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Eine Hetero- Homo-Dreierbeziehung auf Russisch. Die witzig inszenierte Story zeigt das verrückte Liebesleben moderner Moskauer.

Von Christian Scheuß

Das Moskau von heute ist ein anderes, als wir es im Kopf haben. Kein dauerdepressiver Moloch mit grauen Hausfassaden, Plattenbauten und darin lauter verhärmte verarmte Menschen. Das neue Moskau ist eine Metropole, in der die gleichen Regeln gelten, wie in Paris, London oder Berlin. Alle wollen das schnelle Geld, besonders die jüngeren. Sie wollen sich Dinge leisten können, glücklich sein, eine gewisse Position erreichen. Sie arbeiten lange, gehen zum Fitness-Training, speisen in Restaurants, genießen Sex, Drugs & Rock'n'Roll. Genau in diese neue Mittelschicht führt uns "You I Love", der erste Spielfilm des Regisseur- Produzenten- und Autorenduos Olga Stolpovskaya und Dmitry Troitsky. Zugleich ist es der erste Kinostreifen Russlands, der offen und unbefangen Homosexualität darstellt.

Aber zunächst beginnt es sehr heterosexuell. Vera ist eine gut aussehende TV-Nachrichtenmoderatorin. Timofei ist ein kreativer Gestalter für Anzeigenkampagnen. Als sich beide kennen lernen, funkt es schnell zwischen Ihnen. Sie verlieben sich und der Sex erweist sich nicht nur als sportlich, sondern auch als sehr vitaminreich. Denn Vera steht auf Obst beim Liebesspiel. Alles könnte so lustvoll weitergehen, wenn nicht plötzlich ein junger Mann des Nachts auf der Motorhaube von Timofeis Auto landet. Ein Unfall, der für den Mongolen Uloomji glimpflich abgeht. Der junge Mann, der aus seinem Heimatdorf nach Moskau gereist ist, um dort seinen Wunschtraum Artist zu werden, wahrzumachen, wacht in Timofeis Wohnung aus seiner Ohnmacht auf. Und verliebt sich auf der Stelle in den großen blonden Lebensretter.

Nicht nur die Bisexualität, die Timofei an sich entdeckt, irritiert ihn. Auch Uloomjis Leichtigkeit und unverblümte, einfache Sicht der Dinge beeindruckt den beherrschten und kontrollierten Mann. Zunächst geschockt reagiert Vera, als sie merkt, was zwischen den beiden abläuft. Doch als sie merkt, das sie nichts zu verlieren hat, wenn sie sich auf die neue Konstellation einlässt, spielt sie mit. Mit der Dreierkonstellation sind alle zufrieden. "You I Love" hat ein halbes Happy End. Aus der flott und stilsicher erzählten Komödie wird zum Ende ein Melodram. Wie es endet, sei hier noch nicht verraten. Nur soviel: Als Uloomjis Verwandtschaft aus der Mongolei anreist, prallen Tradition und Moderne heftig aufeinander. Und Homosexualität darf es in den Augen der Familie schon gar nicht geben.

Das Regisseur- Produzenten- und Autorenduo Olga Stolpovskaya und Dmitry Troitsky hat bei der Vorbereitung seines ersten Spielfilms deutlich zu spüren bekommen, welch heißes Eisen sie da trotz aller zunehmenden Toleranz in Russland angefasst haben. Geldgeber waren skeptisch bis ablehnend und Schauspieler zu finden, die einen Bi- beziehungsweise Homosexuellen spielen sollten, das war Sisyphusarbeit. "Tatsächlich ist unser Film so etwas wie eine kleine Revolution für das russische Kino," betonen die Beiden. Sowohl auf der Berlinale 2004, bei diversen Filmfestivals in den USA und Kanada, beim Verzaubert-Filmfestival im vergangenen Jahr, wie auch zuletzt in Turin sorgte "You I Love" für durchweg positive Reaktionen beim Publikum. Und das eben nicht nur wegen der beiden knackigen Darsteller.

Sprachen/Ton: russische OF in D.D. 2.0, ca. 83 Minuten, Untertitel: Deutsch (optional), Bild: 16:9 anamorph (1,66:1), Disc-Typ: DVD 9, codefree
Extras: Hinter den Kulissen / Making of; geschnittene Szenen; Interviews mit den Regisseuren, Cast & Crew (dt.UT); Kinotrailer; Galerie; Filmographien, Trailershow


08.02.2006



#1 SaschaAnonym
  • 08.02.2006, 11:19h
  • Irgendwie nerven die regelmäßig wiederkehrenden "Hetero-Homo-Dreierbeziehungen". Brauchen Männer wirklich immer diese Alibi-Frau, um ihr Leben miteinander zu teilen? In der Realität sicherlich sehr viel weniger als im Film...
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#2 madridEUAnonym
  • 08.02.2006, 17:19h
  • @sascha: Dabei stehe ich solchen unüblichen Darstellungen von Dreierbeziehungen eher wohlwollend gegenüber, weil sie anders gelagert sind als die ewigen Klischees, halte sie aber auch für realitätsfern. Vor vielen Jahren kam der franz. Kultfilm "pourquoi pas ?" mit ähnlicher Konstellation in die Kinos und schon damals fanden wir das doch alles ein bisschen unrealistisch.
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#3 SaschaAnonym
  • 08.02.2006, 22:26h
  • @madridEU: Ich wundere mich nur über die große Zahl solcher Geschichten, während man vergeblich auf romantische Homo-Filme wartet.

    "Brokeback Mountain" hätte ja eine große Ausnahme sein können, aber ich habe bereits gelesen, dass es nur einen einzigen intensiveren Kuss zwischen den beiden Protagonisten geben soll.

    Wenn das nicht auch wieder realitätsfern und diskriminierend ist?!
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#4 LuxuriaAnonym
  • 09.02.2006, 08:33h
  • @Sascha: Willst Du wirklich diese ewige Knutscherei sehen? Nebenbei würde ein romantisches Ende, viel Weichzeichner und Gekuschel kaum zum Thema des Films passen. Sieh ihn Dir doch erst mal an bevor Du urteilst.
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#5 SaschaAnonym
  • 09.02.2006, 13:17h
  • @Luxuria:

    Na, Hauptsache ein romantisches Ende und viel Knutscherei passen zu jedem x-beliebigen Hetero-Streifen. Bei UNS darf das natürlich nicht sein... Warum eigentlich???

    Aber keine Angst: Ich werde mir den Film ganz bestimmt ansehen!
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#6 ScoobyAnonym
  • 18.02.2006, 10:02h
  • @Sascha: Ich gebe dir recht, entweder gibts fast nur homofilme, die tragisch enden, wie auch brokeback mountain, oder dann sind sie gerade das krasse gegenteil. schöne homofilme sind schwer zu finden.
    greez sascha :)
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#7 michaAnonym
  • 01.04.2006, 16:56h
  • meiner meinung nach sollte es endlich mal einen film geben indem zwei schwule auch mal glücklich sein können, ohne das einer von beiden plötzlich "bekehrt" wird und der andere mit dieser "schande" nicht leben kann und sich umbringt... das ist nicht die wahre realität.
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