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Interview

Nicht-weiß und queer in Deutschland: Was hat sich verbessert?

Mit ihrem Podcast "BBQ" geben Dominik Djialeu Tchuani und Zuher Jazmati queeren BIPoC-Stimmen seit Ende 2019 Gehör. Nach 30 Folgen sprachen wir mit ihnen über das Erreichte, Intersektionalität und Wunschgäste.


Podcaster Dominik Djialeu Tchuani (l.) und Zuher Jazmati (Bild: Felix Müller)

Was ist der BBQ-Podcast?

Dominik Djialeu Tchuani: BBQ steht für "Black Brown & Queer". Mit unserem monatlichen Podcast rücken wir die Perspektiven von nicht-weißen und queeren Menschen in Deutschland nach vorne. Das bedeutet, wir überlegen uns monatlich ein gesellschaftsrelevantes Thema, über das wir gerne sprechen wollen, und laden uns dazu passende Gäst*innen einen. Der Name BBQ ist ein Wortspiel und wird wie das Barbecue ausgesprochen. Denn auch ernste Themen besprechen wir in entspannter und lockerer Atmosphäre, so, als hätten wir Freund*innen zum Grillen eingeladen.

Warum habt ihr, um eure Message zu verbreiten, das Medium "Podcast" gewählt?

Zuher Jazmati: Das Medium "Podcast" ist natürlich ein gerade und auch künftig sehr populäres Medium, um den jeweiligen Themen eine Plattform zu bieten. Die Popularität hat seine guten Gründe: Podcasts sind sehr demokratisch, weil sie recht einfach und schnell erstellt und publiziert werden können. Du brauchst theoretisch nur ein Handy und eine Plattform, auf der du deinen Podcast hochlädst. Wir waren aber auch schon davor Podcast-Fans, und da war es sehr naheliegend, dass wir dann selber einen starten, damit wir und unsere Message Gehör finden.

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Eure erste Folge kam im Dezember 2019 raus, ihr meintet damals, dass ihr der Meinung seid, dass queere BIPoc Perspektiven in den deutschen Medien zu kurz kommen und ihr das mit eurem Podcast ändern wollt. Was hat sich seither getan?

Dominik: Unter anderem durch den rassistischen Anschlag in Hanau im Februar 2020 und der Ermordung von George Floyd im Mai 2020 und den damit verbundenen Black-Lives-Matter-Demonstrationen in den USA sind auch bei uns verstärkt Debatten um Rassismus geführt worden. Viele Menschen haben nun verstanden, dass Rassismus nicht nur etwas aus den Geschichtsbüchern ist, sondern dass nicht-weiße Menschen auch in Deutschland weiterhin Alltagsrassismus erfahren und selbstverständlich auch systematischem Rassismus ausgeliefert sind.

Viele Medienhäuser haben nun scheinbar verstanden, dass wir BIPoC mit unseren Perspektiven zu Wort kommen müssen und dass die Zeiten vorbei sind, in denen einfach nur über uns anstatt mit uns gesprochen wurde. Das hat sich auch auf unsere Repräsentanz in den Medien ausgewirkt. Gerade die öffentlich-rechtlichen Häuser haben in den letzten Monaten viele spannende Podcasts, Aufklärungsformate und Talkshows auf den Markt gebracht. Auch unabhängig davon, wird sich gerade verstärkt um Diversität bemüht. Da sehe ich eine positive Entwicklung, die hoffentlich weiter so anhält und irgendwann zur "Normalität" wird. Dass wir nun als queerer und nicht-weißer Podcast, also einer Nische in der Nische, bei einem Unternehmen wie Spotify unter Vertrag genommen wurden, wäre wohl 2019 bei unserem Start noch undenkbar gewesen.

Ihr habt eine unglaubliche Themenvielfalt: BDSM, Islam und Queerness, queere Elternschaft oder wie aktuell das Thema "Witze auf Kosten marginalisierter Menschen". Ihr seid dabei nicht nur super vorbereitet für die einzelnen Folgen, sondern ladet auch Expert*innen ein, mit denen ihr über diese Themen diskutiert. Wie wählt ihr eure Gäst*innen aus?

Zuher: Das kommt immer ganz auf das Thema und die Folge an, wie wir unsere Gäst*innen auswählen. Viele von ihnen kannten wir aber schon vorher, da wir natürlich schon vor dem Podcast sehr viel Communityarbeit gemacht und dadurch ein großes Netzwerk an super-spannenden queeren und/oder nicht-weißen Menschen uns aufgebaut haben. Das heißt, dass wir manchmal das Thema nach den Gäst*innen und ihrer Expertise ausrichten. Und dann gibt es natürlich aber auch Themen, die wir gerne besprechen wollen, und da überlegen wir, wen wir kennen oder wen wir sehr gerne mal einladen möchten.

Und wenn ihr von allen Menschen auf der Welt jemanden aussuchen könntet, wen hättet ihr gerne in eurem Podcast?

Dominik: Ich würde mich riesig darüber freuen, wenn wir es noch schaffen, Bruce Darnell als Gast begrüßen zu können. Ebenso wie den Schauspieler Pierre Sanoussi-Bliss. Beide haben auf ihre ganz eigene Art in der Medienwelt Grenzen verschoben. Mich würde interessieren, was sie so für Erfahrungen gemacht haben, was ihr Antrieb war und wie sie heutige Entwicklungen betrachten.

Zuher: Ich fänd es cool, mal ein Gespräch mit Claudia Roth zu führen. Sie hat eine so spannende Biographie und hat sich immer schon gegen Queerfeindlichkeit und Rassismus positioniert. Und dann würde ich noch super gerne mal mit Senna Gammour sprechen, die ein popkulturelle Ikone ist.

In eurer Bonusepisode "Wie alles begann" meintest du, Zuher, dass dein PoC-Sein in dieser Gesellschaft eine viel wichtigere Rolle spielt als dein Queersein. Möchtest du für unsere Leser*innen genauer darauf eingehen, was du damit meinst?

Zuher: Ich bin als Syrer in Berlin geboren und aufgewachsen. Meine Identität als nicht-weiß-deutscher Mensch in diesem Land war sehr prägend für mich, weil damit viel einherging: schöne Momente von syrischen Festen, Schmerz und Verletzung aufgrund des Rassismus. Oder die ständige Auseinandersetzung damit, ob man sich zugehörig in diesem Land fühlen kann oder nicht. Dass ich immer schon unsere Familienurlaube nach Aleppo geliebt und Arabisch früh schon gelernt habe. Der Hass und die Gewalt, der sich gegen Muslim*innen und Geflüchtete richtet. Ich könnte die Liste noch unendlich weiterführen. Das sind alles Erfahrungen und Teile meiner Biografie, die sehr wirkungsmächtig waren und die mich dazu veranlasst haben zu sagen, dass sie in meinem Leben eine stärkere Rolle gespielt haben als mein Queersein. Das bedeutet natürlich nicht, dass Queerness keine Rolle in meiner Biografie gespielt hat, nur war die andere Erfahrung eben präsenter.

In eurem Podcast beleuchtet ihr ja viele Intersektionen. Was verbindet ihr mit dem Wort "Intersektionalität"?

Dominik: Mit Intersektionalität wird das Überschneiden von mehreren Diskriminierungsformen bei einer Person verdeutlicht. Eine Schwarze Frau kann zum Beispiel von Rassismus und gleichzeitig aber auch von Sexismus, Homophobie, Transphobie, Behindertenfeindlichkeit, Altersdiskriminierung oder von Klassismus betroffen sein, um ein paar mögliche Formen zu nennen. Wenn wir uns das wie eine Straßenkreuzung vorstellen, treffen hier die zutreffenden Diskriminierungsformen aufeinander, überschneiden sich und können die Diskriminierung sogar noch verstärken. Ich halte es für wichtig, dass wir solche Dinge mitdenken. Übrigens haben wir mit der Autorin Emilia Roig eine tolle BBQ-Episode zu dem Thema gemacht.

-w-