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Nach Öffentlichkeitskampagne
Transfeindliches Trollforum "Kiwi Farms" gesperrt
Das war eine Verfolgungskampagne zu viel: Nachdem Trolle eine transgeschlechtliche Streamerin ins Visier nahmen, setzte die sich zur Wehr. Nun soll "Kiwi Farms" Geschichte sein.

Rechte Trolle können nicht nur eine Gefahr sein, wenn man ihnen offline begegnet (Bild: markkoenig / unsplash)
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8. September 2022, 10:08h 4 Min.
Über Jahre wurden auf dem rechten Trollforum "Kiwi Farms" Verfolgungen im Internet angezettelt und koordiniert. Immer wieder hatten es die Nutzer*innen dabei vorzugsweise auf transgeschlechtliche Personen, Queers und auf Frauen abgesehen.
Jetzt ist das Board kaum noch zu erreichen – und wenn, dann nur unter kryptischen Domainnamen auf Ausweichservern. Ein Opfer der auf "Kiwi Farms" koordinierten Attacken hatte sich erfolgreich gegen die Betreiber*innen gewehrt.
Community für Stalker
Vergangenen Samstag hatte sich eine relevante IT-Sicherheitsfirma, der Dienstleister Cloudflare, von dem Trollboard distanziert, nachdem die Kampagne #DropKiwiFarms öffentlich Druck gemacht hatte. Cloudflare hatte dem Forum bisher die technische Infrastruktur geboten und es mit seinen Diensten geschützt. Auf der ursprünglichen "Kiwi Farms"-Seite war dann seit Dienstag eine Nachricht des Unternehmens geschaltet. Wegen "einer unmittelbaren Bedrohung für menschliches Leben" sei der Inhalt der Website gesperrt.
Mit den Belästigungs- und Verfolgungskampagnen, die auf dem Trollboard koordiniert wurden, werden mehrere Suizide in Verbindung gebracht. Teilweise sollen die Täter*innen nach dem Tod mit Familienangehörigen weitergemacht und diese ins Visier genommen haben. "Kiwi Farms" wurde unter anderem auch als "weltgrößte Community für Stalker" bezeichnet.
Auch sogenannte Swatting-Aktionen gingen von "Kiwi Farms" aus, das ursprünglich allein zum Zweck gegründet worden war, eine autistische, transgeschlechtliche Frau zu verfolgen. Beim Swatting lösen die Trolle durch an die Polizei gesteckte Fehlinformationen gezielt Überfälle eines Sondereinsatzkommandos aus – auch in der Hoffnung, dass der Einsatz eskaliert und die Zielpersonen erschossen wird.
Doxing, Deadnaming, Swatting
Genau so ein Swatting-Vorfall indes wurde nun "Kiwi Farms" selber zum Verhängnis. Gewehrt hatte sich Clara Sorrenti, eine Kanadierin, die ihre Videospielsitzungen auf der Plattform Twitch unter dem Namen Keffals streamt – so wie viele andere Nutzer*innen auch. Der Unterschied, der die Trolls auf die Fährte Sorrentis brachte: Die Streamerin und Aktivistin ist transgeschlechtlich.
Über Monate hatte der Online-Mob die Frau verfolgt und attackiert. Ihre persönlichen Informationen wie zum Beispiel ihr Wohnort, ihr Deadname und Daten von Familienmitgliedern wurden veröffentlicht (sogenanntes Doxing), die Familienmitglieder erhielten Todesdrohungen.
Immer wieder hackten die Trolls auch Accounts von Sorrenti und bestellten zum Beispiel kostenpflichtig Dinge im Internet oder bombardierten sie mit Pizzalieferungen, die sie unter ihrem Deadname aufgaben. Letztlich wurde Anfang August ein Sondereinsatzkommando auf die Streamerin angesetzt, das morgens bewaffnet an ihre Wohnung klopfte und die Frau festnahm.
Von Kanada nach Großbritannien
Sorrenti floh nach diesem Vorfall aus Kanada zu Unterstützer*innen nach Großbritannien und setzte von dort ihre Streams, in denen sie neben dem Spielen von Videospielen auch politische Fragen und die Rechte transgeschlechtlicher Menschen diskutiert, fort. Doch noch während der Stream von der anderen Seite des Atlantik lief, postierte sich ein mutmaßlicher "Kiwi Farms"-Nutzer samt eines Schilds mit einer bedrohlichen Botschaft vor dem Haus, an dem sich Keffals nun aufhielt, und verbreitete das Foto von sich im Netz.
Die Streamerin rief nach Hinweisen auf die Bedrohung die Polizei – und erfuhr schließlich, dass schon wieder ein Swatting-Angriff auf sie angesetzt war, diesmal durch die Vortäuschung, dass es in der Wohnung zu Schüssen gekommen sei. Die Trolls hatten es geschafft, Keffals Flucht nach Großbritannien und sogar den neuen Wohnort zu entdecken.
Doch Sorrenti wehrte sich auch, zusammen mit anderen Aktivist*innen der transgeschlechtlichen Community, und brachte die Kampagne #DropKiwiFarms ins Rollen. Die beendete durch den öffentlichem Druck schließlich die Vermietung der nötigen Netzwerkinfrastruktur an die Betreiber*innen – nach mehr als einem Jahrzehnt des Schreckens, der auf dem Forum koordiniert worden war.
Seit ihrer Niederlage versuchen die Täter*innen hinter "Kiwi Farms", die Seite bei anderen Providern etwa in Russland und China unterzubringen. Bislang, so heißt es in Berichten, wohl nur mit mäßigem Erfolg. Immer wieder soll die Seite auch gar nicht mehr erreichbar sein. Sorrenti zeigte sich zuversichtlich, dass das Board nicht mehr in alter Form zurückkehren werde.















Und bevor sich hier wieder über meine Wortwahl echauffiert und ich böser böser Mensch diese Menschen nicht mit den ihnen gebührenden Respekt behandle: Abschaum, deren Hass selbst vor 9-jährigen kein Halten kennt, verdienen es nicht, dass sie anders als das bezeichnet werden, was sie sind:
My [nine-year-old] trans child was so proud and confident that they ended up on the cover of National Geographic Magazine. It was the gender revolution! But within days, we were doxxed on Kiwi Farms.
(...)
The kind and gentle folks who call themselves Kiwi Farmers decided that I was a groomer paedophile and that Avery would only be safe if they exposed our full names, addresses, cell phone numbers, places of work, etc. to protect the children dontchaknow.
Ganzer Artikel:
www.pinknews.co.uk/2022/09/07/kiwi-farms-harassed-nine-year-
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