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Grüner Kommunalpolitiker
Würzburger Stadtrat Lysander Laier kommt als trans raus
Vor zwei Jahren stellte sich Lysander Laier, der sich zuvor in der Grünen Jugend eingebracht hatte, erfolgreich für die Grünen zur Stadtratswahl auf. Jetzt verkündete er sein Coming-out.
- 8. September 2022, 10:59h - 3 Min.
Vor zwei Jahren wurde Lysander Laier in den Stadtrat der bayerischen Großstadt Würzburg gewählt. Davor hatte er sich bei der örtlichen Grünen Jugend und darüber hinaus einen Namen im Bereich der Flüchtlingspolitik und im Engagement für Geflüchtete gemacht. Dafür wählte ihn die Jugendabteilung der Grünen in ihren Vorstand.
Seine Tätigkeit für den Verband lag in den Jahren 2018 und 2019. Nun jedoch macht er mit einem anderen Thema als Flüchtingspolitik von sich Reden. Der 24-jährige Jurastudent verkündete sein Coming-out als trans.
Erst Gender-Krise, dann Sicherheit
Der Lokalsender TV Mainfranken lud Laier nach Bekanntwerden der Nachricht ein und führte ein ausführliches Gespräch mit ihm. Sein erstes Coming-out vor anderen Menschen habe er, erzählt er da, vor einem halben Jahr gehabt. Geholfen hat offenbar ein Treffen mit einer befreundeten transgeschlechtlichen Person, der Laier von seiner damals akuten "Gender-Krise" erzählen konnte.
Anders, als es häufig in eingängigen Erzählungen der Fall ist, war Laier die eigene Transgeschlechtlichkeit nicht von klein auf klar. Er habe sich viele Jahre unwohl gefühlt, sagt er, auch mit der Rolle als Frau. Auf eine transgeschlechtliche Identität sei er jedoch lange nicht gekommen.
Schließlich habe er sich durch Ausprobieren versichert: Kurze Haare, männliche Kleider. Das habe sich richtig angefühlt. Nach drei Tagen positiver Gefühle zu dem Experiment sei ihm klar geworden, "dass das real ist" und "dass das genau das Richtige für mich ist".
Eigentlich hatte er sich vorgenommen, die alten Kleider nach dieser Phase wieder anzuprobieren – "um sicherzugehen, dass das der richtige Weg ist", wie er erzählte. Doch dann habe er sich dazu nicht mehr durchringen könne. Schwierigkeiten bereitete ihm dabei jedoch, dass er wegen seines politischen Amts in der Öffentlichkeit stand.
Stadtrat steht hinter ihm
Natürlich habe er Angst vor dem Schritt gehabt, ließ Laier denn auch gegenüber dem Bayrischen Rundfunk wissen, der ebenfalls anklopfte und über die Coming-out-Geschichte aus Würzburg berichte wollte. Auch davor, als Politiker nicht mehr ernst genommen zu werden. Bisher habe er derlei Erfahrungen jedoch nicht machen müssen.
Kolleg*innen im Stadtrat gratulierten Laier zu dem Schritt, lobten ihn als mutig, betonten aber auch, dass es sich am Ende um eine Privatsache handele. Stadtrat Willi Dürnagel, der früher für die CSU und nun für die Würzburger Liste im Stadtrat sitzt, ließ wissen, er habe den Eindruck, dass das gesamte Gremium Laiers Entscheidung respektiere.
Offiziell dürfte Laier jedoch auch noch im Stadtrat mit seinem Deadname geführt werden. Für die Änderung der Einträge will er auf das Selbstbestimmungsgesetz, das die Ampel-Koalition im Bund angekündigt hat, warten. (jk)















