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Köln
anyway will sich gegen Kürzungen für queere Jugendliche wehren
Das erste queere Jugendzentrum Europas schlägt Alarm: Obwohl die Kölner Grüne/CDU/Volt-Stadtregierung kürzlich noch eine Stärkung der LGBTI-Jugendarbeit versprach, werde nun massiv gekürzt.

Das Kölner Jugendzentrum anyway will die Kürzungen nicht hinnehmen (Bild: anyway)
- 2. September 2022, 10:59h 2 Min.
Das Kölner Jugendzentrum anyway will sich mit einer Petition und einer für Dienstag geplanten Kundgebung gegen Unterfinanzierung und Kürzungen durch die Stadtverwaltung wehren. Demnach plane die Verwaltung, die Jugendberatungsstelle vollständig zu kürzen (queer.de berichtete).
"Die Streichung der Stelle ist aus fachlicher Sicht vollkommen unverständlich", erklärte anyway-Leiter Jürgen Piger. "Der Beratungsbedarf ist höher als vor Corona. In Folge werden Jugendliche mit ihren Nöten im Stich gelassen. Auch in Zeiten der Haushaltskonsolidierung braucht es eine Jugendpolitik, die Minderheiten und ihre Strukturen bedarfsgerecht fördert."
Zudem widerspreche die Streichung auch der Zusage von Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos). Sie sagte kurz vor der Wahl in einem Interview mit Jugendlichen vom anyway im September 2020: "Sie können sich darauf verlassen, dass ich keine Strukturen zerschlage, die wir aufgebaut haben und wo der Bedarf wirklich da ist. Und dazu gehört diese Struktur. Das wird von mir weder vorgeschlagen noch mitgetragen." Auch das Ratsbündnis aus Grünen, CDU und Volt hatte letztes Jahr in seinem Kooperationsvertrag noch versprochen, das anyway "stärken" zu wollen (queer.de berichtete). Dieses Versprechen würde jetzt "ad absurdum geführt".
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Posted by anyway köln on Saturday, August 13, 2022
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anyway-Vorstandsmitglied Kathrin Balke erklärte, dass das Jugendzentrum in den letzten Jahren gewachsen sei. "Das war aufgrund gestiegener und neuer Bedarfe von lsbtiq* Jugendlichen notwendig und politisch gewünscht." So sei erst kürzlich ein queerer Jugendtreff im Stadtteil Mülheim hinzugekommen (queer.de berichtete). Das Angebot richtet sich in diesem diversen Stadtteil verstärkt an Jugendliche mit Flucht- und Migrationsgeschichte. "Deswegen ist umfassende Förderung unserer Grundstruktur notwendig", so Balke.
Unterfinanzierung von 143.000 Euro
Die unzureichende Grundförderung führe zu einer allgemeinen Arbeitsüberlastung im anyway, die aktuell nur durch das hohe Engagement der Mitarbeitenden abgefedert werden könne." Dies ist nicht länger leistbar, so dass nun auch eine massive Begrenzung bis hin zum Aus bestehender Projekte droht", erklärte das Jugendzentrum. Das könne auch das neue Zentrum in Mülheim betreffen – dabei sei dort die Nachfrage "enorm". Abwenden könne dies nur das Ende der Unterfinanzierung. Sie belaufe sich derzeit auf 143.000 Euro pro Jahr.
Die Aktivist*innen appellieren daher an das Ratsbündnis und die Oberbürgermeisterin, den Haushalt noch zu verändern. Er soll Ende September verabschiedet werden. Ihren Forderungen will das anyway mit einer Demo unter dem Motto "Stärken statt streichen: Eine sichere Zukunft für das anyway!" zum Ausdruck bringen. Die Veranstaltung soll am 6. September um 19 Uhr auf dem Alter Markt stattfinden. (pm/cw)
Links zum Thema:
» Homepage anyway
















Mehr fällt mir zu dem, was hier läuft, bald nicht mehr ein.