öffentlichkeit für genau diese Personenen zu kritisieren, in Vergleichen mit bücherverbrennende Nazis diskreditieren, nicht wahr, lieber rbb?).