https://queer.de/?43054
Vatikan
Trotz Befürwortung des Homo-Verbots: William Goh zum Kardinal ernannt
Papst Franziskus hat mit William Goh ausgerechnet einen Bischof befördert, der dafür gekämpft hat, Homosexuelle ins Gefängnis zu bringen.

Neu-Kardinal William Goh kämpfte dafür, dass Homosexualität in Singapur weiterhin mit Gefängnisstrafen geahndet wird
- 29. August 2022, 10:50h 3 Min.
Papst Franziskus hat am Samstag im Petersdom 20 neue Kardinäle ernannt, darunter mit William Goh auch einen Geistlichen, der sich für die staatliche Verfolgung von Homosexualität eingesetzt hat. Goh, der Erzbischof von Singapur, sprach sich 2018 in einem Hirtenbrief für die Beibehaltung des Paragrafen 377a aus, der männlichen Homosexuellen mit bis zu zehn Jahren Haft droht (queer.de berichtete).
Damals argumentierte Goh: "Wenn homosexuelle Handlungen als gesellschaftliche Norm akzeptiert werden, wird das schreckliche Konsequenzen auf die Stabilität unserer Familien sowie auf das Wohlergehen unserer Kinder haben und die Risiken für das Allgemeinwohl werden langfristig und unumkehrbar sein."
Eine Reform konnte Goh hingegen nicht aufhalten: Singapur verkündete erst vor gut einer Woche, dass man das Gesetz abschaffen werde (queer.de berichtete). Als Zugeständnis an homosexuellenfeindliche Kräfte will das Land aber ein Ehe-Verbot für Schwule und Lesben in der Verfassung verankern. Kardinal Goh gab sich nach der Ankündigung der Regierung toleranter als in seinem Hirtenbrief: Er erklärte, seine Kirche stehe dem Gesetzespaket "neutral" gegenüber.
Zusätzlich untersagt die Medienaufsichtsbehörde in Singapur seit Jahren, dass der "homosexuelle Lebensstil" im Fernsehen und im Radio "beworben" wird. Das führt auch dazu, dass etwa HIV-Aufklärung in den Medien praktisch verboten ist.
Auch reformorientierte Kräfte befördert
Franziskus ernannte am Samstag auch reformorientierte Bischöfe zu Kardinälen – etwa den Amerikaner Robert McElroy, der das Bistum San Diego anführt. Der 68-Jährige macht sich nicht nur für Einwander*innen stark, sondern setzte sich in den letzten Jahren auch für die Akzeptanz von queeren Menschen ein. New Ways Ministry, eine queer-katholische US-Organisation, lobte McElroy dafür, dass er anders als viele andere amerikanischen Bischöfe "kein Kulturkämpfer" sei, sondern sich für "Gerechtigkeit und die Versöhnung zwischen LGBTQ und der Kirche" einsetze.
Der Erenennungszeremonie im Petersdom wohnten auch die beiden deutschen Kardinäle Reinhard Marx sowie der umstrittene Erzbischof von Köln, Rainer Maria Woelki, bei. Woelki steht derzeit wegen eines Missbrauchsskandals massiv unter Druck. Er gilt außerdem als der wohl LGBTI-feindlichste Bischof in Deutschland, der etwa das Segnungsverbot für Homo-Paare ausdrücklich gelobt hat (queer.de berichtete).
/ vaticannews_deAuch dieses Mal haben die neuen Kardinäle nach dem Konsistorium in Begleitung von @pontifex_de den emeritierten Papst Benedikt XVI. aufgesucht. Gemeinsam beteten sie das Salve Regina, bevor sie in verschiedenen Vatikanräumlichkeiten Glückwünsche entgegennahmen. #Konsistorium2022 pic.twitter.com/tBrNxMhhjr
Vatican News (@vaticannews_de) August 27, 2022
|
Kardinal ist in der katholischen Kirche die ranghöchste Position nach dem Papst. Die wichtigste Aufgabe dieser Gruppe ist es, einen neuen Papst zu wählen. Wahlberechtigt sind alle Kardinäle unter 80 Jahren – derzeit sind dies 132 Männer. Derzeit wird darüber spekuliert, ob Franziskus wie sein Vorgänger Benedikt XVI. zurücktreten will – die Kardinalsernennungen könnten ein Zeichen dafür sein, dass der 266. Papst seine Nachfolge regeln will. (dk)















