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"Gewalt im Pride-Kontext"

Wegen Sicherheits­bedenken: Reclaim Pride Berlin verschoben

Nach den Angriffen auf trans Menschen ist der CSD für People of Color in der Bundeshauptstadt kurzfristig abgesagt worden. Er soll zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden.


Die sogenannte Progress-Regenbogen­flagge beim Berliner CSD 2021 – die Fahne wurde ergänzt um weitere Farben, die gezielt queere People of Color und trans Menschen repräsentieren und diesen Gruppen mehr Sichtbarkeit verleihen sollen (Bild: Lucas Werkmeister / wikipedia)

  • 9. September 2022, 12:01h 9 2 Min.

Die Organisation QTI*BIPoC United hat die für Samstag in Berlin geplante Demo Reclaim Pride wegen der "verschärften Sicherheitslage" verschoben. "Hintergrund ist die massive öffentliche transfeindliche Gewalt im Pride-Kontext in den letzten Wochen", teilten die Veranstalter*innen am Freitagmittag mit. Ein neuer Termin steht noch nicht fest.

Reclaim Pride sollte eine CSD-Alternative insbesondere für nichtweiße Menschen (People of Color, PoC) sowie trans Personen sein. Für Samstagnachmittag war ein Demozug vom Leopoldplatz zum Mauerpark geplant, in dem auf die Problematik für diesen Teil der Community aufmerksam gemacht werden sollte. So gebe es viele Angriffe "auf Schwarze Menschen, auf Indigenous People, auf People of Color", hieß es in der Einladung.

Die Verschiebung begründete QTI*BIPoC United auf Instagram mit den Worten: "Wir haben uns noch einmal mit unserem Sicherheits- und Awareness-Konzept beschäftigt und festgestellt, dass wir der aktuell verschärften Sicherheitslage für unsere trans Siblings [Geschwister] nicht gerecht werden können." Die Organisator*innen würden zugeben, "dass wir uns in unserer Planung nicht genug Zeit genommen [haben], nicht alle Bedürfnisse und Möglichkeiten berücksichtigen und einfach aktuell zu wenig people power zur Verfügung haben". Gleichzeitig warfen sie Medien eine aktive Rolle "beim Schüren von Hass gegen trans Personen" vor.

Die Organisator*innen hatten im Gespräch mit dem queeren Hauptstadtmagazin "Siegessäule" beklagt, dass queere People of Color innerhalb weißer Strukturen keinen Platz finden könnten. In dem Artikel heißt es: "Die Verbürgerlichung der queeren Bewegung seit den 90er-Jahren führt laut [Mitveranstalter*in] Tarek Shukrallah dazu, dass Menschen, die von Queerfeindlichkeit, und Menschen, die von Rassismus betroffen sind, gegeneinander ausgespielt werden."

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QTI*BIPoC United hatte unter anderem eine Gedenkaktion beim vergangenen Transgender Day of Remembrance sowie letztes Jahr eine Reclaim-Pride-Demo mit 2.500 Teilnehmenden organisiert, die als Teil einer Sterndemo zum alternativen CSD Berlin Pride aus mehreren Stadtteilen zum Alexanderplatz führte.

Eigentlich sollte die Organisation dieses Jahr vom großen Berliner CSD den "Soul of Stonewall Award" erhalten. Allerdings sagte der CSD-Verein die Verleihung kurzfristig ab, weil das Bühnenprogramm schon zu voll gewesen sei. QTI*BIPoC United warf dem CSD-Verein darauf vor, dass dieser nicht die Problematik von People von Color behandeln, sondern "uns für sein kommerzielles Event dekorativ" einbinden wolle (queer.de berichtete). (dk)

-w-

#1 NgmmmAnonym
  • 09.09.2022, 15:33h
  • Schade, jetzt ist genau das passiert, was Menschenfeinde wollen.
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#2 Maybeme
  • 09.09.2022, 15:50hBochum
  • offensichtlich hat die Polizei in Berlin nicht mehr das Gewaltmonopol, bzw. die Fähigkeit dieses durchzusetzen.
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#3 Schon
  • 09.09.2022, 15:56hFürth
  • Antwort auf #1 von Ngmmm
  • Ja, das ist das falsche Signal.
    Heute erst habe ich bei uns im Firmennetz (Siemens) einen Artikel einer Transfrau gelesen. Sie meinte auch, dass Sichtbarkeit enorm wichtig ist, um in der Gesellschaft akzeptiert und integriert zu werden. Ich finde das eine gute Einstellung.
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