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Westbalkan

Serbiens Regierung will Europride in Belgrad verhindern

Angeblich aufgrund aktueller Krisen im Land sagte Serbiens Präsident Aleksandar Vucic die Pride-Parade am 17. September in der Hauptstadt Belgrad ab – die Organisator*innen wollen trotzdem demonstrieren.


Teilnehmerin beim CSD Belgrad 2019 (Bild: Bojan Cvetanović / wikipedia)
  • 27. August 2022, 12:51h 7 3 Min.

Serbiens Regierung hat die für den 17. September in Belgrad geplante Europride-Demonstration abgesagt. Von Seiten der Organisator*­innen hieß es jedoch umgehend, dass der Umzug dennoch stattfinden werde, da die Regierung kein Recht dazu habe, diesen zu verbieten.

In Übereinstimmung mit der Mehrheit des Kabinetts und auch der lesbischen Regierungschefin Ana Brnabic werde "die Pride-Parade, oder wie auch immer man sie nennen mag, verschoben oder abgesagt", sagte Präsident Aleksandar Vucic am Samstag. Zur Begründung verwies er auf die vielen Probleme, mit denen sein Land derzeit konfrontiert sei, darunter den Streit mit dem Nachbarland Kosovo.

"Klarer Verstoß gegen die Verfassung"

"Der Staat kann den Europride nicht absagen – er kann nur versuchen, ihn zu verbieten, was ein klarer Verstoß gegen die Verfassung wäre", erklärte Marko Mihailovic, einer der Pride-Organisator*innen per Twitter. Dazu gebe es klare Urteile des Verfassungsgerichts. Mitte August hatte der deutsche Queerbeauftragte Sven Lehmann (Grüne) angekündigt, am 17. September im Namen der Bundesregierung nach Belgrad zu reisen (queer.de berichtete). Er werde "natürlich dort sein", bestätigte Lehmann am Samstag auf Twitter.

/ svenlehmann

In den letzten Wochen hatten rechtsradikale Organisationen sowie Vertreter*innen der Serbisch-Orthodoxen Kirche u.a. mit einer Demonstration Stimmung gegen den Europride gemacht (queer.de berichtete). Der europäische CSD wird seit 1992 abwechselnd in verschiedenen europäischen Hauptstädten organisiert, Serbien hätte nun die erste Station in Südosteuropa sein sollen. Die Organisator*innen hatten bereits zuvor betont, wie wichtig die Ausrichtung von Europride in Serbien für die Gleichstellung sexueller Minderheiten "auf dem Westbalkan" sei.

Lesbische Regierungschefin, aber kein queerfreundliches Land

Serbien ist zwar eines der wenigen Länder, das in Brnabic eine offen lesbische Regierungschefin hat. Doch viele Angehörige sexueller Minderheiten in dem Land sehen sich weiterhin mit Tabus, Vorurteilen und auch Gewalt konfrontiert. In einer im Jahr 2020 veröffentlichten Erhebung der Menschenrechtsorganisationen Ideas und Glic berichteten fast 60 Prozent der befragten Angehörigen sexueller Minderheiten von Erfahrungen mit körperlichen oder emotionalen Misshandlungen.

Die serbische Öffentlichkeit lehnt LGBTI-Rechte derzeit mehrheitlich ab. Laut einer Umfrage vom letzten Jahr sprechen sich etwa nur 26 Prozent der Bevölkerung des EU-Beitrittskandidaten für die Abschaffung des Ehe-Verbots für Schwule und Lesben aus. Allerdings befürwortet die Mehrheit die Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Beziehungen. Mehr als zwei Drittel sprechen sich zudem dafür aus, dass die queere Community in Pride-Paraden öffentlich demonstrieren darf.

Die Serbisch-Orthodoxe Kirche spielte in der Vergangenheit eine wichtige Rolle bei der Beeinflussung der öffentlichen Meinung über Schwule, Lesben und andere sexuelle Minderheiten – unter anderem, indem sie die Pride-Paraden in Belgrad als "Schande" brandmarkte. (cw/AFP/dpa)

-w-

#1 FliegenAnonym
#2 menoAnonym
  • 27.08.2022, 22:46h
  • Antwort auf #1 von Fliegen
  • Warum sollten sie das nicht wollen und warum sollte sich das als hinderlich aus serbischer Sicht darstellen, wenn es innerhalb der EU bereits ebenso Länder gibt die ähnlich vorgehen?

    Wenn in der EU ähnliche Situation (mangelnde Rechte und Freiheiten, diskriminierende Sozialsysteme etc.) bei mehreren Mitgliedern toleriert wird, kann man auch sehr schlecht argumentieren und rechtfertigen - warum von Beitrittskandidaten mehr verlangt und mit zweierlei Maß gemessen wird.

    Das ist leider das Problem, dass wir in der EU haben, und Serbien spielt dabei erst einmal keine Rolle. Das sollte man erst einmal bei allen EU-Ländern auf die Reihe bekommen, und dann selbstverständlich auch bei den Beitrittskandidaten zur Bedingung machen. Davon sind wir aber immer noch weit entfernt.

    Übrigens, genau dieselbe Argumentation ("wir haben wichtigere Probleme als...") kam in Deutschland jahrelang von fast allen Seiten, die die Eheöffnung und davor noch die Gleichstellung von eingetragenen Lebenspartnerschaften im Steuerrecht nicht wollten. Keine 10 Jahre ist es her...
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#3 why notAnonym
  • 28.08.2022, 00:23h
  • Antwort auf #2 von meno
  • nun warum?
    na weil staaten die die aufnahme bedingungen nicht erfüllen schlicht nicht für die eu bereit sind.
    das geeiere (welches bereits erstaunlich ist) reicht nicht - dies zeigten uns ungarn, polen, litauen, estland, bulgarien usw.
    klar - politisch wichtig - weil putler!
    aber bereit für (umfassende) menschenrechte?
    leider nur ein gut gemeintes jein bzw nein.
    und eben da liegt das problem.
    Ich persönlich finde das eben solches der grund ist wenn eine eu dann eine eu die fair ist und keine lügen (wirtschafts) union.
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