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Rechtshilfeersuchen

Ehemann getötet? Berliner Staatsanwalt ermittelt gegen deutschen Diplomaten

Die Berliner Justiz schaltet sich in den Fall eines deutschen Konsularbeamten ein, der beschuldigt wird, in Brasilien seinen Ehemann getötet zu haben. Der Verdächtige soll sich nach Deutschland abgesetzt haben.


Der Verdächtige bestreitet, seinen Ehemann getötet zu haben

  • 30. August 2022, 13:32h - 3 Min.

Die Berliner Staatsanwaltschaft hat sich in die Ermittlungen gegen einen deutschen Konsularbeamten in Brasilien eingeschaltet. Der 60-Jährige steht unter Verdacht, seinen belgischen Ehemann getötet zu haben (queer.de berichtete).

Es werde derzeit ein Rechtshilfeersuchen an Brasilien vorbereitet, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Dienstag. Weitere Angaben seien derzeit nicht möglich. Nach einem Bericht des "Spiegels" ist der Deutsche zwischenzeitlich nach Deutschland zurückgekehrt und am Montag mit einer Linienmaschine am Flughafen Frankfurt am Main angekommen.

Der 60-Jährige war Anfang August nach dem Tod seines Ehemannes in der brasilianischen Millionenmetropole Rio de Janeiro festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft von Rio klagte ihn am Montag wegen Mordes an und forderte Untersuchungshaft, ein Gericht in Rio gab dem am Montagabend (Ortszeit) statt. Der zuständige Richter ordnete einer Mitteilung des Gerichts zufolge zudem an, den Namen des Konsularbeamten auf die Interpol-Liste der gesuchten Personen zu setzen – der Beschuldigte hatte laut Mitteilung am Sonntag einen Flug nach Deutschland angetreten.

Reisepass nicht einbehalten

Ein Gericht in Rio hatte zuvor die Freilassung aus der mehrwöchigen Untersuchungshaft angeordnet. Die Staatsanwaltschaft habe die Frist verstreichen lassen, bis zu der sie die Einleitung eines Strafverfahrens hätte beantragen müssen, teilte die zuständige Richterin am Samstag auf Anfrage mit. Zuvor war ein anderer Antrag des Deutschen auf Haftentlassung noch abgelehnt worden. Die Justiz habe zwar seine Freilassung angeordnet, aber nicht die Einbehaltung des Passes bestimmt, sagte die zuständige Polizeibeamtin Camila Lourenço der Deutschen Presse-Agentur. "Das hat seine Flucht erleichtert."

Der Mann steht in Verdacht, seinen belgischen Ehemann am 5. August umgebracht zu haben. Der Beschuldigte selbst hatte angegeben, sein Mann sei nach einem Streit unter Alkohol- und Medikamenteneinfluss vom Balkon der gemeinsamen Wohnung gestürzt. Die Polizei bezweifelt das. In der Wohnung, besonders im Schlaf- und im Badezimmer, seien Blutspuren festgestellt worden.

Aufgrund des Obduktionsberichts gehen die Beamten davon aus, dass ein Schlag auf den Hinterkopf zum Tod führte. Am Körper des Opfers seien zudem mehrere frische und alte Verletzungen festgestellt worden. Dies deute darauf hin, dass der Mann sowohl am Tag des Todes als auch zuvor starken körperlichen Leiden ausgesetzt gewesen sei, hieß es damals.

Das Auswärtige Amt äußerte sich laut "Spiegel" zurückhaltend. Man habe in den letzten Wochen mit den lokalen Behörden Kontakt gehabt und erfahren, dass der Deutsche aus der Haft entlassen worden sei, zitierte das Magazin einen Sprecher. Er könne aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes keine weiteren Angaben machen. (dpa/cw)