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Interview

Wie kam es zur queeren Hauptrolle, Nico Stank?

In der neuen Komödie "Freibad" von Doris Dörrie spielt der schwule Comedian eine genderfluide Figur. Wir sprachen mit dem 33-Jährigen über den Film, seine zentrale Szene "Sei du!" und das erste Soloprogramm.


Nico Stank als Kim in der Komödie "Freibad" von Doris Dörrie (Bild: Mathias Bothor / Constantin Film)

Nico Stank, geboren im Ruhrgebiet, entdeckt schon in der Schulzeit seine Liebe für Schauspielerei und Comedy. Er spielt im Jungen Ensemble am Schauspielhaus Bochum, lässt sich 2009 zum Musicaldarsteller ausbilden. Mittlerweile arbeitet er als Schauspieler, Synchronsprecher und Stand-up-Comedian. Auf Instagram und TikTok thematisiert der 33-Jährige sein Schwulsein, versucht mit Selbstironie und Mut eine Vorbildfunktion für seine Follower zu sein. Seine Comedyfigur "Nicola" hat bereits Kultchararakter.

Prompt wird die Kinobranche auf ihn aufmerksam. An der Seite von Elyas M'Barek spielt Nico Stank in "Liebesdings". Nun kommt er als genderfluide Kim in der Komödie "Freibad" von Doris Dörrie in die Kinos – seine erste Hauptrolle. Im Herbst 2022 geht er mit seinem ersten Soloprogramm "merkste selber" auf große Deutschland-Tour.


Poster zum Film: "Freibad" startet am 1. September 2022 im Kino

Nico, in einem aktuellen Facebook-Eintrag schreibst du: "Schon 33 und ich hatte eindeutig schon immer einen an der Waffel". Ist das Koketterie oder nichts als die Wahrheit?

Tatsächlich war ich immer schon ein kleiner Witzbold. Mir hat es schon als Kind sehr gut gefallen, die Leute zum Lachen zu bringen – das sehe ich fast schon ein bisschen wie eine Lebensaufgabe von mir (lacht). Generell bin ich ein sehr glücklicher Mensch, der immer für Blödsinn zu haben ist.

Vor kurzem warst du an der Seite von Deutschlands größtem Star Elyas M'Barek in "Liebesdings" zu sehen, jetzt spielst du in "Freibad" von Doris Dörrie, der erfolgreichsten Regisseurin der Republik. Wie kam es zu diesen Jobs?

Die beiden Rollen verdanke ich meinen Aktivitäten auf Instagram und TikTok. In der Corona-Pandemie gab es für mich in meinen Berufen als Stand-up-Comedian, als Synchronsprecher und als Fotograf plötzlich nichts mehr zu tun. Ich hatte immer das Ziel vor Augen, Schauspieler zu werden. Wenn ich stillsitze, komme ich meinem Ziel schließlich nicht näher, daher fing ich an, Comedy-Vdeos auf Instagram und TikTok zu veröffentlichen. Plötzlich ist ein Video mit fünf Millionen Klicks viral gegangen und generierte viele Kommentare und Follower. Daher fing ich an, täglich Comedy-Videos hochzuladen.

Auch Elyas M'Barek und der "Fack ju Göhte"-Autor Bora Dagtekin wurden auf meinen Kanal aufmerksam. Von Bora kam schließlich die Casting-Anfrage, für den Film von Regisseurin Doris Dörrie vorzusprechen. Daraus resultierte dann auch die Anfrage für den neuen Film von Anika Decker. Ich ging zu beiden Castings, bekam die Rollen und war völlig aus dem Häuschen: Schauspiel war schon immer mein größter Traum!

Seepferdchen-Abzeichen war nicht notwendig für die "Freibad"-Rolle?

Das Seepferdchen war keine Bedingung für den Film, zum Glück musste ich auch nicht oft ins Wasser, weil es beim Drehen wirklich sehr kalt war – was man bei diesen Bildern kaum glauben mag. Wobei ich generell ein aquatischer Mensch bin, zwar ohne Seepferdchen, dafür mit Tauschschein.


Szene aus "Freibad": Im einzigen Frauenfreibad der Bundesrepublik kommt es zu heftigen Reibereien (Bild: Constantin Film)

Wie groß waren deine Einflussmöglichkeiten auf die Gestaltung von Kim?

Doris hatte natürlich eine klare Vorstellung von der Rolle. Zugleich gab es viel Spielraum, die Figur gemeinsam zu erarbeiten. Doris war immer offen für Vorschläge, sie ließ mir sehr viel Freiheit und auch die Möglichkeiten zum Improvisieren.

In einer zentralen Szene fordert Kim am Beckenrand sehr bewegend zum "Sei du!" als Lebensmotto auf. Wie ging es dir bei diesem Monolog?

Es war ein Nachtdreh, es war sehr kalt und es war sehr aufregend für mich. Vor dieser Szene hatte ich ziemlich Respekt, schließlich war klar, das ist jetzt dein großer Moment im Film. Und du bist ganz allein auf der Leinwand. Die gefühlte Gänsehaut kam da also nicht nur wegen der Kälte. (lacht)

Deine Kim ist trans Frau. Sollten solche Rollen nicht bevorzugt trans Frauen spielen?

Kim ist keine trans Frau! Das wird im Film bewusst offengelassen. Es geht darum, dass jeder Kim in eine Schublade stecken möchte. Dabei wäre es viel schöner, wenn die Person einfach so akzeptiert wird, wie sie ist, ohne immer alles zu hinterfragen. Ich würde mich jedenfalls unwohl fühlen, als homosexueller Mann eine trans Frau zu spielen. Solche Rollen sollte man besser trans Menschen überlassen. Kim ist eine genderfluide Figur. Nur weil Kim Kleider trägt, heißt es nicht, dass Kim sich als Frau definiert. Auch viele Männer tragen heute Nagellack, ohne sich anders zu definieren.

Doris Dörrie erzählte, dass sie als Jugendliche im Freibad bisweilen unangenehme Situationen mit Body-Bashing erlebte. Hast du ähnliche Erinnerungen aus der Jugend?

Bei mir gibt es eigentlich nur schöne Erinnerungen an das Freibad. Badminton, Tischtennis und Pommes-Schranke. Natürlich wurde man manchmal blöd angeschaut oder als "Schwuchtel" bezeichnet, aber davon habe ich mich nicht beeindrucken lassen. Wir waren eine Gruppe, bei der man sich wirklich wohl gefühlt hat.

Direktlink | Offizieller Trailer zu "Freibad"
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Im Herbst gehst du mit einem Comedy-Programm auf große Tour in 80 Städte. Worum geht es da in "merkste selber"?

Stand-up mache ich bereits seit sechs Jahren, allerdings hatte ich bislang noch keine eigene Tour. Ergeben hat sich das durch einen Veranstalter, bei dem ich für eine Podcast-Aufnahme zu Gast war. Thematisch erzähle ich aus meinem Leben ab 18. Vom Zivildienst. Vom Tanzen. Von meiner Musical-Erfahrung. Und natürlich auch vom Dating mit all seinen Höhen und Tiefen. (lacht)

Hast du die Texte selbst geschrieben oder stecken Comedy-Autoren dahinter?

Tatsächlich kam am Anfang die Frage, ob ich einen Autor möchte. Aber ich entschied mich dafür, das lieber doch alles selbst zu schreiben. Dann ist das einfach eher mein Humor. Jetzt bin ich sehr gespannt auf die Reaktion des Publikums. Ich hoffe, die Leute sagen dann nicht: "Ach, wir schauen dich doch lieber nur auf Instagram, und tschüß!".

Elyas M'Barek erzählt gerne, dass er sich eine Tarnkappe wünscht, wenn er ins Freibad geht. Wie ergeht es dir mit zunehmendem Ruhm?

Mich stört es überhaupt nicht, wenn ich angesprochen werde. Wobei es natürlich auf die Situation ankommt. Ich freue mich immer, meine Follower zu treffen, und auch bei Großveranstaltungen wie dem CSD mache ich auch gerne Selfies mit ihnen.

Infos zum Film

Freibad. Komödie. Deutschland 2022. Regie: Doris Dörrie. Cast: Andrea Sawatzki, Maria Happel, Nilam Farooq, Lisa Wagner, Melodie Wakivuamina, Julia Jendroßek, Sabrina Amali, Nico Stank, Samuel Schneider, İlknur Boyraz, Sema Poyraz, Arzu Armen, Semra Uysallar, Ulla Geiger, Simon Pearce. Laufzeit: 102 Minuten. Sprache: deutsche Originalfassung. FSK 12. Verleih: Constantin Film. Kinostart: 1. September 2022
-w-

#1 KartoffelhumorAnonym
  • 31.08.2022, 10:58h
  • Trailer angesehen, Schenkelklopfklamauk gesehen, spontan das Frühstück hochgewürgt. Ein echter Dörrie.
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#2 StaffelbergblickAnonym
  • 31.08.2022, 12:37h
  • "... an der Seite von Deutschlands größtem Star Elyas M'Barek ..". Ob er das definitiv ist? Ich weiß es nicht. Und was bedeutet schon "Star"? Oder ist doch eher das berufliche Äquivalent "Schauspieler" gemeint??? In diesem Fall hätte er bei mir erhebliche Konkurrenz in Person eines Lars Eidinger (als Beispiel).
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#3 HmmmAnonym
  • 31.08.2022, 13:09h
  • Antwort auf #2 von Staffelbergblick
  • Umgangssprachlich wird das Wort "Star" für Personen des öffentlichen Lebens, primär aus der Unterhaltungsbranche, mit weitreichender Bekanntschaft gepaart mit kommerziellen Erfolg verwendet.
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