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"Das Drama des gewöhnlichen Homosexuellen"
Queerfeindliche Bücher indiziert
Auf Antrag des LSVD hat die deutsche Jugendschutzbehörde zwei Werke eines notorischen Homo-"Heilers" auf den Index gestellt.

Zwei Bücher von Gerard J. M. van den Aardweg dürfen in Deutschland nicht mehr beworben werden (Bild: reenablack / pixabay)
- 30. August 2022, 15:13h 3 Min.
Die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz hat zwei queerfeindliche Bücher des niederländischen Psychologen Gerard J. M. van den Aardweg auf die Liste der jugendgefährdenden Medien gestellt. Das teilte der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) am Dienstag mit. Der LSVD hatte bereits im November 2020 die Behörde aufgefordert, ein Indizierungsverfahren gegen die extrem queerfeindlichen Schriften "Die Wissenschaft sagt NEIN – Der Betrug der Homo-'Ehe'" und "Das Drama des gewöhnlichen Homosexuellen: Analyse und Therapie" einzuleiten.
"Wir sind froh, dass die Bundeszentrale endlich gehandelt hat und die gefährlichen Schriften des Autors Dr. Gerard J. M. van den Aardweg als das eingestuft hat, was sie sind: eine Gefahr für Kinder und Jugendliche", erklärte Hartmut Rus, der Koordinator des Netzwerkes "Mission Aufklärung" beim LSVD. "Beide Bücher diskriminieren auf menschenverachtende Weise Lesben, Schwule, Bisexuelle und trans* Personen (LSBT). Dabei bedient sich der Autor falscher, manipulativer, tendenziöser und pseudowissenschaftlich verpackter Unterstellungen und Vorurteilen."
Autor verleugnete Nazi-Verfolgung
Im Buch "Die Wissenschaft sagt NEIN" werde unter anderem die rechtliche Verfolgung von queeren Menschen im Nationalsozialismus geleugnet und die Verurteilung von Rosa-Winkel-Trägern in den Konzentrationslagern als rechtmäßig dargestellt. Homosexualität werde mit Pädophilie und sexuellem Missbrauch in Verbindung gebracht und dämonisiert. Das Buch "Das Drama des gewöhnlichen Homosexuellen: Analyse und Therapie" enthalte laut LSVD Anleitungen, die im Rahmen von Selbst-Konversionsbehandlungen in gewalttätiger Sprache zu selbstschädigendem Verhalten aufrufen.
"In beiden Büchern wird die menschenverachtende Sicht des Autors, der aus seiner eigenen 'Therapie'-Praxis erzählt, auf die Betroffenen sichtbar", so Rus. "Die hohen Versagensquoten der 'Therapien' (Abbrüche oder Zusammenbrüche) seien nicht etwa darauf zurückzuführen, dass Homosexualität nicht heilbar sei, sondern auf die schwache oder labile Motivation homosexueller Menschen." Der LSVD habe dank des neuen Gesetzes gegen Konversionstherapien im Sommer 2020 erreichen können, dass einige dieser Werke von den größten Online-Plattformen weitgehend entfernt wurden. "Leider gibt es kaum Informationen, inwieweit religiöse Buchhändler*innen und Antiquariate sowie homophobe Kreise solche jugendgefährdenden Schriften weiterhin verbreiten. Wir beobachten aber, dass auch heute die Bücher von Aardweg in einschlägigen Kreisen explizit empfohlen werden", sagte Rus.
Trotz der Indizierung ist "Die Wissenschaft sagt NEIN" am Dienstagnachmittag noch immer über mehrere externe Händler*innen bei amazon.de erhältlich.

(Bild: amazon.de)
Eine Indizierung bedeutet kein Buchverbot. Derartige Werke dürfen aber im Handel nicht öffentlich ausgelegt und nur an Kund*innen ab 18 Jahren auf Nachfrage abgegeben werden. In Medien, die Jugendlichen zugänglich sind, dürfen diese Bücher außerdem nicht beworben werden. (dk)















Kämpft da jemand mit seinen eigenen Dämonen, die es zu unterdrücken gilt?