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Auswuchs von Homo-Panik?

Russland: Angeblicher Sex am Fenster – zwei Männern droht 20 Jahre Haft

Nachbarn informierten die Behörden, nachdem Kinder beim Spielen die Männer beobachtet haben wollen.


Symbolbild – Es bleibt unklar, was die beiden Männer tatsächlich anstellten (Bild: ketut-subiyanto / pexels)

  • 26. August 2022, 13:39h 19 3 Min.

Russischen Medienberichten zufolge befinden sich derzeit zwei Männer in U-Haft, nachdem sie – in einer Wohnung – Sex gehabt haben sollen. Zwei Nachbarskinder, 12 und 13 alt, sollen die beiden Männer zufällig durch deren Fenster in der ersten Etage der Wohnung im Moskauer Stadtteil Lefortowo beobachtet haben, als sie zum Scooter-Fahren auf der Straße waren.

Nachdem die Kinder sich an eine Mutter wandten und diese die Schilderungen als Beschreibung von Sex deutete, rief sie besorgt die Polizei, die die beiden Männer festnahm. Der 21-jährige Timur und der 22-jährige Daniil befinden sich nun in zweimonatiger Untersuchungshaft in einer entsprechenden Einrichtung. Gegen sie läuft praktisch ein Verfahren zu Kindesmissbrauch, nach einem Paragrafen zu "gewalttätigen Handlungen sexueller Natur". Bezogen auf Personen unter 14 Jahre drohen ihnen zwischen 12 und 20 Jahren Gefängnis.

Mutter rudert zurück

Gefängnis für ein mutmaßliches schwules Paar, das privat einvernehmlichen Sex gehabt haben soll? So fand die Geschichte größere Verbreitung in russischen Medien. Während den Männern in der Untersuchungshaft die Kommunikation zu Verwandten, Freunden oder Medien verboten ist, meldeten sich ihre Familien zu Wort.

So sagte eine der Mütter, ihr Sohn sei nicht schwul, sondern habe eine Freundin. Auch hätten die Männer keinen Sex gehabt. In dem Haus sei ein Wasserrohr gebrochen und die Männer hätten versucht, den Schaden zu beheben. Dazu hätten sie sich ihrer Kleidung entledigt, damit diese nicht nass wird. Auch Nachbarn meldeten sich zu Wort: Nur einer der Männer habe in der Wohnung gewohnt, der andere sei ganz selten zu Besuch gewesen.

Inzwischen meldete sich auch die Mutter, die die Polizei gerufen hatte, zu Wort. Ein solches Vorgehen gegen die beiden jungen Männer, die in einem persönlichen Gespräch mit ihr "sehr nett" gewesen seien, habe sie nicht gewollt, vielmehr hätten die Beamten ein ermahnendes Gespräch mit den Männern führen und vielleicht ein Ordnungsgeld verhängen sollen. Gemäß den Schilderungen der Kinder wären die Männer laut gewesen und hätten sich nackig gegenseitig mit Wasser beworfen. Tatsächliche sexuelle Handlungen wurden offenbar nicht beobachtet, sondern als Geschehen außerhalb des sichtbaren Fensterausschnittes von den Kindern und/oder der Mutter vermutet.

Gesetz zu "Homo-Propaganda" vor Verschärfung

Der Vorfall platzt in einer Zeit, in der in der Duma mehrere Vorlagen zur Verschärfung des Gesetzes gegen "Homo-Propaganda" debattiert werden – der bisherige einschränkende Bezug auf Minderjährige bzw. Jugendschutz soll entfallen (queer.de berichtete). Vor wenigen Tagen forderte auch die Medienaufsicht Roskomnadsor von Buchhandlungen im Rahmen ihrer Selbstregulierung, die Verbreitung von Büchern mit LGBTI-Inhalten einzustellen. "Die Verbreitung von Propaganda abweichender Beziehungen in jeglicher Form entspricht nicht den traditionellen Werten der russischen Gesellschaft und stellt nicht nur eine Gefahr für Minderjährige, sondern für die gesamte Gesellschaft dar", so die Behörde, die bereits mehrfach queere Webseiten zensiert hatte.

Nach Beginn des Angriffskriegs auf die Ukraine hatte Russland seine Rhetorik und sein Vorgegen gegen sexuelle Minderheiten weiter verschärft. So wurden mehrere LGBTI-Aktivist*innen und -Organisationen als "ausländische Agenten" eingestuft oder ganz aufgelöst (queer.de berichtete). Unter anderem der russische Patriarch Kyrill stellte den Krieg als Gegenwehr gegen den Westen und seine Werte wie "Gay-Pride-Paraden" dar (queer.de berichtete). (cw)

-w-

#1 ErgoAnonym
  • 26.08.2022, 16:52h
  • Ergo: Ist halt Sch***e in keinem an den Menschenrechten orientierten Rechtsstaat zu leben!
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#2 FinalmSposatoEhemaliges Profil
  • 26.08.2022, 17:07h
  • Wenn der Staatsapparat will kann man mit so nem Paragrafen jeden missliebigen Bürger für Jahrzehnte wegsperren. Ob da einer schwul ist oder nicht spielt längst keine Rolle mehr. So fängt es eben an.
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#3 lindener_H_BLN
  • 26.08.2022, 17:28hBerlin
  • Mut einem solchen Gesetz im Hintergrund, kann jeder oder jede ein queeres Paar jederzeit denunzieren. Wenn gewollt, kann man ja alles einfach behaupten oder glaubt Kindern mehr als den Betroffenen. Ein Terrorgesetz. Selbst im Falle, sie hätten tatsächlich Sex gehabt.... 20 JAHRE???
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